Dorschfischer spricht sich für regionale Regelungen aus Ostseefischer sieht EU-Reformen kritisch

Eine steife Brise weht über das Deck der "Merle". "Heute ist ein guter Tag zum Fischen gewesen, aber ein schlechter für den Verkauf", sagt Fischer Leif Rönnau. Fast automatisiert filetiert er mit seinem Messer Dorsch um Dorsch. Sechs Kisten des beliebten Speisefischs hat er in den frühen Morgenstunden aus der Ostsee vor Wendtorf bei Kiel gezogen.

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Ostseefischer sieht EU-Reformen kritisch

Wendtorf (dapd). Eine steife Brise weht über das Deck der "Merle". "Heute ist ein guter Tag zum Fischen gewesen, aber ein schlechter für den Verkauf", sagt Fischer Leif Rönnau. Fast automatisiert filetiert er mit seinem Messer Dorsch um Dorsch. Sechs Kisten des beliebten Speisefischs hat er in den frühen Morgenstunden aus der Ostsee vor Wendtorf bei Kiel gezogen. Rund 30 Kisten zu je 25 Kilogramm beträgt seine durchschnittliche Fangmenge pro Woche.

Auch Rönnau glaubt, dass der Dorsch überfischt ist. Die Pläne von EU-Fischereikommissarin Maria Damanaki für eine Fischereireform in Europa sieht er dennoch kritisch. "Der Dorsch ist nicht weg", sagt der 25-Jährige. Dorsche fänden in der südlichen Ostsee im Bereich zwischen Kiel, Fehmarn und den dänischen Inseln mittlerweile schlicht zu wenig Nahrung in Form von Hering oder anderen Kleinfischen. Schuld daran sei der Sprotten- und Heringsfang mit Schleppnetzen in der Kieler Bucht.

Mit künftig langfristigen Managementplänen will die EU die Fischbestände in europäischen Gewässern künftig besser schützen. Umweltverbände und Wissenschaftler begrüßen die Reform. "Die hoffen, dass wieder mehr Dorsch kommt, wenn man die Fischer einschränkt, aber das ist nicht der Fall", sagt dagegen Rönnau. Das Problem seien nicht die kleinen Küstenfischer, sondern der industriell betriebene Fischfang.

Rönnau will den Betrieb seines Vaters inklusive des zwölf Meter langen Fischkutters in einigen Jahren übernehmen. Bereits sein Urgroßvater war Berufsfischer. Doch davon allein könnte der Familienbetrieb heute nicht mehr leben, sagt der Fischer. Ohne das Zusatzgeschäft aus Bordverkauf und Fisch-Imbiss direkt am Wasser sei die Existenz nicht zu sichern. "Am vergangenen Wochenende haben wir dort 1.200 Fischfrikadellen aus eigener Produktion verkauft."

Sieben Tage die Woche fährt die "Merle" raus. Während der Sommermonate fischt Leif Rönnau gemeinsam mit seinem Vater mit Stellnetzen direkt vor Wendtorf. Im Winter fahren Vater und Sohn mit Schleppnetzen raus auf die Ostsee. Ab 9.00 Uhr wird das Filet von Bord des ausrangierten Kutters "Sögard" verkauft.

Ihre aktuelle Quote liegt bei 50 Tonnen Dorsch pro Jahr. "Im vergangenen Jahr haben wir aber nur 35 Tonnen gefischt", sagt Rönnau. Die übrigen 15 Tonnen reichte die Genossenschaft an Industriefischer weiter.

Das von der EU geplante Verbot, den Beifang wieder zurück ins Meer zu werfen, stößt bei Rönnau auf Unterstützung. Dieser müsse dann aber auf die Quote angerechnet werden. "Aber wer soll das in der Praxis kontrollieren", sagt der Fischer. Stattdessen gebe es zu viel Bürokratie. "Jedes Jahr gibt es neue Maschenweiten." Tatsächlich habe sich aber die Technik der Netzhersteller geändert.

Die Maschen seien nicht mehr so beweglich wie noch vor zehn Jahren, sagt Rönnau. Dadurch hätten kleine Fische viel geringere Chancen, wieder aus einem Netz zu entkommen. Die Fischer sollten seiner Ansicht nach bei der Schleppnetzfischerei mehr Freiheit bei der Auswahl der Netze erhalten, um den Beifang geringer halten zu können.

Die Fischereiregeln müssten den regionalen Gegebenheiten angepasst werden, sagt Rönnau. Fangquoten dürften nicht weitergegeben werden. Das würde die Bestände seiner Ansicht nach effektiv schützen. An eine wirkliche Besserung glaubt er indes nicht. In den vergangenen Jahren habe sich die Zahl der Berufsfischer in der Region etwa halbiert, sagt Rönnau. "Die meisten haben aufgehört, weil sie mit den sich ständig verändernden Richtlinien nicht klarkamen."

dapd