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TV-Kritik: SWR – "Marktcheck" testet Gleitsichtbrillen Online-Optiker fallen im TV-Test durch

Wer eine neue Brille braucht, hat zwei Möglichkeiten: Den klassischen Optiker oder eine der Verkaufsplattformen im Internet. Das SWR-Verbrauchermagazin „Marktcheck“ hat nun die Online-Brillenhändler bei den Gleitsichtbrillen getestet – mit eindeutigem Ergebnis.

Mit Gleitsichtbrillen ist das so eine Sache. Irgendwann kann der Punkt kommen, an dem man sie einfach braucht, etwa wenn das Lesen mit der alten Einstärken-Brille nicht mehr funktioniert. Auch Volker Voigt, der für das SWR-Verbrauchermagazin "Marktcheck" als Testperson fungiert, will es jetzt ausprobieren mit der Gleitsichtbrille, "wo sie im Internet zu günstigen Preisen angeboten werden". Aber kann das auch klappen? Die Frage stellt sich, als sich Voigt in den Kosmos des Online-Brillenhandels begibt – immer begleitet von einer versteckten Kamera.

Getestet werden die laut "Marktcheck" vier größten Onlinehändler: Mr. Spex, Brille24, brillen.de und Lensbest. Den Überblick behält Hans-Jürgen Strobl aus Neuwied, Augenoptikermeister und öffentlich bestellter Sachverständiger der Handwerkskammer Koblenz. Viele der Onlinehändler arbeiten mit Partneroptikern zusammen, die die Beratung und Vermessung der Augen vor Ort durchführen und an die Onlinehändler durchgeben, die dann die Gläser herstellen.

Beratung meist mangelhaft

Beim Partneroptiker von Mr. Spex läuft die Beratung für Volker Voigt gut. Der Berater stellt die richtigen Fragen: Wird viel vor dem Bildschirm gearbeitet? Wird viel gelesen? Und vor allem: Nimmt der Kunde Medikamente? Das nämlich, hatte Sachverständiger Strobl zuvor erklärt, sei ganz zentral: "Dadurch schwankt das Sehen sehr stark. Dann wäre es fahrlässig, dem Kunden eine Brille zu machen, die dann nachher nicht stimmt." Und in der Tat: Für den günstigen Preis von 212,37 Euro soll in etwa zwei Wochen eine Brille mit einem einfachen Gestell und Gläsern der mittleren Kategorie geliefert werden.

Bei den anderen Onlinehändlern sieht es weniger rosig aus. Bei Brille24 ist die Beratung beim Partneroptiker schwach, es werden kaum Fragen und vor allem nicht die richtigen gestellt, dafür kostet die Brille aber nur 179,90 Euro. Auch Voigt zeigt sich überrascht, wie wenig er gefragt worden sei. Ähnlich beim Partner von brillen.de (249 Euro): Keine Frage etwa nach Medikamenten. Und Lensbest verfügt bei einem Brillenpreis von 177,99 Euro gar nicht erst über einen Partner, sondern hier müssen die Werte der Augen online eingetragen werden. Der Rest ist Hoffnung – und die sollte noch bitter enttäuscht werden.

"Nicht dauerhaft tragbar"

Denn als nach 14, 19 oder gar erst 33 Tagen (bei Brille24) die Brillen ankommen, ist Testperson Voigt wegen der durchschnittlichen oder wie bei Lensbest nicht vorhandenen Verbesserung der Sehkraft, etwa beim Autofahren, enttäuscht. Für Optikermeister Strobl ist das kein Zufall, denn allein mit der Eingabe einiger weniger Brillenwerte könne keine vernünftige Brille rauskommen, bemerkt er. Doch auch die anderen Brillen, bei denen ein Partneroptiker im Spiel war, begeistern den Experten nicht.

Bei der Zentrierung war keine der Gleitsichtbrillen korrekt gearbeitet. "Alle vier Brillen liegen außerhalb der Toleranz", sagt Strobl. "Diese Brillen sind mangelhaft und dürfen eigentlich nicht in den Verkehr gebracht werden." Ein harsches Urteil, und auch bei der Durchblickhöhe liegt keine Brille innerhalb der Toleranz. Bedeutet laut Strobl "unangenehmes Sehen. Im Nahbereich ist es sogar so, dass man den Nahpunkt nicht trifft, es kann immer nur ein Auge scharf sehen, das andere nicht. Diese Brille wird dauerhaft nicht tragbar sein." Als dann auch noch die Mikrogravuren, die in allen Brillengläsern vorhanden sind und anhand derer sich die Qualität bestimmen lässt, dem Experten bei allen Herstellern nichts sagen, ist klar: Qualität scheint all das nicht zu sein.

Die Händler beharren auf ihren Qualitätsansprüchen

Der SWR konfrontierte die Brillenfirmen mit den Ergebnissen. Diese zweifelten den Test entweder an oder bestanden unabhängig davon auf ihren Qualitätsansprüchen. Und in der Tat blieb letztlich offen, inwiefern auch die Messungen bei den Partneroptikern zu den Problemen hätten beitragen können, ob die Fehler lediglich in der Herstellung durch die Onlinehändler begründet lagen - und natürlich auch, wie die Qualität bei stationären Optikern ausfällt. Brillen sind aber ohnehin eine individuelle Sache. Nur wenn alles stimmt – Passform, Gläser, Sitz – sind sie auf Dauer hilfreich. Ob Online-Angebote also prinzipiell das Richtige sind, wenn es um den Brillenkauf geht, soll gerade nach dem SWR-Beitrag einmal dahingestellt bleiben. Am Ende hilft wohl nur Versuch und Irrtum – oder die persönliche Empfehlung vor Ort.

>> Mangelhafte Qualität bei der Online-Bestellung <<

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