Kritik an unterschiedlicher Finanzierung der Jugendprogramme Nur wenige Bewerber für neuen Bundesfreiwilligendienst

Kurz vor dem Start des Bundesfreiwilligendienstes am 1. Juli haben sich erst wenige Ehrenamtliche verpflichtet. Bei den großen Sozialverbänden gingen 650 verbindliche Zusagen ein, wie eine Sprecherin des Paritätischen Gesamtverbands am Dienstag in Berlin auf dapd-Anfrage mitteilte. Bislang habe der Verband rund 18.000 Zivildienstplätze sowie 6.000 Plätze für das Freiwillige Soziale Jahr angeboten.

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Nur wenige Bewerber für neuen Bundesfreiwilligendienst

Berlin (dapd). Kurz vor dem Start des Bundesfreiwilligendienstes am 1. Juli haben sich erst wenige Ehrenamtliche verpflichtet. Bei den großen Sozialverbänden gingen 650 verbindliche Zusagen ein, wie eine Sprecherin des Paritätischen Gesamtverbands am Dienstag in Berlin auf dapd-Anfrage mitteilte. Bislang habe der Verband rund 18.000 Zivildienstplätze sowie 6.000 Plätze für das Freiwillige Soziale Jahr angeboten.

Der Bundesfreiwilligendienst löst den Zivildienst nach der Aussetzung der Wehrpflicht ab. Die Pläne dazu stellte Bundesfamilienministerin Kristina Schröder (CDU) im vergangenen November vor. Damals erwartete sie 35.000 Teilnehmer jährlich, doch peilt ihr Ministerium diese Zahl erst für 2012 an.

Bei den christlichen Hilfswerken Diakonie und Caritas sind weniger als ein Zehntel der Plätze besetzt. Beim Deutschen Caritasverband gab es nach eigenen Angaben 300 Zusagen für 3.300 angebotene Stellen, hundert weitere Ehrenamtliche stehen kurz vorm Vertragsabschluss.

Weder das Deutsche Rote Kreuz noch die Arbeiterwohlfahrt, die ebenfalls nur wenige BFD-Bewerber melden, gehen davon aus, dass der neue Dienst den Zivildienst komplett ersetzen werde. So gab es beim DRK zu besten Zeiten 9.000 Zivis, künftig sollen es nur 7.000 BFD-Plätze sein. "Realistisch betrachtet, gibt es Bereiche, die schlicht nicht attraktiv genug für Freiwillige sind", sagte der AWO-Bundesvorsitzende Wolfgang Stadler.

Das Interesse am Bundesfreiwilligendienst sei sehr viel höher, als die Zahlen es vermuten ließen, entgegnete das zuständige Bundesamt für Familie und zivilgesellschaftliche Aufgaben. "Das merken wir an den Anrufen bei der Hotline", sagte Pressesprecherin Antje Mäder. Seit Mitte Mai hätten sich wöchentlich 250 Freiwillige verpflichtet, bis nach dem Sommerurlaub könnten alle Plätze besetzt werden.

Die Jugendfreiwilligendienste sehen den neuen Dienst allerdings nach wie vor skeptisch. "Die Träger erhalten weniger Geld für die pädagogische Betreuung als ursprünglich mit dem Bund ausgehandelt", beklagt Hinrich Goos, Sprecher des Bundesarbeitskreises Freiwilliges Ökologisches Jahr.

Für das Freiwillige Soziale und das Freiwillige Ökologische Jahr gibt der Bund insgesamt 100 Millionen Euro. Der Bundesfreiwilligendienst wird mit 250 Millionen Euro jährlich gefördert.

Davon will das Familienministerium nach Angaben der Grünen 2,5 Millionen Euro in eine spezielle Werbekampagne stecken. Dies stehe in keinem Verhältnis zu Mittelkürzungen um bis zu 20 Prozent für andere pädagogische Projekte, kritisierten der grüne Jugendexperte Kai Gehring und die parlamentarische Geschäftsführerin Britta Haßelmann. "Die Hau-Ruck-Aktion der Bundesregierung hat die junge Generation eher verunsichert als informiert", ergänzten sie.

Bescheidenere Förderung erhalten auch die Auslandsfreiwilligendienste. Das Programm "weltwärts" des Entwicklungshilfeministeriums wird mit jährlich 30 Millionen Euro, das Programm "kulturweit" des Auswärtigen Amts mit vier Millionen Euro gefördert. Für beide Dienste gibt es deutlich mehr Bewerber als Plätze. Insbesondere für den "weltwärts"-Dienst hätten sich die Trägerverbände mehr Geld erhofft, erklärte Hildegard Peters, Vorstand des Verbands Entwicklungspolitik deutscher Nichtregierungsorganisationen.

dapd