Die Bilanz über die Entwicklung am Lehrstellenmarkt ist nicht überraschend. Der demographische Wandel erfasst den Bereich der beruflichen Bildung mit voller Wucht. Jetzt ist das Zusammenwirken aller Akteure gefragt.
Lothar Semper

Die Partner des Ausbildungspakts haben gerade Bilanz über die Entwicklung am Lehrstellenmarkt gezogen. Bestandsaufnahme und Schlussfolgerungen enthielten keine Überraschungen. Es ist mittlerweile überall angekommen, dass der demographische Wandel den Bereich der beruflichen Bildung mit voller Wucht zu erfassen beginnt.
So verwundert es nicht, dass das Handwerk mit 137.650 neuen Lehrverträgen einen historischen Tiefstand verzeichnet. Und man muss kein allzu großer Prophet sein, um vorherzusagen, dass in den kommenden Jahren weitere Rückgänge zu erwarten sind.
Aufgrund der niedrigen Geburtenzahlen wissen wir recht zuverlässig, welches Potenzial uns in den nächsten eineinhalb Jahrzehnten zur Verfügung steht – schließlich sind die Kinder, die in dieser Zeit die Schule verlassen, ja schon geboren. Sonderfaktoren wie doppelte Abiturientenjahrgänge, die es 2013 nochmals geben wird, ändern am grundlegenden Trend rein gar nichts.
Schule muss Ausbildungsfähigkeit gewährleisten
Erschwerend kommt hinzu, dass bundesweit von einem Jahrgang schon fast die Hälfte einen Schulabschluss erwirbt, der die Studienberechtigung verleiht. Vom verbleibenden Rest münden derzeit viel zu viele – bundesweit rund 300.000 pro Jahr – noch in Maßnahmen des so genannten Übergangssystems. Insofern verkleinert sich die Klientel, aus der das Handwerk derzeit vorwiegend seine Lehrlinge rekrutiert, weiter.
Kann man da nur noch resignieren oder gibt es nicht doch Chancen, um den Fachkräftebedarf zu decken? Solche gibt es in der Tat. Sie erfordern aber das Zusammenwirken aller Akteure. Einen Grundauftrag hat die Schule: Sie muss die Ausbildungsfähigkeit gewährleisten. Dafür bietet auch das Handwerk frühzeitige Berufsorientierung an. Gefordert sind aber auch die Eltern. Ihr Einfluss ist entscheidend dafür, dass junge Leute auch Ausbildungswilligkeit mitbringen.
Hat die Ausbildung einmal begonnen, sind zwei Dinge wichtig: Zum einen brechen zu viele Lehrlinge ihre Ausbildung ab – auch wenn danach doch jeder Zweite im Handwerk verbleibt. Zum anderen bleiben nur knapp 40 Prozent nach der Ausbildung im Handwerk. Diese Quote muss dringend gesteigert werden.
Neben all diesen Hausaufgaben kann ein weiterer Ansatzpunkt darin liegen, junge Menschen aus EU-Staaten mit hoher Jugendarbeitslosigkeit für eine berufliche Tätigkeit in Deutschland zu gewinnen.