Hohe Zusatzkosten für den Staatshaushalt befürchtet Ökonomen warnen Deutschland vor Eurobonds

Führende Ökonomen haben vor steigenden Zinskosten für Deutschland durch eine Vergemeinschaftung der Schulden im Euroraum gewarnt. "Es ergäben sich hohe Zusatzkosten für den Staatshaushalt, die daraus herrühren, dass Deutschland höhere Marktzinsen für die Eurobonds zahlen müsste", sagte der Konjunkturforscher Kai Carstensen vom Ifo-Institut der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung".

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Ökonomen warnen Deutschland vor Eurobonds

Frankfurt/Main (dapd). Führende Ökonomen haben vor steigenden Zinskosten für Deutschland durch eine Vergemeinschaftung der Schulden im Euroraum gewarnt. "Es ergäben sich hohe Zusatzkosten für den Staatshaushalt, die daraus herrühren, dass Deutschland höhere Marktzinsen für die Eurobonds zahlen müsste", sagte der Konjunkturforscher Kai Carstensen vom Ifo-Institut der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung".

Als Eurobonds werden gemeinsame Anleihen aller Euroländer bezeichnet. Bisher nimmt jedes Land seine Schulden für sich auf - wegen der unterschiedlichen Wirtschaftskraft unterschieden sich die Zinsen, die die Staaten zahlen müssen, erheblich.

Die Differenz zwischen der Rendite der deutschen Bundesanleihe und der eines Eurobonds schätzt Carstensen auf 1,2 Prozentpunkte. Je nach Schuldenstand würde Deutschland durch Eurobonds mit zusätzlichen Zinskosten von 18 bis 25 Milliarden belastet, heißt es in dem "FAZ"-Bericht. Zudem würden auch die Finanzierungskosten für Unternehmen steigen.

Der Finanzwissenschaftler Jens Boysen-Hogrefe vom Kieler Institut für Weltwirtschaft rechnet dagegen mit einem geringeren Renditeunterschied. Mit einer durchschnittlichen Schuldenquote von 85 Prozent und einem Budgetdefizit von knapp über fünf Prozent des Bruttoinlandsprodukts ähnele der Euroraum Frankreich. Er schätzt daher einen Renditeaufschlag für Eurobonds von 0,5 bis 0,6 Prozentpunkten gegenüber Bundesanleihen. Der deutsche Fiskus würde mit etwa zehn Milliarden Euro belastet.

Der Finanzmarktspezialist Michael Schröder vom Zentrum für europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) sieht Eurobonds als einen gefährlichen Ausweg aus der Euro-Krise. "Eurobonds können zwar kurzfristig einigen Ländern Entlastung schaffen, doch längerfristig sind sie der Weg ins Desaster, weil sie das Tor zu noch mehr Verschuldung öffnen." Wer das verhindern wolle, müsse eine Art "EU-Finanzpolizei" schaffen, sagte Schröder dem Bericht zufolge. Das aber sei mit dem Demokratieprinzip kaum vereinbar.

dapd