Premiere beim Deutschen Nutzfahrzeugpreis 2016: Erstmals wird der Titel für einen Stadtlieferwagen mit Elektroantrieb vergeben. Hauptkategorie bleibt aber der Kastenwagen mit konventionellem Dieselantrieb.

Die Transporter mit bis zu drei Tonnen Gesamtgewicht dominieren nach wie vor den Fuhrpark im Handwerk. Sieben Automobilbauer hatten ihr Modell für den Wettbewerb gemeldet.
Anfang Juli waren 15 Betriebsinhaber und Meister verschiedener Gewerke auf Einladung der Deutschen Handwerks Zeitung und von handwerk magazin nach Bad Wörishofen gekommen, um Fahrzeuge zwei Tage lang ausgiebig auf ihre Praxistauglichkeit zu testen und zu beurteilen.
Prinzipiell bescheinigen die Praktiker aus dem Handwerk den Kastenwagen eine solide Qualität, die Unterschiede zwischen den einzelnen Modellen seien in den vergangenen Jahren geringer geworden. Am ersten Tag waren beim Standtest Fahrerkabine und Laderaum zu begutachten sowie Design/Wartung und Reparatur zu bewerten. Alles zusammen fließt mit 40 Prozent in die Gesamtwertung ein.
Weitere 40 Prozent steuert der Fahrtest am zweiten Tag bei. Dafür hatten die Handwerker jeden Transporter mit halber Nutzlast über eine 21 Kilometer lange Teststrecke zu steuern. Schließlich fließt noch mit 20 Prozent eine Wirtschaftlichkeitsberechnung der Dekra in das Endergebnis ein, das bei Redaktionsschluss noch nicht feststand.
Elektroauto kommt bei Kunden an
Bei den Elektrofahrzeugen musste auf die Berechnung der Wirtschaftlichkeit allerdings verzichtet werden, zu dünn ist die Datenlage für diese alternative Antriebstechnologie, die trotz anlaufender Förderung noch in den Startlöchern steht. Dafür ist das Interesse der Handwerker groß, wenn auch die geringe Reichweite und die lückenhafte Lade-Infrastruktur viele noch von einer Investition abhalten.
Malermeister Andreas Romanow kann hingegen schon auf eine dreieinhalbjährige Erfahrung verweisen. 45.000 Kilometer stehen auf dem Tacho seines Elektro-Smarts, mit dem er aus Gräfelfing bei München angereist war.
Vor allem die gute Resonanz bei der Kundschaft freut ihn: „Wenn mich ein Kunde auf das Elektroauto anspricht, habe ich den Auftrag schon in der Tasche“, sagt Romanow. Allerdings räumt er auch ein, dass die Vorteile des Elektroantriebs nur in Ballungsräumen zum Tragen kommen. In ländlichen Regionen sehe es anders aus.
Kompromisse beim Fahrtest

Dass die Elektromobilität im gewerblichen Bereich nur schwer in Fahrt kommt, war am dünnen Teilnehmerfeld zu erkennen. Nur drei Hersteller hatten ihre Fahrzeuge in den Wettbewerb geschickt, der zudem einige Zugeständnisse an den alternativen Antrieb machen musste. Um einen reibungslosen Ablauf zu gewährleisten, wurde die Strecke für den Fahrtest auf acht Kilometer verkürzt.
Trotzdem reichte die Distanz aus, um die speziellen Fahreigenschaften der E-Lieferwagen einmal auszuprobieren. Besonders vom Bremsverhalten zur Rückgewinnung von Energie, der sogenannten Rekuperation, zeigten sich viele Tester beeindruckt.
„Man fährt viel passiver“, sagte Metzgermeister Jürgen Nussbaumer aus Offenbach, der in seiner Freizeit lieber mit viel PS und gern auch mit hoher Geschwindigkeit unterwegs ist.
Ob die Elektromobilität eine Zukunft im Handwerk hat, wurde am Testwochenende heftig diskutiert. Fazit: Als Cheffahrzeug, um etwa bei Kunden ein Aufmaß zu erstellen, oder im lokalen Kundendienst sind E-Autos schon heute denkbar. Den Transporter als klassisches Handwerkerfahrzeug werden sie in absehbarer Zeit hingegen nicht ersetzen, so der Tenor. ste
