ZDH-Betriebsbefragung Das Handwerk leidet unter der Omikron-Welle

Deutlich mehr Beschäftigte fallen aus und die Umsätze sinken: die Omikron-Welle trifft das Handwerk mit voller Wucht. Was laut Handwerksverband jetzt nötig ist.

Maske und Werkzeuge.
Maske und Werkzeuge: Das Handwerk hat mit Ausfällen aufgrund der Coronavirus-Variante Omikron zu kämpfen. Das hat auch Auswirkung auf die Umsätze der Betriebe. - © damato - stock.adobe.com

Noch nie während der Corona-Krise waren im Handwerk so viele Betriebe von Personalausfällen betroffen wie in der jüngsten Infektionswelle. "Der Omikron geschuldete sprunghafte Anstieg der Infektionszahlen hat auch im Handwerk deutliche Spuren hinterlassen", sagte Handwerkspräsident Hans Peter Wollseifer mit Blick auf die Ergebnisse einer Umfrage unter Handwerksbetrieben Anfang Februar. Es sei zu massiven quarantäne- und krankheitsbedingten Ausfällen von Beschäftigten in den Betrieben gekommen. Dies mache sich auch beim Umsatz und bei den Auftragsbeständen bemerkbar.

Wollseifer: Hilfen weiter nötig

Hinzu kämen Probleme durch stockende Lieferketten. Dies alles werde die Konjunktur im Handwerk bremsen und den wirtschaftlichen Erholungsprozess weiter verzögern. "Es ist schon jetzt absehbar, dass die Konjunkturdynamik im ersten Quartal ausfallen wird", fügte er hinzu. Ein Teil der Betriebe werde deshalb über März hinaus auf Unterstützungsprogramme der Bundesregierung angewiesen sein.

Mehr als 40 Prozent der Betriebe betroffen

Wie die Umfrage deutlich macht, sind mehr als zwei Fünftel der Handwerksunternehmen von Corona-bedingten Personalausfällen betroffen. Gegenüber der vorhergehenden Umfrage im August 2021 hat sich der Anteil auf 43 Prozent fast verdreifacht, heißt es in der Auswertung des ZDH. Dabei fehlt in den betroffenen Betrieben im Durchschnitt rund ein Viertel der Beschäftigten, weil diese entweder selbst infiziert sind, als Kontaktperson in Quarantäne müssen oder wegen der Betreuung von Angehörigen ausfallen.

Umsätze und Auftragspolster gehen zurück

Die hohe Infektionsdynamik und striktere Schutzmaßnahmen haben bei vielen Betrieben die Umsätze sinken lassen. So lag bei knapp 40 Prozent der Umsatz im Januar unter dem entsprechenden Vorjahreszeitraum. Und nur bei 17 Prozent war er höher. Besonders betroffen sind dabei die Gewerke mit direktem Kundenkontakt wie Friseure und Kosmetiker. Stärker in Mitleidenschaft gezogen wurde aber auch das Kfz- und das Lebensmittelhandwerk sowie die Gesundheitshandwerke.

Dabei lag der Umsatzverlust bei den betroffenen Betrieben im Schnitt bei 37 Prozent und damit etwas höher als im August 2021. Besonders hoch fiel dieser mit 45 Prozent in den Baugewerken aus, wo sich neben dem Infektionsgeschehen Probleme in den Lieferketten und entsprechende Materialengpässe bemerkbar machten. Gleichwohl erwarten viele Handwerksbetriebe bis zum Ende des Quartals wieder mehr Aufträge, nachdem sie zuletzt zurückgegangen waren.

Betriebe halten meist an Personal fest

Um die schwierige Zeit überbrücken zu können, nutzen wieder mehr Betriebe flexible Instrumente wie die Kurzarbeit. Kündigungen sind die Ausnahmen. Die Betriebe hielten "ganz überwiegend" an den Beschäftigten fest, betonte Wollseifer. Nur in jedem zwanzigsten Handwerksbetrieb sind Beschäftigte entlassen worden. Dies gelte insbesondere für die Gewerke, die von harten Corona-Einschränkungen betroffen wären, wie etwa die persönlichen Dienstleistungsgewerke.

Verband für Nachbesserungen bei Soforthilfe-Rückzahlungen

Nach zwei Jahren Pandemie sind in den besonders von der Krise betroffenen Gewerken die Rücklagen oft aufgebraucht. "Das derzeitige Prozedere bei der Rückzahlung von Soforthilfen muss dringend und schnell geändert werden", forderte Wollseifer. Ob Hilfsgelder auch in Raten zurückbezahlt werden könnten, könne für einen Betrieb existenziell sein. Auch sei es völlig inakzeptabel, dass den Betrieben noch mit Zinsforderungen von bis zu fünf Prozent gedroht werde.

Wie aus der Umfrage hervorgeht, berichten rund 40 Prozent der Betriebe, dass sie Soforthilfen bekommen haben. Gut die Hälfte davon gibt an, dass sie eine vollständige oder anteilige Rückzahlung der Hilfsgelder vornehmen mussten oder noch müssen. In vielen Fällen sei keine Ratenzahlung möglich.

Mehr Hilfen als gedacht müssen zurückbezahlt werden

Dass soviel Hilfen zurückbezahlt werden müssen, hängt nach Angaben des Handwerksverbands auch damit zusammen, dass viele Anträge erst gegen Ende des damaligen Lockdowns gestellt wurden, ohne dass den Antragstellern bewusst gewesen sei, dass der Förderzeitraum erst mit der Antragstellung beginne. Manche Gewerke wie etwa Friseure seien aber gerade nach dem Lockdown besonders stark aufgesucht worden.

Bund und Länder haben mittlerweile die Notlage erkannt und etwas gegengesteuert. So müssen die Länder den Schlussbericht zu den Soforthilfen nicht zur Jahresmitte, sondern erst zum Jahresende beim Bund abgeben. Einige Länder wollen jetzt den Unternehmen entgegenkommen. Eine einheitliche Linie gibt es bisher nicht.

Klarer ist die Sache hingegen bei der Kurzarbeit. Hier wurde der erleichtertete Zugang um weitere drei Monate bis Ende Juni 2022 verlängert. Dies hat gerade jenen Handwerksunternehmen, die an der Veranstaltungsbranche hängen, eine weitere wichtige Verschnaufpause verschafft und Entlassungen vermieden.