Der Handwerkerbonus in Österreich benachteiligte deutsche Firmen. Nun hat die Regierung in Wien das Gesetz geändert – nach einer Beschwerde der Handwerkskammer für München und Oberbayern.

Nach einer Beschwerde der Handwerkskammer für München und Oberbayern können nun auch deutsche Firmen vom sogenannten Handwerkerbonus in Österreich profitieren. Die Regierung in Wien hat ein entsprechendes Gesetz geändert, das zuvor nur Unternehmen mit Sitz in Österreich berücksichtigte. Für Kunden, die einen Handwerker beauftragen, bedeutet der Bonus einen Zuschuss von bis zu 1.500 Euro.
Beschwerde bei EU-Kommission führt zu Gesetzesänderung
Das teilt die Handwerkskammer für München und Oberbayern mit. Demnach hatte Österreich Mitte 2024 eine Förderung eingeführt, um die Nachfrage nach Handwerksleistungen anzukurbeln. Kunden erhalten dabei einen Zuschuss von 20 Prozent der Arbeitskosten für Arbeiten im privaten Wohnumfeld. Die Förderung war 2024 auf 2.000 Euro und ist 2025 auf 1.500 Euro begrenzt.
Die Handwerkskammer hatte die ursprüngliche Regelung als Benachteiligung für ihre Mitgliedsbetriebe kritisiert und 2024 offiziell Beschwerde bei der Europäischen Kommission eingelegt. Laut Kammer hat das österreichische Parlament das Gesetz nun mit direktem Verweis auf diese Beschwerde geändert. Die Förderung gilt ab sofort für alle Handwerksbetriebe aus der Europäischen Union und dem Europäischen Wirtschaftsraum (EWR).
Vergleichbare Regelung in Deutschland bereits EU-offen
In Deutschland ist eine solche Öffnung für den EU-Binnenmarkt bereits gängige Praxis. Hierzulande können Privatkunden einen Steuerbonus für Handwerkerleistungen in Anspruch nehmen, auch wenn der beauftragte Betrieb aus einem anderen EU- oder EWR-Staat stammt. Absetzbar sind 20 Prozent der Arbeitskosten von bis zu 6.000 Euro, was einer Steuerersparnis von maximal 1.200 Euro pro Jahr entspricht.
Tausende Betriebe in Grenzregion könnten profitieren
"Damit werden unsere Betriebe gegenüber ihrer österreichischen Konkurrenz nicht länger benachteiligt", erklärt Frank Hüpers, Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer. Er sieht vor allem für die grenznahen Landkreise in Oberbayern ein Potenzial von mehreren Tausend Bau- und Ausbaubetrieben, die nun im Nachbarland tätig werden könnten. Die Kammer führt nach eigenen Angaben jährlich rund 300 Beratungen für Betriebe durch, die Dienstleistungen in Österreich erbringen wollen. fre