Außen Edelstahl auf Holz, innen ein Sammelsurium aus Exponaten, das die Jahrtausende währende Tradition des Brotes erlebbar macht. Das im Oktober eröffnete Paneum bei Linz spielt mit dem Kontrast.
Ulrich Steudel

Drinnen die zur Schau gestellte Geschichte eines Grundnahrungsmittels, draußen moderne Architektur, die in organischer Formensprache das Zukunftsversprechen digitaler Bauprozesse zum Ausdruck bringt.
Anders als das Museum der Brotkultur in Ulm, das im historischen Ambiente eines Salzstadels seine Ausstellung präsentiert, wird beim Paneum die Gebäudehülle selbst zum Schauobjekt. Dabei spekulieren die Betrachter trefflich darüber, was Architekt Wolf D. Prix mit der kantenfreien Skulptur des Obergeschosses wohl aussagen will.
Der Gründer des in Deutschland vor allem durch den Bau der BMW-Welt bekannten Büros Coop Himmelb(l)au würde das Paneum selbst gern als Wolkenschiff erkannt wissen. Doch allein der Untertitel des Museums „Wunderkammer des Brotes“ lässt die Besucher wohl eher an einen Teig denken, wenn sie sich dem Gebäude nähern.
Bauherr Peter Augendobler sieht im Kontrast zwischen Architektur und Ausstellung keinen Konflikt. „Wenn etwas eine so lange Tradition hat wie das Brot, muss es modern präsentiert werden. Gleichzeitig zeigen wir damit, dass Bäcker heute ein höchst moderner Beruf ist“, sagt der gelernte Bäcker und Chef des Backmittelherstellers Backaldrin.
Mit dem Paneum hat der Firmeninhaber am Stammsitz seines Unternehmens mit 870 Mitarbeitern im oberösterreichischen Asten zusammen mit Stararchitekt Prix ein Monument errichtet, das mit den Zutaten des Dekonstruktivismus einen Schauraum traditionellen Backhandwerks umhüllt.
Dabei kommt das 20 Meter hohe Gebäude ohne Fassade oder Giebel aus. Allein der Eingang bestimmt, was als Vorderseite betrachtet werden könnte. Der Betonsockel bietet Platz für ein Kundeninformationszentrum und ein Veranstaltungsforum für bis zu 120 Gäste.
Darüber wölbt sich die Hülle – ein Holzbau aus 390 Kubikmeter Brettsperrholz ohne Stützträger geformt und außen mit 3.100 Edelstahlschindeln bedeckt. Erschlossen wird die Kuppel mit der Ausstellung über eine spiralförmige, freitragende Treppe, deren Auge die Etagen optisch verbindet.
Das Paneum soll den Besuchern das Thema Brot mit zukunftsweisender Bauweise schmackhaft machen. Wenn der Architektur das gelingt, dann ist es auch egal, ob das skulpturale Haus als Wolkenschiff oder überdimensionale Teigmasse wahrgenommen wird.