Wann es sich lohnt, Wertschöpfung nach außen zu geben Outsourcing: Selber machen oder kaufen?

Selber machen ist nicht immer wirtschaftlich. Besonders dann nicht, wenn es um Sonderanfertigungen geht, die die Kapazitäten eines Unternehmens übersteigen. Die Betriebe müssen sich dann entscheiden, ob und wann es sich lohnt die Wertschöpfung für ein Produkt nach außen zu vergeben.

Michael Sudahl

Peter und Martin Habdank (rechts). - © Foto: Habdank

Flattert Martin Habdank eine öffentliche Ausschreibung auf den Schreibtisch, zückt er den Bleistift. Der Göppinger Metallbaumeister und Industriekaufmann kreuzt all die Positionen des Leistungsverzeichnisses an, die sein Handwerksbetrieb nicht selber herstellen kann oder will. Unter die angekreuzten Metallerzeugnisse fallen etwa Stahl- und Automatiktüren, Roll- und Garagentore oder Rundbogenfenster. "Also das, was wir mit unseren 36 Mitarbeitern nicht selber oder nur mit hohem Aufwand herstellen können", sagt der 52-Jährige.

Am Beispiel Rundbogenfenster lässt sich das gut erklären: Quadratische oder rechteckige Fensterrahmen aus Metall fertigt der Betrieb in Serie. Der Maschinenpark ist dementsprechend ausgerüstet und eingestellt. Die Fertigung fließt in optimierten Rüstzeiten. "Für einen Rundbogen haben wir überhaupt nicht das Werkzeug", sagt Habdank. Der Aufwand für das Bauen eines solchen Fensterrahmens läge beim Fünffachen dessen, was ein Serienfenster kostet. Also fragt er diese bei einem Spezialisten seiner 70 Zulieferer an. Über den Daumen gepeilt müsste der Metallbauer mindestens 50 runde Fensterrahmen pro Jahr produzieren, damit sich die Investition in das entsprechende Werkzeug lohnt. Also rund das Zehnfache von dem, was derzeit pro Jahr an Aufträgen hereinkommt.

Ein komplettes Angebot bieten können

Von seinen rund vier Millionen Euro Jahresumsatz kauft Habdank maximal zehn Prozent zu. "Aber diese brauchen wir, um Ausschreibungen von Architekten komplett anbieten zu können", verdeutlicht der Mittelständler. Tilman Renz vom Stuttgarter Wirtschaftsprüferbüro Binder, Hillebrecht & Partner (BHP) kennt die Frage der Handwerker, ab wann es sich lohnt, die Wertschöpfung für ein Produkt in den eigenen Betrieb zu holen. Denn viele Meister wollen möglichst viel selber fertigen. Doch der Steuerberater warnt vor zu schnellen und zu hohen Investitionen. "Ein großer Maschinenpark ist krisenanfällig", sagt Renz. Denn in der Regel seien Anlagen kreditfinanziert. Fehlten dann auf einmal Aufträge, "fressen hohe Fixkosten schnell den Jahresertrag weg", meint der Finanzfachmann.

Tipps zum Outsourcing

  • Zulieferer erst mit kleineren Aufträgen testen, bevor Volumina vergeben werden.
  • Besser wenige Stammzulieferer als ­viele Dienstleister auswählen. Das schmälert den administrativen Aufwand und sorgt für Qualität.
  • Break-Even-Point berechnen: Ab wann lohnt sich die Investition in Werkzeug? Denn hohe Fixkosten unausgelasteter Maschinen verzehren Gewinne.

Einen weiteren Aspekt zu betrachten, rät Renz seinen Mandanten aus dem Handwerk ebenfalls, wenn sie überlegen, "mache oder kaufe ich": "Oft fehlt in den Betrieben das Know-how für Sonder- oder Einzelanfertigungen", meint der Wirtschaftsprüfer. Folglich passieren schneller Fehler und die sind teuer. Der angebotene Preis reicht dann nicht und der Handwerker legt rasch das Doppelte dessen hin, was er als Gewinn kalkuliert hatte. Martin Habdank nennt noch einen anderen Grund für den Zukauf. "Derzeit arbeiten wir an der Kapazitätsgrenze", sagt er. Dann schafft es der Metallbaubetrieb nicht, alle Aufträge fristgerecht zu liefern. Um dann den Druck von seinen Leuten zu nehmen und damit die Arbeitsqualität zu sichern, vergebe er Überkapazitäten besser an befreundete Betriebe. Da werde zwar sehr wenig daran verdient, aber Habdank könne als zuverlässiger Lieferant punkten, wenn Verzug ausbleibt.