Einige Landespolitiker und Energiekonzerne wollen Naturschutz aussetzen - Windräder auch in Wäldern Oberste Naturschützerin wegen Energiewende unter Druck

Im Zuge der schwarz-gelben Energiewende gerät Deutschlands oberste Naturschützerin unter Druck. "Gewisse Politiker auf Landesebene und Energiekonzerne" hätten gefordert, den Naturschutz auszusetzen, sagte die Präsidentin des zuständigen Bundesamts, Beate Jessel, im dapd-Interview. Ausnahmen seien zum Beispiel für Vorhaben wie den Bau neuer Hochspannungsleitungen verlangt worden.

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Oberste Naturschützerin wegen Energiewende unter Druck

Berlin (dapd). Im Zuge der schwarz-gelben Energiewende gerät Deutschlands oberste Naturschützerin unter Druck. "Gewisse Politiker auf Landesebene und Energiekonzerne" hätten gefordert, den Naturschutz auszusetzen, sagte die Präsidentin des zuständigen Bundesamts, Beate Jessel, im dapd-Interview. Ausnahmen seien zum Beispiel für Vorhaben wie den Bau neuer Hochspannungsleitungen verlangt worden.

Hochspannungsleitungen müssten aber nicht durch Naturschutzgebiete gebaut werden, sagte die Präsidentin des Bundesamts für Naturschutz. Auch müssten Biogasanlagen nicht in einem geschützten Gebiet errichtet werden. "Es gibt genügend Möglichkeiten, solche Vorhaben naturverträglich zu gestalten", sagte Jessel. "Unser Problem dabei sind aber Leute, die den Naturschutz am liebsten aussetzen und ad acta legen wollen."

Die Naturschützerin mahnte bei den Politikern zunächst einmal durchdachte Konzepte für die Energiewende an. Dazu gehörten auch Entscheidungen über zentrale oder dezentrale Versorgungseinheiten. "Wir betrachten momentan Biomasse, Windkraft, Photovoltaik, jeden Energieträger für sich", kritisierte Jessel. "Man müsste viel stärker übergreifend denken, dabei zu regionalen Lösungen kommen und schauen, wie man vernünftig verschiedene Energieträger auch dezentral kombiniert."

Jessel plädierte für einen stärkeren Ausbau der Windkraft nicht nur Offshore, sondern auch an Land. Gerade in Bayern und Baden-Württemberg gebe es dafür noch relativ große Potenziale, unter Umständen auch in den Wäldern. "Um deren Nutzung für Windkraft werden wir wohl nicht umhin kommen", meinte die Präsidentin.

Das Bundesamt schlage vor, die Windkraftanlagen aber nur in intensiv genutzten Wälder zu bauen, die schon gut mit Straßen und Wegen erschlossen seien. "Ausgespart werden sollten aber auf jeden Fall Waldstandorte, die vom Landschaftsbild her exponiert sind, sich in bestimmten Schutzgebieten oder in reich strukturierten Laubwäldern befinden", betonte Jessel.

dapd