Konzerne wie Nike oder Sixt ließen sich seine kreativen Werbekampagnen einiges kosten. Auf Instagram teilt Oliver Voss seine Ideen kostenlos. Auf seinem Kanal bewertet er Anzeigen, Plakate oder Fahrzeugfolierungen, die ihm im Alltag begegnen. Wer seine Werbung selbst in die Hand nehmen will, kann hier viel lernen. Die DHZ hat mit dem Werbeprofi gesprochen.

An einem kleinen Friseursalon steht der Slogan "Ohne Termin. Reinkommen, drankommen". Gedruckt ist er auf einer Folie, die an der Fensterscheibe klebt. Ein kurzes Video zeigt den Spruch und einen Blick von außen auf den Salon in einer Ladenpassage. Dann folgen die Bewertung und eine kurze Erläuterung. "Perfekter Werbetext für Laufkundschaft", steht im Video. "Ich denke, das haben die Jungs selbst getextet", sagt Oliver Voss anerkennend und lacht so, dass klar wird, dass er diese kurze, knackige Werbung für gelungen und zielführend hält.
Über gutes Guerilla-Marketing und schlechte Kommasetzung
Ähnlich sieht es in einem Reel über das Logo einer Bäckerei aus, das der Werbeprofi als optisch ansprechend bewertet. Ein großes, dickes B, das in sich das Wort "Backhus" trägt – "ich finde die Idee nicht schlecht und es ist plakativ", sagt er dazu und fügt aber auch gleich noch einen Hinweis an. Denn dem Slogan "Ein Stück Hamburg das schmeckt." fehlt ein Komma, was ihn als Texter nach eigenen Aussagen schmerzt. Zwar könne man durchaus auch einmal auf eine korrekte Zeichensetzung verzichten, um etwas deutlicher zu machen – in großen Headlines oder Slogans – aber dieser Slogan hier endet mit einem Punkt. "Ich vermute, hier wurde einfach ein Fehler gemacht", sagt Oliver Voss. Also Vorsicht im Umgang mit der Zeichensetzung, die auch negativ auffallen kann. Der Tipp: Werbetexte immer Korrektur lesen lassen!
Nehmen wir dann noch ein Beispiel für eine gelungene Guerilla-Werbung mitten in einer Stadt. Hier steht ein altes, verrostetes Fahrrad, angeschlossen an einem Fahrradständer. Am Hinterrad ist eine bedruckte Pappe angebracht, mit dem Satz in großen Buchstaben "Lass Dein Fahrrad nicht so enden". Der Aufforderung folgt ein Hinweis auf einen Fahrradreparaturladen. "Das ist toll gemacht", sagt Voss mit leuchtenden Augen und erklärt, dass die Werbung, die man normalerweise tagtäglich sieht auf Plakaten, in der Zeitung oder auch im Internet, die Menschen schon langweilt und sie diese nicht mehr wirklich lesen oder die Botschaften aufnehmen. Aber diese Werbung hier funktioniere anders. "Hier hat jemand sein eigenes Medium geschaffen. Da sind wir so, dass wir hingucken, da wollen wir wissen, was das ist."
Die Basics für selbstgemachte Werbung
Unzählige solcher Tipps und Bewertungen von gelungener und auch manchmal eher schwieriger Werbung hat Oliver Voss auf seinem Instagram-Kanal parat. Anhand kurzer Reels zeigt er auch viele Beispiele aus dem Handwerk – und dabei viele Basics, die man sich abschauen kann, wenn man ohne große Werbebudgets eigene Ideen fürs Marketing umsetzen möchte. Oliver Voss ist Werbeprofi und hat viele Jahre in der bekannten Werbeagentur "Jung von Matt" gearbeitet. Heute leitet er erfolgreich seine eigene Agentur. Wir haben mit ihm über Werbeideen, Werbeformen und Werbung gesprochen, die man auch als kleiner Betrieb selbst umsetzen kann.
Oliver Voss im DHZ-Interview
Herr Voss, in Ihren Reels zeigen Sie, dass manchmal auch ein treffender Slogan oder ein ansprechendes Logo gute Werbung sein kann. Aber reicht es, mit einer Form oder einer Idee zu punkten? Oder braucht es immer ein komplettes Werbekonzept, das beim Logo anfängt, einen Slogan bereithält und dann auch in den sozialen Medien funktioniert?
Oliver Voss: Das ist einerseits eine Frage des Budgets. Das sollte man am Anfang abstecken und dann klären, wie viel Geld und wie viel Zeit man investieren kann. Als kleiner Betrieb steht man nicht im Wettbewerb mit den großen Konzernen und muss entsprechend keine Fernsehwerbung schalten oder Kampagnen planen, die Menschen erreichen, die gar nicht in meinem direkten Umfeld sind.
