Der Lebensmittelskandal um Pferdefleisch in Tiefkühllasagne kommt mehr und mehr in Deutschland an. Erste Funde wurden bestätigt. Im Fleischerhandwerk sieht man dem Thema gelassen entgegen, da die Betriebe von dem Thema nicht betroffen sind. Im Gegenteil: Von der Skepsis der Verbraucher profitieren die kleinen Handwerksmetzger.
Jana Tashina Wörrle

"Das Handwerk ist zwar gar nicht betroffen, aber wir können uns den Vorfall auch nicht erklären", sagt Gero Jentzsch, der Sprecher des deutschen Fleischer-Verbands. Meistens gehe es bei Lebensmittelskandalen in Handel und Industrie darum, die Kosten zu drücken. "Aber das muss bei Pferdefleisch nicht unbedingt der Fall sein", fährt er fort und weist darauf hin, dass man erst einmal abwarten muss, was die Ermittlungen ergeben. Für die deutschen Handwerksfleischer kann er jedoch klar sagen, dass es sich um ein reines Industriethema handelt.
Mehr Vertrauen in Handwerk als in Supermärkte
Ob der aktuelle Aufreger um Pferdefleisch in der Tiefkühllasagne von Supermärkten, das erst in Großbritannien und dann auch Deutschland entdeckt wurde, oder Vorfälle wie "Gammelfleisch" und die BSE-Krise –derartige Skandale rund ums Essen sorgen dafür, dass die kleinen Betriebe aus dem Lebensmittelhandwerk einen stärkeren Zulauf erhalten als davor.
"Hier zeigt sich, dass die Verbraucher den Metzgern und Fleischern eben doch mehr vertrauen als den Supermärkten", sagt Jentzsch und weist gleichzeitig darauf hin, dass sich diese Effekte aber leider oft nicht lange halten. "Verschwindet der Skandal aus den Medien, dann achten auch wieder weniger auf die Qualität", sagt der Fleischfachmann.
Dass sich jedoch unabhängig von den Skandalen ein genereller Rückgang beim Fleischkonsum und der Fleischproduktion zeigt, wertet er sogar als gutes Zeichen. "Das Fleischerhandwerk setzt nicht auf Masse und wenn so auch die Verbraucher denken, profitieren wiederum die kleinen Betriebe", sagt er. Diese würden bei ihren Kunden noch nichts von Verzicht spüren.
FleischproduktionPferdefleisch spielt kaum eine Rolle
Dass die deutsche Fleischproduktion zurückgeht, hatte das Statistische Bundesamt am Mittwoch gemeldet. Demnach ist erstmals seit 15 Jahren weniger Fleisch produziert worden als im Vorjahr. 2012 wurden hierzulande acht Millionen Tonnen Fleisch hergestellt. Das war auf Jahressicht ein Rückgang um fast 160.000 Tonnen oder 1,9 Prozent.
Als Grund für das Ende des Aufwärtstrends nannten die Statistiker vor allem einen Rückgang bei Schweinefleisch. Dennoch hatte Schwein den Angaben zufolge mit 67,8 Prozent weiter den größten Anteil an der gesamten hierzulande erzeugten Fleischmenge. Geflügel erreichte mit 17,7 Prozent den zweitgrößten Anteil. Der Anteil von Rindfleisch an der gesamten Produktionsmenge lag bei gut 14 Prozent. Pferdefleisch spielt in der deutschen Fleischproduktion kaum eine Rolle.
