Um die weltweit abstürzenden Aktienmärkte zu beruhigen, haben Notenbanken weltweit ihre Leitzinsen gesenkt. Die Europäische Zentralbank nahm ihren Zinssatz um 50 Basispunkte auf 3,75 Prozent zurück.

Notenbanken senken weltweit ihre Leitzinsen
Die EZB begründete ihren Schritt damit, dass der Inflationsdruck in einer Reihe von Ländern nachzulassen beginne. Zudem habe die jüngste Verschärfung der Finanzkrise die Risiken für das Wachstum erhöht, was gleichzeitig die Inflation eindämme.
EZB-Ratsmitglied Axel Weber erklärte, angesichts der Zuspitzung der Turbulenzen hätten die Notenbanken entschlossen handeln müssen. "Die Zentralbanken haben damit ein klares Signal gesendet, dass sie alles tun werden, um eine weitere Verschärfung der Finanzkrise zu verhindern", sagte der Bundesbankpräsident.
Bankvolkswirte meinten, dass weitere Zinssenkungen in den kommenden Monaten nicht auszuschließen seien. Commerzbank-Ökonom Bernd Weidensteiner verwies darauf, dass der Konjunktur damit zwar nicht kurzfristig geholfen werde, aber sich auf mittlere Sicht die Aussichten verbesserten.
In Großbritannien reagierte die Regierung auf die sich zuspitzende Finanzmarktkrise mit einem 500 Milliarden Pfund (640 Milliarden Euro) schweren Rettungspaket für die Bankenbranche. Nach der Verstaatlichung der Hypothekenbanken Northern Rock und Bradford & Bingley sollen jetzt die Institute Royal Bank of Scotland Group, Barclays, HBOS, Lloyds TSB Group, Abbey, Nationwide Building Society, Standard Chartered und HSBC Holdings gestärkt werden.
Analysten und Anleger zweifelten allerdings, ob die Maßnahmen der Briten ausreichen. Sie erklärten, dass die Rezessionsangst tiefer sitze. Der Internationale Währungsfonds (IWF) verwies darauf, dass die Situation insgesamt sehr unsicher sei. Weiterhin bestünden beträchtliche Risiken, vor allem dann, wenn sich die Finanzkrise stärker als erwartet auf die Realwirtschaft niederschlage.
Vor der Entscheidung der Notenbanken, war es an den Aktienmärkten zu einem erneuten Ausverkauf der Aktien gekommen. Am Morgen hatte der japanische Nikkei-Index 9,4 Prozent verloren und war auf den niedrigsten Stand seit Oktober 1987 gefallen. Der Dow-Jones-Index an der New Yorker Wall Street hatte am Dienstag auf dem niedrigsten Stand seit September 2003 geschlossen.
Bundeswirtschaftsminister Michael Glos (CSU) zeigte sich mit der Entscheidung zufrieden: "Ich begrüße die Entscheidung der EZB, zusammen mit anderen Notenbanken die Zinsen zu senken. Diese Entscheidung trägt zu einer Stabilisierung der Lage an den Finanzmärkten bei und ist ein richtiger Schritt."
ddp/pc