Porträt "Die moderne Technik verändert die Reparationskultur"

In Randersacker, einem Ort kurz vor Würzburg, befindet sich die Lackiererei und Old-Timer-Restauration von Thomas Grimm. Hier werden Fahrzeuge so lange repariert, bis es nicht mehr geht. Ein Paradebeispiel dafür, wenn jemand "im positiven Sinne verrückt" für sein Handwerk ist.

Thomas Grimm bei der Arbeit am Alfa Romeo Veloce GT. - © Häusler

Eisiger Wind zieht über die Würzburger Straße in der Stadtrandgemeinde Randersacker, vier Kilometer südlich von der Würzburger Altstadt. Ein rotes Ape-Dreirad steht auffällig schräg unter einem heruntergekommenen Balkon neben einem altertümlich wirkenden Gartentor mit der Aufschrift "Grimm Spezial". Am Geländer des Balkons prangt die Aufschrift ebenfalls. Darunter eine Handvoll Pfeile nach rechts. Damit man auch genau weiß, wohin man lang muss, wenn man sein Auto bei Thomas Grimm lackieren oder reparieren lassen möchte.

Wenn man zehn Meter weiter geht und rechts um die Ecke biegt, steht man im Innenhof der Lackiererei. Der süßliche Geruch von Lösungsmitteln liegt in der Luft. Der Inhaber, Thomas Grimm, steht mit dem Smartphone am Ohr vor der Tür seiner Werkstatt und telefoniert. Ein Kunde möchte seinen Mercedes 9-Sitzer über die Feiertage wieder einsatzfähig gemacht haben. "Wenn die Menschen schon von Berlin herkommen, machen wir das. Da habe ich mich aber auch ein wenig bequatschen lassen", sagt Grimm.

"Das Handwerk steht bei uns im Vordergrund"

Die Hauptarbeit von Thomas Grimm und seinen beiden Kollegen besteht aus Unfallinstandsetzungen von privaten PKWs. "Das Handwerk steht bei uns im Vordergrund. So habe ich es von meinem Vater gelernt", sagt er. Denn die Grimms sind fest im Kfz-Handwerk verankert: Sein Bruder Peter führt die elterliche Horst Grimm GmbH am anderen Ende von Würzburg. "Das sind aber ganz andere Ausmaße", sagt Thomas Grimm. Dass Thomas und Peter Grimm nicht zusammenarbeiten, liegt an der Geschichte des Vaters und des Onkels: Sie haben penibel darauf geachtet, dass jeder sein eigenes Ding macht. "Streit haben wir keinen, wir verstehen uns super", sagt Thomas Grimm über die Beziehung zu seinem Bruder.

Der nackte Alfa Romeo

Die Werkstatt von Thomas Grimm ist zweigeteilt. Die rechte Tür führt zum Hauptteil mit der Lackiererei und einem kleinen Büro. Die linke Tür führt zu wahren Schätzen: den Oldtimern, die Thomas Grimm zusammen mit seinem zweiköpfigen Team restauriert. Behände öffnet er die linke Tür, die zu einem Alfa Romeo GT-Veloce aus den 1960er-Jahren führt. Ganz nackt und blass liegt er auf der Hebebühne, ohne Lack, ohne Innenleben, nur die Karosserie wird aktuell bearbeitet. Der Italiener ist ein Fundstück: "35 Jahre lang stand er unberührt in einer deutschen Scheune", erklärt Grimm mit einem Glitzern in den Augen. "Als Erstes kommt immer die Bestandsaufnahme: Was ist zu tun? Ist das Auto im Originalzustand? Diese Fragen sind zuerst zu klären", erklärt der Restaurationsexperte. Wenn der Zustand überprüft und geklärt ist, was genau gemacht werden soll, wird das Auto in alle Einzelteile zerlegt und die eigentliche Arbeit kann beginnen. "Dann sind Kontakte ganz wichtig. Man muss wissen, wo man originale Ersatzteile herbekommt."

