Die ostdeutsche Wirtschaft schlägt in diesem Jahr ein höheres Wachstumstempo als im Jahr nach der Krise an. Das Wachstum wird aber immer noch von strukturellen Schwächen gebremst.
Ostdeutschland schließt nur langsam auf
Das Institut für Wirtschaftsforschung Halle (IWH) geht davon aus, dass sich das Wachstum 2011 auf 2,8 Prozent beschleunigen wird. Die treibende Kraft sei zwar nach wie vor die Industrie in Ostdeutschland, in diesem Jahr kämen aber auch das Baugewerbe und der konsumnahe Dienstleistungsbereich in Schwung.
Im Gefolge des Produktionswachstums werde sich die Lage auf dem ostdeutschen Arbeitsmarkt weiter verbessern. Das IWH nimmt weiter an, dass die Zahl der Erwerbstätigen – wie im Jahr zuvor – um 0,6 Prozent zunehmen wird. Die Zahl der registrierten Arbeitslosen werde mit 58 000 – gemessen am Beschäftigungsaufbau – überproportional abnehmen. Die Ursache liege im anhaltend starken Rückgang des Erwerbspersonenpotenzials.
Trotz der Wachstumsbeschleunigung werde der gesamtwirtschaftliche Angleichungsprozess an durchschnittliche Pro-Kopf-Größen in Westdeutschland nicht weiter vorankommen.Die ostdeutsche Wirtschaft schließe zwar beim Wachstum des Bruttoinlandsproduktes stärker als im Jahr 2010 auf, der Abstand zu Westdeutschland werde jedoch groß bleiben.
Marktpotenziale außerhalb Ostdeutschlands erschließen
Das Institut geht zwar davon aus, dass sich der Wachstumsrückstand gegenüber Westdeutschland zwar deutlich verringern wird. Die Wachstumsrate des Bruttoinlandsproduktes bleibe jedoch erneut hinter den westlichen Ländern zurück.
Einfluss darauf haben nach Meinung des IWH vor allem die Maßnahmen der ostdeutschen Bundesländer zur Konsolidierung ihrer Haushalte. Im Jahr 2011 bremsen jedoch auch die längerfristig relevanten fundamentalen Schwächen das wirtschaftliche Wachstum in Ostdeutschland, wie
- die Kleinteiligkeit des Mittelstandes,
- die damit verbundene Export- und Innovationsschwäche,
- das Fehlen von Führungszentralen und Großunternehmen,
- die Alterung und der Rückgang der Einwohnerzahl.
Das Institut für Wirtschaftsforschung Halle schlägt Unternehmen deshalb vor: Mobile Anbieter aus dem Mittelstand wie das Ausbaugewerbe, vor allem aber die ureigenen Hersteller handelbarer Güter müssen im Interesse der Stärkung ihrer Wettbewerbsfähigkeit weiter die Marktpotenziale außerhalb Ostdeutschlands erschließen.
rh