Immer mehr Bankfilialen schließen, klassische Postämter gibt es gar nicht mehr: An ihre Stelle treten zunehmend kleine Läden, in denen man Geld abheben oder Pakete aufgeben kann. Lohnt sich das für Bäcker, Metzger, Textilreiniger oder Friseure? Und wie startet man ein solches Nebengeschäft? Die Deutsche Handwerks Zeitung hat sich umgehört.

Erst vor ein paar Tagen sorgte die Ankündigung der Postbank für Protest bei der Gewerkschaft verdi. Fast die Hälfte der Filialen soll geschlossen werden. Die Postbank geht mit ihren Plänen allerdings den Weg, den so gut wie alle Banken derzeit gehen. Sie schließen Filialen und bauen Geldautomaten ab. Der Trend zum Onlinebanking und das vermehrte bargeldlose Bezahlen machen deren Verfügbarkeit zwar für viele Menschen mittlerweile überflüssig. Dennoch gibt es viele – vor allem Ältere –, die nicht ganz auf Bargeld und vor allem den analogen, direkten Service und die Beratung verzichten möchten.
Nebengeschäft: Paketshop und Geld auszahlen beim Bäcker oder Friseur
Ähnlich sieht es bei der Post aus. Zwar hat die Deutsche Post selbst und auch das dazugehörige Unternehmen DHL schon lange kein Monopol auf das Versenden und Zustellen von Paketen und Päckchen. Und es haben sich mittlerweile auch viele andere Versandhandelsfirmen etabliert. Dennoch mag es den ein oder anderen geben, der den Gang zur Post vermisst – sei es für das klassische Weihnachtspäckchen oder die Briefmarken für die Grußkarten zu den Feiertagen.
Doch auch hier zeigt die Entwicklung einen Trend weg vom einst klassischen Weg. Weg vom Postamt, das es als solches ja schon seit vielen Jahren kaum mehr gibt. Das Post-Geschäft übernehmen heute ausschließlich Postfilialen, die in Supermärkten, Tankstellen, Kiosken oder auch bei Handwerksbetrieben wie Bäckern, Fleischern, Friseuren oder Reinigungen mit untergebracht sind. Ähnlich macht das auch die Konkurrenz – wie Hermes, UPS, GLS, Dpd und Co. Und noch mehr, denn auch den Service des Bargeldauszahlens übernehmen diese Geschäfte mittlerweile oftmals für die Banken bzw. die geschlossenen Bankfilialen. So werden auch immer mehr kleine Handwerksbetriebe zu Mini-Bankfilialen und Paketshops.
Bankfilialen schließen – immer mehr alternative Orte zum Geldabheben
Die Anzahl der Kreditinstitute sowie die von diesen betriebenen Zweigstellen ist nach Angaben der Deutschen Bundesbank bereits seit mehreren Jahren rückläufig. So belief sich der Bundesbank-Statistik zufolge die Anzahl der Zweigstellen zum Jahresende 2022 auf 20.446, während es zum Jahresende 2019 noch 26.667 waren.
Dennoch heben viele Menschen allerdings Bargeld ab und der Trend zum Online-Banking und bargeldlosen Bezahlen allein fängt die Entwicklung nicht ab. Stattdessen geschieht dies an sogenannten alternativen Bargeldbezugspunkten. Dabei handelt es sich in der Regel um Auszahlungen an Ladenkassen über das sogenannte Cash-Back-Verfahren. Dieses findet gemäß der regelmäßig erhobenen Zahlungsverhaltensstudie der Bundesbank immer mehr Verwendung. So haben 34 Prozent der Befragten im Jahr 2021 bereits angegeben, über die Ladenkasse Bargeld zu beziehen. Im Jahr 2017 waren es noch 23 Prozent. Der Anteil des Bargelds, das an der Ladenkasse abgehoben wird, macht acht Prozent an den jährlichen Gesamtabhebungen aus und hat sich laut Bundesbank seit 2017 vervierfacht.
Neben dem Cash-Back-Verfahren, bei dem die Abhebesumme auf 200 Euro begrenzt ist, gibt es außerdem das sogenannte Cash-in-Shop-Verfahren. Dieses ist unabhängig von einem Einkauf, findet dennoch in Läden, Tankstellen und an anderen derartigen Orten statt. Aber es bedarf anderer Vertragsbestimmungen zwischen Händlern und Banken und es ist nicht so weit verbreitet. Dabei sind Aus- sowie Einzahlungen in unbegrenzter Höhe möglich, aber das Verfahren wird nur für Kunden bestimmter Kreditinstitute angeboten.
Eine weitere Erhebung der Bundesbank zeigt außerdem, dass es in Deutschland im Jahr 2021 insgesamt 27.795 Standorte von alternativen Bezugsmöglichkeiten für Bargeld gab, dass dort also Auszahlungen über Cash-back oder Cash-in-Shop möglich waren. Rechnerisch standen somit den Bürgerinnen und Bürgern je 10.000 Einwohner etwa drei alternative Abhebeorte zur Verfügung.
