Steigende Energiepreise drücken die deutsche Wirtschaft: Die OECD senkt ihre Wachstumsprognose für 2026 auf 0,7 Prozent und für 2027 auf 1,1 Prozent. Handwerkspräsident Dittrich sieht sich bestätigt und stellt klare Forderungen an die Politik.

Die infolge des Krieges im Nahen Osten steigenden Energiepreise gefährden nach einer aktuellen Prognose der OECD den Aufschwung in Deutschland. Das Wachstum wird demnach in diesem Jahr nur um 0,7 Prozent zulegen – 0,1 Prozentpunkte weniger, als noch im vorherigen Wirtschaftsausblick Ende März prognostiziert wurde. Dies teilte die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) in Paris mit. Für 2027 wird nur noch mit einem Wachstum um 1,1 Prozent gerechnet. Das sind 0,4 Prozentpunkte weniger als noch im März.
Prognose mit Risiken durch längere Konflikte behaftet
Zudem warnte die OECD, dass eine längere Dauer oder eine weitere Eskalation des Nahostkonflikts zu weiter steigenden Energiepreisen und einer höheren Inflation führen würden. Dies belaste Konsum und Investitionen, warnte die OECD. Auch eine weitere Eskalation der handelspolitischen Spannungen würde das Wirtschaftswachstum beeinträchtigen, da die deutsche Industrie stark in globale Lieferketten eingebunden sei.
Handwerkspräsident: Prognose unterstreicht Reformdruck
Für ZDH-Präsident Jörg Dittrich zeigen die Analysen der OECD ebenso wie schon vorherige Wachstumsprognosen einmal mehr die Notwendigkeit umfassender struktureller Reformen. "Der OECD-Bericht bestätigt, was viele Handwerksbetriebe seit Langem erleben. Externe Krisen, hohe Energiepreise und Handelskonflikte treffen hierzulande auf strukturelle Standortnachteile", sagte er. "Die OECD sieht deshalb Reformen als dringlich an, die Verwaltungsverfahren vereinfachen, staatliche Mittel wirksamer einsetzen, Investitionen erleichtern und Betriebe und Unternehmen sowie Beschäftigte entlasten", fügte er hinzu.
Dittrich: OECD verweist zu Recht auf hohe Lohnzusatzkosten
Wie Dittrich weiter sagte, verweist der Bericht zudem auf die sehr hohen Lohnzusatzkosten, die Arbeit in Deutschland im internationalen Vergleich verteuern. Dieser Befund decke sich mit den Ergebnissen des jüngsten Frühjahrsgutachtens der Wirtschaftsweisen. "Beide Analysen verweisen damit auf den erheblichen Reformbedarf in den Sozialversicherungssystemen, deren Finanzierung und Kostenentwicklung immer mehr die Wettbewerbsfähigkeit belasten", warnte er. Sowohl die OECD als auch die Wirtschaftsweisen zeigten, dass sich Deutschland weitere Reformverzögerungen nicht leisten könne.
Auch weltweites Wachstum schwächt sich ab
Mit Blick auf das weltweite Wachstum rechnet die OECD mit einem Rückgang von 3,4 Prozent im vergangenen Jahr auf 2,8 Prozent im laufenden Jahr, bevor es sich 2027 wieder auf 3,1 Prozent erholt. Je länger allerdings der Konflikt im Nahen Osten andauere, desto höher würden die wirtschaftlichen und sozialen Kosten ausfallen. Sollte der Konflikt bis weit ins Jahr 2027 hinein andauern, dürfte sich das weltweite Wachstum deutlich verlangsamen – auf nur noch 2,1 Prozent im laufenden Jahr und 1,8 Prozent im Jahr 2027.
USA profitiert von hohen KI-Investitionen
Für die USA sagt die OECD für das laufende Jahr ein Wachstum von rund zwei Prozent voraus, das sich 2027 auf 1,8 Prozent abschwächt. Während der Energieschock und die erhöhte Unsicherheit angesichts des sich zuspitzenden Konflikts im Nahen Osten das Wachstum des privaten Konsums voraussichtlich dämpfen werden, stützen weiterhin starke Investitionen im Bereich der Künstlichen Intelligenz das zugrunde liegende Wachstum.
China spürt Ölpreissteigerungen, Erneuerbare dämpfen Auswirkung
Im Euroraum erwartet die OECD für 2026 ein Wachstum von 0,8 Prozent, das 2027 auf 1,2 Prozent ansteigt, da sich die Binnennachfrage und das Handelswachstum beleben. In China wird sich das Wachstum nach Prognose der OECD 2026 auf 4,5 Prozent und 2027 auf 4,3 Prozent verlangsamen. Chinas hoher Energieverbrauch und seine Abhängigkeit von Importen machten das Land anfällig für globale Ölpreissteigerungen, doch eine zunehmende Nutzung erneuerbarer Energien und reichhaltige Reserven mildern diese Auswirkungen ab. dpa/bir