Der Alfa Romeo Veloce GT: Der italienische Oldtimer stand 35 Jahre in einer deutschen Scheune. - © Häusler

Begeisterung für Autos von Kindesbeinen an

Über die Jahre konnte sich Thomas Grimm ein weites Netzwerk an Bekannten und Freunden aus der Industrie aufbauen – das hilft natürlich enorm. Die Arbeit an so einem Wagen ist nicht leicht – aber Grimm fehlt es nicht am nötigen Know-how. Er setzt sich schließlich schon seit Jahrzehnten mit der Instandsetzung von Oldtimern auseinander. Vor allem die italienischen Fabrikate haben es ihm angetan. Das Handwerk wurde ihm sozusagen in die Wiege gelegt. Schon im Kindesalter konnte er seinen Vater und Großvater bei der Arbeit an Autos beobachten. Früher wohnte die Familie an einem anderen Standort; über der Werkstatt des Vaters. Die damaligen Nachbarn hatten eine Werkstatt für Oldtimer. So entwickelte Thomas Grimm schon früh nicht nur eine Begeisterung für Autos, sondern vor allem für Oldtimer-Schätze wie den Alfa Romeo Veloce auf seiner Hebebühne.

Leidenschaft für das Handwerk

Am wichtigsten ist dem Inhaber des kleinen Kfz-Betriebs die Qualität seiner Arbeit und der handwerkliche Anspruch an sich selbst. Solange etwas noch zu reparieren ist, wird es auch repariert – wenn er einen Auftrag bekommt, wird demzufolge nur ersetzt, was nicht mehr zu reparieren ist. Das allerdings sei in den vergangenen Jahren nicht einfacher geworden, sagt er. Was bei einem älteren Auto ein einfaches Wechseln einer Glühlampe am vorderen Scheinwerfer war, ist bei einem modernen Fahrzeug eine komplizierte und zeitaufwändige Angelegenheit – wenn die überhaupt möglich ist und das Teil nicht vollständig ersetzt werden muss. "Die moderne Technik verändert die Reparationskultur", bedauert Grimm.

Kfz-Meister Thomas Grimm beschäftigt sich seit Jahrzehnten mit der Oldtimer-Restauration und weiß genau, was er tun muss. - © Häusler

Früher sei noch mit Wasserwaage und Maßband geprüft worden, ob die Spaltmaße stimmen und der Lack in der richtigen Stärke aufgetragen wurde. Heutzutage müsse man Softwareupdates auf Autos aufspielen und Kalibrierungsfahrten nach Reparaturen durchführen. Das stellt kleine Werkstätten wie die von Thomas Grimm vor zunehmende Herausforderungen, denn die dafür benötigten Geräte nebst Diagnosesoftware kann man sich häufig nur als deutlich größerer Betrieb leisten. Wie es mit seinem Unternehmen in der Zukunft weitergeht, weiß Thomas Grimm daher noch nicht. Dass sein Sohn einmal die Werkstatt übernimmt, ist aktuell eher unwahrscheinlich. "Der soll das machen, was ihm gefällt."

Die Kunden stehen an erster Stelle

Grimms Trumpf ist und bleibt die persönliche Betreuung von Kunden mit etwas älteren Fahrzeugen. Den persönlichen Service verbunden mit der Leidenschaft für das Kfz-Handwerk schätzen seine Kunden sehr. Auch der Hol- und Bringservice, den Grimm anbietet und als selbstverständlich erachtet, ist mittlerweile fast ein Alleinstellungsmerkmal. "Wir haben viele Privatkunden, die einen solchen persönlichen Kundenservice einfach noch von früher kennen", sagt Grimm. So ist es auch bei dem Oldtimer-Mercedes aus Berlin: Nicht jede Werkstatt würde sich um diesen Fall kümmern. Für Thomas Grimm ist es hingegen pure Leidenschaft.