Nebengeschäft mit dem Cash-Back-Verfahren: Service für die Kunden
Abgebaut wurde der Geldautomat auch im oberbayerischen Niederroth. Um den 1.200 Einwohnern aber weiterhin die Möglichkeit zu bieten, Bargeld vor Ort zu bekommen, hat die örtliche Bäckerei und Konditorei Wörmann entschieden, beim Cash-Back-Verfahren mitzumachen. Wer Bargeld braucht, verbindet das in Niederroth also durchaus auch mit dem Backwarenkauf. Dieser ist Voraussetzung dafür – genauso wie das Bezahlen per EC-Karte. "Vorteile für uns sehe ich aber dadurch keine, es ist ein reiner Service für unsere Dorfbewohner", sagt dazu Regina Wörmann. Und diesen nutzen nicht nur die älteren Menschen, sondern auch jüngere und vor allem Durchreisende, die sich unterwegs versorgen, berichtet sie.
Werbung dafür, dass man in der Bäckerei auch Bargeld bekommt, machen die Wörmanns nicht. Und es gibt auch keinen Mindesteinkaufswert, um den Service zu nutzen. Die Rahmenbedingungen des Verfahrens sehen eine begrenzte Bargeldmenge von 200 Euro vor, die abgehoben werden kann. So muss die Bäckerei auch nicht verpflichtend große Bargeldbestände vorhalten. Kosten dafür entstehen für sie wie bei jeder normalen EC-Kartenzahlung – Gebühren an die Bank bzw. den EC-Kartenanbieter.
Möchte man als Händler in das Cash-Back-Verfahren einsteigen, wendet man sich bestenfalls an die eigene Hausbank oder direkt an einen der EC-Kartenanbieter, der auch die Kartenzahlung organisiert und die Geräte dafür bereitstellt.
Nebengeschäft Paketshop: Nicht für jeden lohnenswert
Der Einstieg ins Paketshop-Geschäft ist ähnlich einfach. Die verschiedenen Anbieter geben auf ihren Websites interessierten Betrieben direkt die Möglichkeit, sich zu melden. Sie werden dann mit der notwendigen technischen Ausstattung versorgt. Drucker für die Versandaufkleber, Handscanner etc gehören dazu, genauso wie Werbemittel, die man nutzen sollte. Mit den Versandunternehmen schließt man dann einen Partnervertrag. Voraussetzungen, die dafür förderlich sind, sind unter anderem, dass der Betrieb serviceorientiert ist, dass er also zugänglich ist für Kunden und entsprechende Öffnungszeiten anbietet. So sind es ja meist auch Händler oder Dienstleistungsunternehmen wie Friseure oder Textilreinigungen mit Laufkundschaft und einem Verkaufsraum, die Paketshops als Nebengeschäft eröffnen.
Zusätzlich müssen die Paketshops aber auch eine eigene Lagerfläche für die Pakete bereitstellen. Diese muss nach Angaben der DHL Group als auch von Hermes Deutschland nicht allzu groß ausfallen – ein bis zwei Quadratmeter Fläche genügen. Nach Angaben von Hermes sollte das Paketlager idealerweise in einem separaten, möglichst abschließbaren Raum untergebracht sein. Dies bestätigt auch das Unternehmen GLS (General Logistics Systems) auf Anfrage der Deutschen Handwerks Zeitung und fügt die Vorgabe von mindestens zwei Quadratmetern hinzu. Alle drei Versandunternehmen versprechen ihren Partnern eine monatliche Vergütung pro bearbeiteter Paketsendung. GLS ist allerdings das einzige Unternehmen, das dabei konkretere Angaben herausgibt – mit Vergütungen zwischen 50 Cent und vier Euro.
Nebengeschäft durch zusätzliche Kundschaft
Fragt man bei Partnerbetrieben nach, hört man aber doch oft heraus, dass sich das Geschäft nicht deshalb lohnt, weil man an den Paketen mitverdient, sondern, weil zusätzliche Kundschaft in den Laden kommt. Das bestätigt auch die Landbäckerei Mohr aus dem oberschwäbischen Hochdorf-Unteressendorf, die an verschiedenen Standorten sowohl eine Postfiliale mit DHL-Paketshop betreibt als auch Partner von Hermes ist. "Es kommen, vor allem bei der Post, doch einige Kunden die dann auch Backwaren einkaufen", sagt Simone Mohr. Sie ist insgesamt zufrieden – vor allem jetzt vor Weihnachten würden schon viele Leute kommen. Doch sie sieht auch Unterschiede. Mehr zeitlichen Aufwand hätten die Mitarbeiter bei der Bearbeitung der DHL-Sendungen, aber dafür würden für DHL-Pakete mehr Leute kommen. Bei Hermes gehe es vor allem um Retouren, die man annehmen und lagern muss. Hierbei gestaltet sich der Aufwand unkomplizierter.
