Boom durch KI Nvidia-Chef über Handwerker: "Brauchen Hunderttausende"

Nicht Akademiker, sondern Elektriker, Installateure und Zimmerleute werden laut Jensen Huang zu den gefragtesten Arbeitskräften der kommenden Jahre gehören.

Nvidia-Chef Jensen Huang: "Der Bereich der Handwerksberufe wird in jeder Volkswirtschaft einen Boom erleben." - © picture alliance / ASSOCIATED PRESS | Andy Wong

Der Bau von Rechenzentren für Künstliche Intelligenz (KI) treibt die Nachfrage nach Handwerkern in die Höhe. Diese Einschätzung teilt Jensen Huang, Chef des Chipherstellers Nvidia. Er betont damit die Chancen für junge Menschen im Handwerk.

Hunderttausende Fachkräfte für Rechenzentren

In einem Interview mit dem britischen Sender "Channel 4 News" prognostiziert Huang einen Aufschwung für den gesamten Handwerkssektor. "Wenn Sie Elektriker, Installateur oder Zimmermann sind – wir werden Hunderttausende von Ihnen brauchen, um all diese Fabriken zu bauen", so Huang. "Der Bereich der Handwerksberufe wird in jeder Volkswirtschaft einen Boom erleben. Sie werden jedes Jahr doppelt so viele Fachkräfte brauchen, und dann noch einmal doppelt so viele."

Nvidia selbst investiert derzeit 100 Milliarden Dollar in neue Rechenzentren. Dies ist Teil eines globalen Ausbaus, der laut einer Prognose der Unternehmensberatung McKinsey bis 2030 Investitionen von rund sieben Billionen Dollar erreichen könnte. McKinsey rechnet zudem vor, dass allein ein einzelnes Rechenzentrum während der Bauphase bis zu 1.500 Bauarbeiter beschäftigen kann. Nach der Inbetriebnahme sind für den Betrieb weiterhin 50 Fachkräfte nötig.

Bestehender Fachkräftemangel in Deutschland

In Deutschland trifft dieser prognostizierte Boom auf einen bereits massiven Fachkräftemangel im Handwerk. Laut dem Zentralverband des Deutschen Handwerks (ZDH) sind derzeit schätzungsweise rund 250.000 Stellen unbesetzt. Der Verband führt diese Entwicklung auf den demografischen Wandel sowie einen "bildungspolitischen Irrweg" zurück, der in den vergangenen Jahren die akademische Bildung gegenüber der beruflichen Ausbildung bevorzugt habe.

Handwerk lohnt sich auch finanziell

Eine Studie des Ludwig-Fröhler-Instituts belegt, dass Handwerker finanziell auf Augenhöhe mit Akademikern stehen. Demnach verdienen bereits Auszubildende in Berufen wie Elektrotechnik oder im Baugewerbe rund 1.000 Euro brutto im Monat. Fertig ausgebildete Gesellen erreichen ein Durchschnittsgehalt von über 3.100 Euro, in gefragten Gewerken wie Sanitär-, Heizungs- und Klimatechnik sogar bis zu 3.700 Euro. Wer sich zum Meister weiterbildet, kann sein Einkommen nochmals deutlich steigern und erreicht mit durchschnittlich 4.500 Euro brutto sowie Spitzenwerten bis zu 8.000 Euro ein Gehaltsniveau, das dem von Bachelorabsolventen in der Industrie mindestens ebenbürtig ist. fre