Man muss wissen, wen man erreichen möchte und überlegen, wie man das am besten schafft. Dabei kann es ein umfassendes Konzept sein, das muss es aber nicht. Ist ein Spruch auf dem Schaufenster treffend formuliert, kann er ebenso gut wirken. Natürlich spielt dabei Social Media eine immer wichtigere Rolle und dass man damit vieles schnell und einfach transportieren kann.
Authentisch werben auf Social Media
Das gilt auch, wenn man hauptsächlich Menschen aus dem direkten Umfeld und der eigenen Region erreichen möchte – entsprechend vernetzt und mit den richtigen Hashtags versehen. Aber gehört das denn noch zur klassischen Werbung, wenn ich meinen Betrieb auf Instagram, TikTok und Co. darstelle?
Auf diesen Kanälen geht es nicht darum, nur Werbesprüche oder die Angebote der Woche zu posten. Es ist schon umfassender, aber dafür auch viel einfacher. Die Mittel, die man dafür braucht, sind begrenzt bzw. ist es vielfach vor allem Zeit, die man investieren muss. Es sind Bilder aus dem Betrieb und von dem, was man macht. Hier hat man als Handwerker natürlich gute Möglichkeiten.
Wichtig ist allerdings, dass man authentisch ist. Das ist wichtiger als eine Strategie, die möglichst perfekt mit Logo, einheitlichen Firmenfarben und einer unverwechselbaren Corporate Identity daherkommt. Damit sage ich nicht, dass diese Mittel falsch sind, aber eben nicht vorrangig für jeden notwendig.
Ändert sich damit auch die Herangehensweise an eine Werbestrategie, wie sie vielleicht noch vor einigen Jahren empfohlen wurde?
Ja und nein. Es kommt wie gesagt schon darauf an, mit wem man sich misst, wer die Konkurrenten sind und wen man erreichen möchte. Aber dennoch verändert Social Media auch die Werbewelt. Eine entscheidende Sache ist dabei, dass nicht mehr alleine die Qualität zählt, sondern auch die Quantität.
Man muss regelmäßig etwas posten und im Kontakt mit seinen Followern sein. Es reicht nicht, alle zwei Monate mal ein Foto zu zeigen, sondern es muss schon mehrmals täglich sein. Dabei spielen Videos eine immer größere Rolle, wenn man die Menschen erreichen möchte.
Und wie ist das mit den Inhalten? Was sollte man zeigen?
Das Authentische aus dem Handwerk ist das, was man tut, also die Arbeiten und deren Ergebnis. Dabei kann man gut informieren und zeigen, wie komplex der eigene Beruf ist und was alles dazu gehört, damit am Ende etwas handwerklich korrekt erledigt ist. Neben dem Informieren spielt aber auch das Unterhalten eine wichtige Rolle, davon lebt Social Media.
Nicht bei der Konkurrenz abschauen
Kommen wir wieder raus aus der reinen digitalen Welt und hin zum Grundsätzlichen der Werbewelt. Wie fange ich denn an, wenn ich mir Ideen überlegen möchte, um als kleiner Betrieb meine eigene selbstgemachte Werbung zu machen? Sollte ich mir erst einmal die Konkurrenz anschauen?
Das kann man machen, aber vielfach blockiert dies auch, eigene Ideen zu entwickeln. Man kann sich auch darin verlieren, wenn man sieht, was es alles schon gibt. Der Druck kann dann so groß werden, dass man glaubt, mit nichts Neuem mehr punkten zu können. Am besten versucht man sich erst einmal damit, selbst kreativ zu sein und gleicht das Ganze dann mit dem Wettbewerb ab.
Anfangs sollte man sich klarmachen, wen man womit erreichen möchte. Also, wer sich von der Werbung – ob digital oder am Schaufenster, in der Zeitungsannonce oder im Logo – angesprochen fühlen soll und was man dabei transportieren möchte. Wichtig ist auch, dass man erkennt, wer der Absender ist.
Braucht man also schon so etwas wie einen Wiedererkennungswert in Form einer Farbe, eines Spruchs oder eines Logos?
Ja, das kann helfen. Aber dann darf man nicht dazu übergehen, ständig nur alles zu wiederholen. Auch wenn man klar identifiziert werden kann über ein Logo oder einen Slogan, braucht es regelmäßig mal was Neues, um im Gespräch zu bleiben.
Oliver Voss: "Man darf mutig sein und auch anecken"
Was sind denn dann typische Fehler, die immer wieder gemacht werden?
Wenn man nicht authentisch ist, merkt das derjenige, den die Werbung erreichen soll. Man darf dabei auch gerne Spezialist sein und aus einer Nische berichten – was sich ja gerade bei einigen Handwerksberufen anbietet. Wichtig ist dann, dass man erklärt und unterhält und damit die potenziellen Kunden erreicht.
Wer unverständlich bleibt in der Werbung, kann auch nicht damit rechnen, dass die Menschen sich angesprochen fühlen. Und dabei darf man dann auch mutig sein und auch einmal anecken. Wer keine Haltung hat und keinen Charakter, geht in der Masse unter.