Konjunktur Ökonomen sehen kräftigen Aufschwung noch in weiter Ferne

Der wirtschaftliche Aufschwung wird in Deutschland im kommenden Jahr verhalten ausfallen. Die Konjunktur ist aus Sicht des Kieler Instituts für Weltwirtschaft (IfW) nach dem schweren Einbruch zwar wieder aufwärts gerichtet.

Ökonomen sehen kräftigen Aufschwung noch in weiter Ferne

"Bis ein kräftiger Aufschwung einsetzt, wird jedoch noch Zeit vergehen", schreiben die Experten in ihrer aktuellen Konjunkturprognose. Insgesamt erwartet das IfW für 2009 einen Rückgang des realen Bruttoinlandsproduktes (BIP) um 5,0 Prozent, nachdem im September noch mit einem Minus von 4,9 Prozent gerechnet worden war. Für 2010 rechnet das IfW mit einem Plus von 1,2 Prozent, nachdem bislang ein Anstieg um lediglich 1,0 Prozent erwartet worden war.

Zahlen sind trügerisch

Nach Einschätzung des gewerkschaftsnahen Instituts für Makroökonomie und Konjunkturforschung (IMK) in der Hans-Böckler-Stiftung wird sich die deutsche Konjunktur im kommenden Jahr beleben. Dies werde aber kein stabiler, selbsttragender Aufschwung sein, heißt es in der IMK-Konjunkturprognose. Für 2010 rechneten die Experten mit einem BIP-Anstieg um 2,0 Prozent. "Die Zahlen sind erfreulich, aber leider auch ein bisschen trügerisch", sagte Gustav Horn, Wissenschaftlicher Direktor des IMK.

Krise ist noch nicht überwunden

Mit Blick auf die vorausgegangenen schweren Verluste erscheine ein Wachstum von zwei Prozent recht hoch und signalisiere, dass sich die Wirtschaft schon in einem kräftigen Aufschwung befinde. Dieser Eindruck täusche. "Die Krise ist noch nicht überwunden", sagte Horn.

Auch das Institut für Wirtschaftsforschung Halle (IWH) sagt für die nächsten beiden Jahre eine leichte Erholung voraus. Das Bruttoinlands­produkt werde 2010 um 1,9 und 2011 um 1,8 Prozent zulegen, heißt es im aktuellen IWH-Konjunkturbericht. Für Ostdeutschland rechnen die Experten mit einem BIP-Wachstum von 1,1 Prozent 2010 und von 1,5 Prozent 2011.

Trotz der tiefen Rezession befindet sich der Arbeitsmarkt den Instituten zufolge in erstaunlich guter Verfassung. Das IfW sieht die Zahl der Arbeitslosen 2009 im Jahresschnitt bei 3,4 Millionen. Für 2010 rechnen die Experten mit durchschnittlich 3,8 Millionen Arbeitslosen und 2011 mit 3,9 Millionen. Das IMK prognostiziert für 2010 im Schnitt 3,6 Millionen Arbeitslose. Das IWH geht davon aus, dass die Folgen der Krise erst ab 2010 auf dem Arbeitsmarkt voll zum Tragen kommen werden.

Auf die Beschäftigung im Verarbeitenden Gewerbe wirkt sich die Wirtschaftskrise weiterhin deutlich aus. Wie das Statistische Bundesamt am Mittwoch mitteilte, waren Ende Oktober in den Betrieben des Verarbeitenden Gewerbes mit 50 und mehr Beschäftigten gut fünf Millionen Personen tätig. Das seien 4,6 Prozent weniger als im Oktober 2008 gewesen.

Michael Wojtek/ddp