Sport und Beruf Dieser junge Schreiner ist auf dem Weg zu Olympia

Pierrick Eveno will Schreiner werden – und eine Medaille bei Olympia gewinnen. Für beides braucht es Disziplin und Genauigkeit. Eine Geschichte über enge Kurven und hohe Sprünge.

Eveno entdeckte den BMX-Sport im Kindesalter und kann bereits internationale Erfolge vorweisen. - © HWK, Rahpael Hertkorn

Disziplin, Leidenschaft und Ehrgeiz – nicht weniger ist notwendig, um die Berufstätigkeit und den Profisport miteinander zu vereinbaren. Wer Pierrick Eveno dabei zusieht, wie er auf dem BMX-Bike mit hoher Geschwindigkeit enge Kurven nimmt und spektakuläre Sprünge zeigt, glaubt kaum, dass er nur wenige Stunden zuvor mit derselben Leidenschaft seiner Ausbildung zum Schreiner nachgegangen ist.

Früh übt sich, wer Profi werden will

Bereits in der Kindheit hat der heute 20-jährige Azubi seine Leidenschaft im BMX-Sport gefunden. Im Alter von zwei Jahren zog er mit seiner Familie nach Frankreich und – als hätte das Schicksal es vorbestimmt – gab es im Ort eine BMX-Strecke. Damit war der Grundstein für Evenos Karriere im BMX-Race gelegt.

Bei dieser speziellen Form des BMX geht es darum, eine anspruchsvolle Offroad-Rennstrecke zu bezwingen und dabei als erster über die Ziellinie zu kommen. "Zuerst bin ich nur kleine Rennen gefahren. Durch die Unterstützung meiner Eltern bin ich dann irgendwann durch ganz Frankreich gereist und habe an immer größeren Veranstaltungen teilgenommen", berichtet Eveno. Auch die Ziele seien immer ambitionierter geworden und die ersten großen Erfolge haben nicht lange auf sich warten lassen: "2017 bin ich in meiner Altersklasse Deutscher Meister geworden und siebter bei der Europameisterschaft."

Auf dem Weg zu Olympia: Sport und Beruf kombinieren

Da bereits sein Vater im Handwerk tätig war, sei früh der Wunsch vorhanden gewesen, ebenfalls eine Karriere in der Branche zu beginnen. "Ich wollte einen Weg finden, den Sport und den Beruf, den ich lernen möchte, miteinander zu kombinieren." Mit der Stuttgarter Thomas Hasselwander GmbH habe er den richtigen Betrieb gefunden, um das umzusetzen, was er in beiden Bereichen vorhat. Auch die Doppelbelastung ist für ihn kein Hindernis. "Die Energie, die ich am Nachmittag ins Training einbringe, muss ich ebenso in die erste Hälfte des Tages investieren", erzählt der Azubi, der aktuell im zweiten Lehrjahr ist. Das bedeute, keinen Bereich zu vernachlässigen und sich auf der Rennstrecke und in der Schreinerei gleichermaßen anzustrengen.

Ausbildungsbetrieb unterstützt

Die Kombination von Leistungssport und einer dualen Ausbildung kann nur dann erfolgreich sein, wenn der Ausbildungsbetrieb hinter dem Lehrling steht. "Wenn sich ein junger Mensch dazu entscheidet, im Leistungssport aktiv zu sein, dann spricht das für Disziplin und so jemanden zu unterstützen, finde ich erstrebenswert", erläutert Thomas Hasselwander, Geschäftsführer der Schreinerei Hasselwander. Die Unterstützung im Arbeitsalltag ist so gestaltet, dass eine regelmäßige Abstimmung mit dem Azubi und seinem Trainer stattfindet. Der Trainingsplan ist in die Planung des Betriebs integriert.

Die Vermittlung des theoretischen Wissens in der Gewerblichen Schule Waiblingen ist ebenfalls mit der Schulleitung abgestimmt. Außerdem wird Eveno bei wichtigen Events vom Betrieb freigestellt. Insgesamt gelinge es gut, den Sport in den Betriebsablauf zu integrieren. "Die Herausforderungen bei einem risikobehafteten Leistungssport sind Verletzungen, die leider auch schon vorgekommen sind." Es sei dann wichtig, flexibel zu reagieren und beispielsweise die Arbeitsaufgaben entsprechend anzupassen.

"Wenn ich mich zwischen dem Profisport oder der Geschäftsführung einer Schreinerei entscheiden müsste, wäre die Auswahl schwierig – doch ich würde das Handwerk wählen", erklärt Eveno. Für Leistungssportler, egal in welcher Sportart, sei es wichtig, eine Berufsausbildung oder ein Studium in der Tasche zu haben. Denn die Gefahr sich zu verletzen oder den Sport irgendwann altersbedingt nicht mehr auf hohem Niveau ausführen zu können, bestehe leider immer.

Meister und Olympia

Deswegen möchte Pierrick Eveno im Handwerk bleiben und irgendwann vielleicht auch noch seinen Meister machen. "In meinem Sport möchte ich außerdem so viele Rennen fahren, wie es nur geht und so viele Erfolge nach Hause bringen, wie möglich. Ein großer Traum ist außerdem die Teilnahme an den Olympischen Spielen." Ob dem jungen Handwerker bereits die Teilnahme an den Sommerspielen in Paris 2024 gelingt, wird sich bei den kommenden Wettkämpfen zeigen.

Ein Video mit dem BMX-Fahrer gibt es online bei der Handwerkskammer Stuttgart.