Bestimmte In-Ear-Kopfhörer von Apple haben Hörgeräte-Funktionen. Warum Hörakustiker diese Entwicklung positiv bewerten.

Seit einem Software-Update im Oktober 2024 verfügen die AirPods Pro 2 von Apple über eine integrierte Hörtest- und Hörgerätefunktion. Jakob Stephan Baschab, Hauptgeschäftsführer der Bundesinnung der Hörakustiker (biha) bewertet die Initiative von Apple aber weniger als Konkurrenz, denn als positives Signal. "Auf diesem Weg werden auch Personengruppen – insbesondere junge Menschen – erreicht, die zuvor kaum für die Themen Hörtest und Hörsystem sensibilisiert waren", begründet er seine Einschätzung.
Die Consumer-Produkte könnten nicht nur zu frühzeitigen Hörtests motivieren, sondern auch zur Entstigmatisierung des Themas beim Verbraucher beitragen, nennt er einen weiteren Vorteil.
US-Standards für Hörgeräte erfüllt
Qualitativ entspricht die neue Generation von Kopfhörern den offiziellen Standards der US-amerikanischen Zertifizierung für Hörgeräte bei leichter bis mittelgradiger Schwerhörigkeit, so der Verband.
Allerdings könne der mit den AirPods Pro 2 durchgeführte Hörtest keine professionelle, medizinische Hördiagnostik durch HNO-Ärzte oder Hörakustiker ersetzen. "Er liefert lediglich erste Hinweise auf einen möglichen Hörverlust, der anschließend fachlich abgeklärt werden sollte", betont Baschab.
AirPods kein Ersatz für Hörgeräte
Die Hörgerätefunktion wird nur bei einem leichten und mittleren Hörverlust aktiviert. Liegt die ermittelte Hörschwelle über 60 Dezibel, wird automatisch auf eine ärztliche Abklärung verwiesen und die Hörgerätefunktion nicht aktiviert.
Aus rechtlicher Sicht wirft die Hörgerätefunktion allerdings noch Fragen auf. "Wer passt das Hörgerät letztlich an – Apple, die Software oder der Nutzer selbst?", fragt Baschab.
Vor dem Hintergrund möglicher Gesundheitsrisiken könnten die Apple-Geräte unter die europäische Medizinprodukteverordnung (MDR) beziehungsweise unter das deutsche Medizinprodukterecht-Durchführungsgesetz (MPDG) fallen.
Die Geräte seien anders zu bewerten als beispielsweise eine Apple Watch, die lediglich diagnostische Hinweise liefert. Die AirPods dagegen verfügten über eine Funktion mit therapeutischer beziehungsweise rehabilitativer Wirkung, weist Baschab auf noch offene handwerks- wie medizinprodukterechtliche Fragen hin.