Selbst erfahrene Beobachter sind überrascht. "Ich hätte nie gedacht, den 'Panzer' einmal so zu sehen", sagt eine Journalistin, als Niedersachsens CDU-Kultusminister Bernd Althusmann am Mittwoch über seine Doktorarbeit spricht. Der 44-Jährige mit dem militärischen Spitznamen wirkt angeschlagen, fast ein bisschen traurig.
"Panzer" zeigt Schwäche
Hannover (dapd). Selbst erfahrene Beobachter sind überrascht. "Ich hätte nie gedacht, den 'Panzer' einmal so zu sehen", sagt eine Journalistin, als Niedersachsens CDU-Kultusminister Bernd Althusmann am Mittwoch über seine Doktorarbeit spricht. Der 44-Jährige mit dem militärischen Spitznamen wirkt angeschlagen, fast ein bisschen traurig. Nun also reiht auch er sich in die Reihe der Politiker ein, die sich im Zusammenhang mit ihrer Dissertation Plagiatsvorwürfen ausgesetzt sehen. Ausgerechnet er, der immer Ruhe ausstrahlt, der sein Ressort im Griff hat. Und ausgerechnet er: der derzeitige Präsident der Kultusministerkonferenz.
Der Minister macht selbst keinen Hehl daraus, dass die vergangene Woche für ihn nicht leicht gewesen sei. "Tage und Nächte habe ich mit meiner Frau darüber gesprochen", sagt er und wischt sich dabei den Schweiß von der Stirn. Richtig schwer werden für ihn aber wohl die kommenden Wochen werden. Althusmann zählt zu den Schwergewichten in der Landes-CDU und gilt als möglicher Nachfolger von Ministerpräsident David McAllister (CDU). Nun ist fraglich, ob auch seine politische Karriere wegen seiner Doktorarbeit Schaden nimmt.
Klar ist, auch Althusmann hat in seiner 290-seitigen Dissertation nicht ganz so genau hingeschaut. Nach einer Analyse der Wochenzeitung "Die Zeit" soll er in der Doktorarbeit inhaltliche und wörtliche Übernahmen aus anderen wissenschaftlichen Werken nicht gekennzeichnet haben. Doch Althusmann sieht seinen Fall anders als die anderer Politiker, die ihren Doktortitel in den vergangenen Monaten bereits verloren haben. Er habe nicht bewusst getäuscht. Seine Quellen habe er nicht verschleiert, vielleicht aber hin und wieder nicht richtig gekennzeichnet.
Wahrscheinlich nahm auch er sich einfach nicht die Zeit, um genau hinzusehen. Wie so viele Politiker hat Althusmann neben Mandat und Parteipolitik an seiner Doktorarbeit geschrieben. Sie trägt den Titel "Prozessorganisation und Prozesskooperation in der öffentlichen Verwaltung - Folgen für die Personalentwicklung". Schon damals hätten sich viele gefragt, wie er es schaffe, als Familienvater und Politiker auch noch an der Dissertation zu arbeiten, erinnert sich ein Landtagskorrespondent.
Erging es Althusmann also wie CSU-Politiker Karl-Theodor zu Guttenberg, der wegen seiner Doktorarbeit im März sein Amt als Verteidigungsminister aufgeben musste und als Erklärung für sein Abschreiben seine Belastung als Familienvater und Politiker heranzog? Solche Entschuldigungen wolle er nicht gelten lassen, sagt Althusmann am Mittwoch. Natürlich habe er durchaus manchmal überlegt, die Arbeit nicht fertig zu schreiben. Doch er entschied sich dagegen, nahm sich Auszeiten für die Dissertation.
In den Ferien habe er sich oft alleine ohne Familie in eine Wohnung an der Ostsee verkrochen und an der Arbeit weiter geschrieben. Gleichzeitig macht er aber klar, dass es sich am Ende sicherlich nicht um eine "wissenschaftliche Höchstleistung" gehandelt hat, und fügt leise hinzu: "Das konnte ich damals gar nicht."
Als der Fall Guttenberg bekannt wurde, kamen auch Althusmann Zweifel. "Ich habe mehrfach darüber nachgedacht, ob ich in meiner Arbeit auch Fehler gemacht habe", sagt er. Doch sei er beim Durchsehen seiner Arbeit auf "eine so große Zahl von Quellen" gestoßen, dass er zu dem Schluss kam: "Bei mir ist das nicht der Fall." Umso überraschter sei er nun gewesen, dass ihm doch Mängel vorgeworfen wurden. Auch wenn er einen Rücktritt von seinen Ämtern ablehnt, ist die politische Zukunft von Althusmann nun ungewiss.
dapd