Als zu kompliziert bzw. zeitaufwendig stuft dagegen die Bäckerei Kachel aus Remlingen in Unterfranken das Nebengeschäft mit den Paketshop- und Postabläufen ein. Auch sie war eine längere Zeit dabei, wird die Filiale aber zum Jahresende aufgeben. Zu viel Raum und Personal werde dafür gebunden, teilt die Bäckerei auf Anfrage mit. Zwar würden schon vereinzelnd Postkunden auch Backwaren mitnehmen. "Gesamtbetrachtend war uns die Vergütung durch die Post aber zu wenig für den Aufwand, den wir damit haben", so das Statement der Bäckerei. In Remlingen gibt es dann bald keine Poststelle mehr.
In Augsburg stufte Semiramis Atar vom Friseursalon "Lifestylefriseur" die Versorgung mit Paketshops in ihrer Umgebung als "zu weit entfernt" ein. Sie wollte ihren regelmäßigen Kunden aus der Umgebung den zusätzlichen Service anbieten, Pakete gleich mitzubringen zum Friseurtermin. Seither ist sie Paketshop-Partnerin und sieht das Geschäft darin auch vor allem in einem doppelten Nutzen – als Service für die bestehenden Kunden und dadurch auch neue zu gewinnen.
Das war auch der Gedanke von Sonja Barth in Leinfelden. Noch während der Corona-Pandemie hat sie sich dafür entschieden, ihre Textilreinigung zur Hermes-Filiale zu machen. "Wir wollten unseren Laden auch bei unseren Nichtkunden – vor allem den jüngeren – bekannter machen", sagt sie. Direkte Kosten habe man damit ja nicht, erwähnt sie. Aber natürlich koste es Zeit, wenn die Mitarbeiter die Päckchen annehmen. Sonja Barth beobachtet derzeit auch, dass das Paketaufkommen zunehme – und sie hätte sich von der Entscheidung mehr Neukunden erwartet. Dennoch relativiert sie: "Unsere Stammkunden freuen sich, wenn Sie Reinigung und Retouren in einem Laden abgeben können."
Nebengeschäft der kleinen Betriebe: Versandunternehmen können flexiblere Angebote machen
Mit diesem Nutzen argumentieren auch die Versandunternehmen vorrangig. "Den Geschäften bringt die Zusammenarbeit eine Frequenz- und Umsatzsteigerung. Neben der Kundschaft für das Kerngeschäft können zusätzliche Kundenpotenziale erschlossen werden", formuliert dies Sarah Preuß, die Pressesprecherin der DHL Group. Sie erwähnt außerdem, dass die Paketshops und Postfilialen einen Beitrag zum Erhalt des Einzelhandels in Städten und Gemeinden leisten würden. Die Form der Partnerschaft, dass kleine Betriebe mit den Versandunternehmen zusammenarbeiten, würde dazu führen, dass Kunden eine viel bessere und flexiblere Versorgung mit den Versand- und Rückgabemöglichkeiten hätten. "Während die durchschnittliche Wochenöffnungszeit der Postfilialen im Jahr 1990 bei rund 18 Stunden lag, sind die heutigen Verkaufsstellen der Deutschen Post dank der Kooperation mit Einzelhändlern durchschnittlich 55 Stunden pro Woche für Postkundinnen und -kunden geöffnet", erläutert sie.
Das stationäre Netz der Deutschen Post und der DHL in Kooperation mit anderen Betrieben ist mittlerweile so aufgebaut, dass es über 37.500 stationäre Annahme- und Verkaufsstellen für Post- und Paketdienstleistungen mit rund 12.900 Partner-Filialen bietet, circa 10.400 DHL-Paketshops, über 12.500 Packstationen und Poststationen sowie rund 1.700 Verkaufspunkten.
Hermes Deutschland teilt mit, dass das Netz über mehr als 16.500 Paketshops verfügt. Das Unternehmen nennt konkret folgende Aufteilung zwischen den einzelnen Partner-Branchen. Derzeit ist mehr als jeder vierte Paketshop mittlerweile in eine Tankstelle integriert (circa 27 Prozent), darauf folgen Kioske (circa 14 Prozent) und der Getränkehandel (circa elf Prozent). Aber auch kleine Handwerksbetriebe seien vertreten, darunter z. B. Reinigungen/Schneidereien (circa fünf Prozent), Bäckereien (circa drei Prozent) oder Blumenhändler (circa zwei Prozent).
Neben diesen großen bekannten Versandunternehmen gibt es noch einige andere auf dem Markt wie beispielsweise GLS mit über 7.500 Paketshops. Alle setzen mittlerweile auf die genannten Partnermodelle. Bei allen wird jetzt in der Vorweihnachtszeit besonders viel los sein. Ob dies für die Paketshop-Betreiber auch Zusatzgeschäft bedeutet statt Zusatzaufwand, entscheidet sich von Shop zu Shop. Das zeigen die Rückmeldungen aus der Praxis deutlich.