Orthopädietechnik-Handwerk Behindertensport: Athleten wappnen sich für WM in Lyon

Die deutschen Athleten schaffen im Behindertensport einen Rekord nach dem anderen - auch dank des Orthopädietechnik-Handwerks. Hightech trifft auf Kraft. Diese Woche geht es zur WM nach Lyon. Die Erwartungen sind groß.

Er ist Orthopädietechniker-Meister, Leistungssportler und Goldgewinner der Paralympics: Markus Rehm. - © Foto: OT

Die deutschen Athleten schaffen im Behindertensport Rekord über Rekord. Eine Woche vor dem Start der Behinderten-Weltmeisterschaft in Lyon ist Sprinter Heinrich Popow Weltrekord über 100 Meter gelaufen: in 12,11 Sekunden.

Und Weitspringer Markus Rehm hat sich im wahrsten Sinne des Wortes selbst übertroffen: Der unterschenkelamputierte Orthopädietechniker sprang beim Leverkusener Sportfest 7,54 Meter - 19 Zentimeter mehr als bei seinem Gold- und Weltrekord-Sprung bei den Paralympics in London im vergangenen September.

Hightech trifft auf Kraft

Nicht erst seit den spektakulären Paralympics 2012 ist klar: Sportarten für Menschen mit Handicap ziehen immer mehr Fans und aktive Sportler an. Deswegen steht jetzt auch Lyon im Blickpunkt (20. bis 29. Juli). "Dank handwerklicher Experten gehen diesen Sommer zur Leichtathletik-WM der Behinderten erstmals 26 deutsche Athleten ins Rennen um die Goldmedaille", wie der Zentralverband des Deutschen Handwerks mitteilt.

© Grafik: ZDH
Orthopädietechnik

Und kein Rekord ohne das Handwerk: Mehr als 36.000 Orthopädiemechaniker-Spezialisten sorgen unter anderem mit modernen Beinprothesen aus Karbonfasern oder ultraleichten Sport-Rollstühlen für Spitzenleistungen im Behindertensport. 
 
 
Vorzeige-Athlet der Deutschen ist unter anderem Markus Rehm. Vor vier Monaten sagte er im DHZ-Online-Interview: "Ende Juli sind die Leichtathletik-Weltmeisterschaften der Behinderten in Lyon, da habe ich viel vor. Vielleicht werde ich meine 7,35 Meter im Weitsprung aus London ja noch mal toppen können, wer weiß." Er scheint auf bestem Wege.

Rehm ist Orthopädietechnik-Meister

Rehm ist selbst Orthopädietechniker. "Ich kenne mich mit der Technik und den technischen Möglichkeiten aus, das hilft schon sehr. Ich probiere manches im Training aus und kann dann orthopädietechnisch darauf reagieren. Ich muss zugeben, ich bastle auch sehr gern ein bisschen herum", so der Orthopädietechniker-Meister.

Das Handwerk des Orthopädietechnikers ist eng verbunden mit dem Sport: "Wir sind schon seit Jahrzehnten eng verbunden mit dem Behindertensport. Dass die Wertschätzung der Paralympics jetzt in der Öffentlichkeit steigt, wurde endlich auch mal Zeit. Durch die Prominenz der Paralympics rückt auch unser Handwerk mehr in den Mittelpunkt, das freut uns natürlich", hatte Klaus-Jürgen Lotz, Präsident des Bundesinnungsverbands für Orthopädietechnik, im Interview mit der "Deutschen Handwerks Zeitung" im vergangenen September gesagt.

Der Vorstand Leistungssport des Deutschen Behindertensportverbandes (DBS) hat kürzlich die Nominierung der Athleten für die Leichtathletik-WM bekannt gegeben. Die Athleten sind:

David Behre, Marie Brämer-Skowronek, Marianne Buggenhagen, Sebastian Dietz, Ali Ghardooni, Frances Herrmann, Anett Jelitte, Birgit Kober, Marc Lembeck, Vanessa Low, Mathias Mester, Katrin Müller-Rottgardt, Claudia Nicoleitzik, Heinrich Popow, Markus Rehm, Jana Schmidt, Marc Schuh, Matthias Schulze, Maria Seifert, Niels Stein, Stefan Strobel, Frank Tinnemeier, Thomas Ulbricht, Sebastian Vogt, Martina Willing und Ilke Wyludda.

Insgesamt starten 118 Nationen in Frankreichs zweitgrößter Stadt.

In Lyon ohne Pistorius

Der einstige Star des globalen Behindertensports fehlt übrigens in Lyon: Der Südafrikaner Oscar Pistorius, der derzeit wegen Mordes an seiner Freundin Reeva Steenkamp in Pretoria angeklagt ist, hat nun doch alle Turniere für 2013 abgesagt. Ursprünglich hieß es, der sechsfache Paralympics-Sieger wolle dieses Jahr wieder einsteigen. Sein Manager teilte jetzt aber mit, dass Pistorius mental noch nicht bereit sei, auf die Bahn zurückzukehren.

Pistorius hatte 2012 in London als erster beinamputierter Athlet bei den Olympischen Spielen mitgemacht und wurde dadurch weltweit bekannt. bur