Brysch sieht vor allem die Politik in der Verantwortung Patientenschützer greifen Ärztepräsident Hoppe an

Patientenschützer kritisieren die Pläne des scheidenden Ärztepräsidenten Jörg-Dietrich Hoppe, die Vorrangigkeit bestimmter medizinischer Leistungen festzulegen. Der Geschäftsführende Vorstand der Deutschen Hospiz Stiftung, Eugen Brysch, sagte der "Neuen Osnabrücker Zeitung", niemand käme in Deutschland auf die Idee, die Sicherheit von Atomkraftwerken allein den Betreibern zu überlassen.

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Patientenschützer greifen Ärztepräsident Hoppe an

Osnabrück (dapd). Patientenschützer kritisieren die Pläne des scheidenden Ärztepräsidenten Jörg-Dietrich Hoppe, die Vorrangigkeit bestimmter medizinischer Leistungen festzulegen. Der Geschäftsführende Vorstand der Deutschen Hospiz Stiftung, Eugen Brysch, sagte der "Neuen Osnabrücker Zeitung" laut Vorabbericht, niemand käme in Deutschland auf die Idee, die Sicherheit von Atomkraftwerken allein den Betreibern zu überlassen. Ebensowenig könne eine "private Organisation" wie die Bundesärztekammer Fragen der Priorisierung im Gesundheitswesen beantworten.

Hoppe hat angekündigt, in einer Arbeitsgruppe der Bundesärztekammer Vorschläge für eine Patientenversorgung nach Ranglisten zu erarbeiten, weil das Gesundheitssystem unterfinanziert sei. Brysch sagte, die Bundesärztekammer sei nicht die absolute Instanz für ethische Diskussionen. "Auch Vorschläge werden in der Praxis Konsequenzen haben", warnte er. Die Hospiz Stiftung setzt sich nach eigenen Angaben für schwerstkranke und sterbende Menschen ein.

Brysch betonte, bei der Festsetzung medizinischer Prioritäten gehe es gehe um Verteilungsfragen und um Gerechtigkeit. Dafür seien aber nicht die Ärzte zuständig, sondern der Bundestag. "Das Parlament und Bundesgesundheitsminister Daniel Bahr (FDP) können diese Frage nicht den Ärzten überlassen", sagte Brysch. Die Politik dürfe sich bei der Gesundheitsversorgung nicht um die Entscheidung drücken. "Sie muss die Prioritäten festlegen und verantworten", sagte Brysch.

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