Konjunktur Ölpreis drückt Wirtschaftsstimmung in den Keller

Die stark gestiegenen Ölpreise belasten zunehmend die Stimmung in der deutschen Wirtschaft. Das Geschäftsklima trübte sich ein. Und noch schlimmer: Die Deutschen verdienen mehr, haben aber trotzdem leere Taschen.

Ölpreis drückt Wirtschaftsstimmung in den Keller

Der Ifo-Geschäftsklimaindex fiel nach Angaben des Ifo-Instituts im Juni von 103,5 Punkten im Mai auf 101,3 Punkte. Damit notierte der Index auf dem niedrigsten Stand seit Dezember 2005. Experten hatten durchschnittlich lediglich einen Rückgang auf 102,3 Punkte erwartet. Für den Index werden monatlich rund 7.000 Firmen befragt. Die Unternehmen werden aufgefordert, ihre aktuelle Geschäftslage zu beurteilen sowie einen Ausblick auf das kommende Halbjahr zu geben.

Zeichen stehen auf Abschwung

Bankvolkswirte sagten, angesichts der neuen Daten stünden die Zeichen eindeutig auf Abschwung. Der Teilindex für die Aussichten ging ebenso zurück wie die Beurteilung der gegenwärtigen Situation. Die Erwartungskomponente nahm von 97,2 auf 94,7 Zähler ab, dies war der niedrigste Stand seit September 2005. Der Teilindex zur Beurteilung der aktuellen Lage fiel von 110,1 Punkten auf 108,3 Punkte.

Jens-Oliver Niklasch von der Landesbank Baden-Württemberg meinte, die Konjunkturrisiken nähmen weiter zu und bis Jahresmitte sei von einer deutlichen Verlangsamung der Konjunktur auszugehen. Alexander Koch von UniCredit verwies darauf, dass sich die deutsche Industrie nicht vom Abschwung der wichtigsten Handelspartner isolieren könne. Dies und die Belastung durch die sehr hohen Energiepreise werde für eine weitere Eintrübung des Geschäftsklimas sorgen.

Mehr Gehalt – trotzdem leere Taschen

Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes sind im ersten Quartal dieses Jahres die Bruttomonatsverdienste von Vollzeitbeschäftigten im produzierenden Gewerbe und im Dienstleistungsbereich durchschnittlich um 2,8 Prozent auf 3.064 Euro gestiegen. Die Verbraucherpreise erhöhten sich in diesem Zeitraum jedoch um 2,9 Prozent und damit um 0,1 Prozent stärker als die Verdienste.

Der Ifo-Index wird wohl auch in Zukunft unter den hohen Ölpreisen leiden. Hoffnungen auf sinkende Energiepreise hatte Bundeswirtschaftsminister Michael Glos (CSU) erst nach seiner Rückkehr von der Ölkonferenz im saudi-arabischen Dschidda einen Dämpfer erteilt. Es seien die Märkte, die letztendlich die Preise bewegten. Zudem steige der Verbrauch vor allem in den großen Schwellenländern weiter an.

Energiepreise könnten Wachstum bremsen

Unterdessen betonte der BDI-Hauptgeschäftsführer Werner Schnappauf auf dem BDI-Tag der Deutschen Industrie in Berlin, dass die hohen Energiepreise "eine Wachstumsbremse darstellen" könnten. Laut BDI-Präsident Jürgen Thumann übersteigt die Nachfrage weltweit das Angebot und gegen Spekulationen an den Börsen kann nicht viel unternommen werden. Hier müsse auf das Spiel der Marktkräfte vertraut werden. Angesichts der in US-Dollar abgerechneten Ölpreise profitiere die deutsche Industrie erheblich von dem starken Euro, ergänzte Thumann.

ddp