Allensbach-Umfrage zur Jugend im Jahr 2013 Null-Bock-Generation war gestern

Junge Menschen wollen ihre Chancen nutzen. 63 Prozent der 15- bis 24-Jährigen sind der Allensbach-Studie zufolge der Meinung, dass sich Leistung im deutschen Wirtschaftssystem lohnt. Keine Spur mehr von der viel zitierten Null-Bock-Generation. Doch der Ehrgeiz der Jugendlichen hat auch Folgen für das Handwerk: immer mehr wollen studieren statt eine Ausbildung absolvieren. Lehrlinge fehlen.

Fleißig Schüler: Rebellierende Jugendliche mit Flausen im Kopf sind laut einer Studie passé: Die jungen Menschen von heute wollen vor allem im Beruf vorankommen. Dem Ausbildungsmarkt nützt das aber nicht. - © Foto: Robert Kneschke/Fotolia

Mit Beginn des neuen Ausbildungsjahres Anfang September waren laut Bundesagentur für Arbeit bundesweit noch über 100.000 Lehrstellen als unbesetzt gemeldet. Zum Stichtag 31. Juli lagen die neu abgeschlossenen Ausbildungsverträge im Handwerk mit 84.544 um 4,6 Prozent unter der Vergleichszahl des Vorjahres. 22.300 Ausbildungsplatzangebote meldeten die Börsen der Handwerkskammern zu diesem Zeitpunkt noch.

Die Gründe für den Fachkräftemangel liegen neben dem demografischen Wandel auch am steigenden Ehrgeiz der der Jugendlichen und jungen Erwachsenen zwischen 15 und 24 Jahren. Denn 51 Prozent aller Schüler wollen nach der Schulzeit studieren. Das duale System aus Schule und Berufsausbildung verliert – auch weil es immer weniger Hauptschulen in Deutschland gibt. Der Ansturm auf die höheren Schulen verändert die Situation auf dem Ausbildungsmarkt. Obwohl auch immer mehr Abiturienten eine Ausbildung im Handwerk absolvieren, fehlen hier die Bewerber.

Leistungsbereiter als noch vor etwa 20 Jahren

Was erst einmal negativ klingt, stellt allein mit Blick auf die Jugendlichen allerdings einen positiven Trend dar. Denn die Jugend von heute ist optimistischer denn je. Rebellierende Jugendliche sind laut einer Studie des Allensbach-Instituts passé: Die jungen Menschen von heute wollen vor allem im Beruf vorankommen.

"Die heutige junge Generation ist der genaue Gegenpol zur Null-Bock-Generation", sagte die Geschäftsführerin des Allensbach-Instituts, Renate Köcher, am Montag in Berlin. Die jungen Leute seien leistungsbereiter als noch vor etwa 20 Jahren. Sie wollten nach vorne und Chancen nutzen.

63 Prozent der Jugendlichen und jungen Erwachsenen sind demnach der Meinung, dass sich Leistung im deutschen Wirtschaftssystem lohne. Das Institut befragte im Auftrag der Imbisskette McDonald's rund 3.000 Mitglieder dieser Altersgruppe. Demnach will ein Großteil der jungen Leute einen erfolgversprechenden Beruf, der Zukunft hat und zugleich Spaß macht. Eher auf den hinteren Plätzen rangieren dagegen Aspekte wie wenig Stress oder viel Urlaub.

Eine zu verfestigte Unterschicht

Sehr realistisch sei diese Generation und sehr angepasst, sagt der Jugendforscher Klaus Hurrelmann von der Hertie School of Governance: "Ohne Flausen im Kopf." Passend dazu sind die wichtigsten Ratgeber der jungen Menschen die Eltern. 83 Prozent der Schüler sprechen mit ihnen über ihre beruflichen Möglichkeiten. Das Elternhaus sei für die jungen Menschen eine sichere Basis, sagt Hurrelmann.

Probleme gibt es trotzdem noch, denn längst nicht alle jungen Menschen sind so ehrgeizig: Gut jeder Fünfte glaubt, dass sich der soziale Status durch Leistung nicht verbessern lässt. Besonders pessimistisch schätzen junge Leute aus den unteren gesellschaftlichen Schichten ihre Aufstiegschancen ein. "Wir haben in Deutschland eine zu verfestigte Unterschicht", sagt Köcher. Doch im Vergleich mit europäischen Krisenländern kann sich das Lebensgefühl der jungen Deutschen insgesamt sehen lassen: Laut Studie blicken 71 Prozent mit Optimismus in ihre berufliche Zukunft. dhz/dpa

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