Auf die Frage nach der Quotenfrau haben Telekom-Chef René Obermann und seine beiden neuen Vorstandskolleginnen nur gewartet. Die künftige Europachefin Claudia Nemat lachte schallend und erklärte selbstbewusst: "Als Physikerin und langjährige Seniorpartnerin bei McKinsey fühle ich mich ganz und gar nicht als Quotenfrau!"
Obermann sieht Vorstandsfrauen als "pure Notwendigkeit"
Berlin (dapd). Auf die Frage nach der Quotenfrau haben Telekom-Chef René Obermann und seine beiden neuen Vorstandskolleginnen nur gewartet. Die künftige Europachefin Claudia Nemat lachte schallend und erklärte selbstbewusst: "Als Physikerin und langjährige Seniorpartnerin bei McKinsey fühle ich mich ganz und gar nicht als Quotenfrau!" Und Obermann sagte auf einer Pressekonferenz am Dienstag in Berlin, Frauen in der Führungsmannschaft brächten neue Perspektiven und Herangehensweisen ein und machten die Entscheidungen besser. Sie seien "pure betriebliche Notwendigkeit".
Als erster DAX-Konzern hatte die Telekom vor einem Jahr eine Frauenquote beschlossen: 30 Prozent der Posten im oberen und mittleren Management sollen 2015 von Frauen besetzt sein. Obermann sagte, mit der Berufung der Professorin und ehemaligen baden-württembergischen Kultusministerin Marion Schick zur Personalchefin und der Unternehmensberaterin Nemat zum Europavorstand habe der Aufsichtsrat am Montagabend "eine großartige Entscheidung getroffen". Seit Monaten habe er sich für beide sehr engagiert.
Ob die Justizstaatssekretärin Birgit Grundmann schon bald als dritte Frau in den siebenköpfigen Telekom-Vorstand einziehen und dort das Datenschutz- und Compliance-Ressort übernehmen könnte, ließ Obermann offen. "Wir haben den Suchprozess begonnen. Zum jetzigen Zeitpunkt steht eine Entscheidung nicht an", sagte der Vorstandsvorsitzende.
Schick sagte, das Etikett Quotenfrau sei eine Schublade von gestern. Aber "man fühlt sich als Pionierfrau. Das zeigt, dass wir in Deutschland noch etwas zu tun haben", sagte die 52-Jährige.
Obermann sagte, Schick werde den kulturellen Wandel im Unternehmen vorantreiben. "Um den Fachkräfte- und Führungskräftemangel zu beseitigen, muss man jeden Pool von Talenten erschließen." Topkandidaten fielen nicht vom Himmel.
Nemat habe große Erfahrung in der europäischen High-Tech-Branche und habe als Beraterin die Telekom schon bei mehreren Projekten auf den erfolgreichen Weg geführt, sagte Obermann. Die 42-Jährige sagte: "Ich weiß, welch große Herausforderung auf mich zukommt", aber "ich freue mich gigantisch auf diese Aufgabe, die im Oktober beginnt." Dass bei der Deutschen Telekom "internationaler Spirit einkehrt, das wird meine Hauptstoßrichtung sein", sagte Nemat.
Die CDU-Politikerin Schick war gegen den Protest der Arbeitnehmervertreter im Aufsichtsrat berufen worden und soll ihr Amt im kommenden Mai antreten. Sie äußerte am Dienstag Verständnis dafür, dass die Arbeitnehmer beim Personalvorstand besonders wachsam seien. Aber nach den Irritationen sehe sie bereits Anzeichen für eine gute Zusammenarbeit. "Die deutsche Sozialpartnerschaft ist ein hervorragendes Instrument", sagte Schick.
dapd
