Leitartikel Ohne Handwerk läuft nichts

Die Zukunftstrends werden von den zuständigen Gewerken geprägt. Doch sie müssen dafür ausgebildet sein. Bildung bekommt in diesem Prozess einen anderen Schwerpunkt.

Burkhard Riering

Burkhard Riering, Chefredakteur der Deutschen Handwerks Zeitung. - © Zeichnung: Kasia Sander
Burkhard Riering

Gern wird nostalgisch geschwärmt vom "alten" Handwerk. Da gibt es dann schöne Geschichten vom letzten Büchsenmacher des Orts oder dem letzten Wagner der Region. Das ist auch  aller Ehren wert.

Doch hat das Handwerk heutzutage ganz andere Aufgaben: Es braucht Antworten auf die Herausforderungen der Zukunft. Wie packen die zuständigen Gewerke die Energiewende an? Welche automobilen Lösungen kann das Kfz-Handwerk für die nächsten Jahrzehnte liefern? Welche Innovationen werden wir im Maschinenbau erreichen? Es geht um Innovationskraft, sie ist die große Chance für das Handwerk im 21. Jahrhundert.

Mit der Technik mitentwickeln

Eine neue Studie des Marktforschungsinstituts Prognos sieht das Handwerk als Initiator und Impulsgeber für die großen Zukunfttrends. Doch nur, wenn sich die Branchenteilnehmer stetig weiterqualifizieren. Wer das hohe Tempo der Transformation der Wirtschaft mitgehen will, egal ob Betriebsinhaber oder Arbeitnehmer, der muss schnell sein und sich immer mit der Technik mitentwickeln.

Denn mit der Veränderung unserer Lebenswelt verändern sich gleichzeitig auch unsere Berufsbilder. In Deutschland gibt es derzeit 343 Ausbildungsberufe in Industrie, Handwerk und Dienstleistung. Seit dem Jahr 2000 sind davon sage und schreibe 215 novelliert worden – und 79 sind sogar ganz neu hinzugekommen.

Beispiel energetische Gebäudesanierung: In Zukunft werden ökologische Maßnahmen beim Bauen und Sanieren von Häusern im Vordergrund stehen. Das heißt für die tägliche Arbeit in den Gewerken: Neue Technologien müssen aufgegriffen und beherrscht werden. Und die neuen Geschäftschancen, die sich daraus ergeben, müssen von den Unternehmern auch erkannt und umgesetzt werden.

Beispiel Automobil der Zukunft. Den Mechaniker, der früher am Motor herumgedoktert hat, gibt es schon jetzt immer seltener. Die Arbeit macht nun der Mechatroniker. Und was müssen Mechatroniker heutzutage nicht alles schon können. Wenn der Kfzler keine Ahnung von Elektronik hat, braucht ersich dem Zukunftsauto des 21. Jahrhunderts gar nicht erst zu nähern. Die nächste Generation des Kfz-Handwerks muss komplette Elektrofahrzeuge warten, instandsetzen und über den TÜV bringen können. "Wir sind Handwerker. Wir können das", wäre eine Antwort, wie es zu recht in der Imagekampagne des Handwerks heißt.

Bildung bekommt neuen Schwerpunkt

Die Beispiele zeigen: Die Arbeitswelt der Zukunft erfordert viel Flexibilität vom Einzelnen, interdisziplinäres Denken, stete Weiterentwicklung in den Techniken und einen souveränen Umgang mit modernen Kommunikationsmitteln. Dann kann das Handwerk enorm profitieren.

Die Bildung bekommt in diesem Prozess einen anderen Schwerpunkt. Qualifizierung ist das Maß aller Dinge. Neue Studiengänge entstehen, auch duale Studiengänge, die mehr als heute auf bestimmte Berufe abzielen. Meister stehen dem Akademiker in nichts mehr nach und erfahren dadurch höhere gesellschaftliche Anerkennung. Am Ende einer Ausbildung steht also eine Fachkraft, ohne die in Deutschland nichts läuft.