Kleine und mittlere Unternehmen zeigen sich trotz Konjunkturkrise robust: Die Beschäftigung erreicht einen Rekordwert, die Gesamtumsätze steigen. Doch nur noch 39 Prozent der Mittelständler investieren – ein Wert nahe dem Allzeittief.

Kleine und mittelständische Unternehmen stehen trotz der konjunkturellen Krise weiterhin stabil da. "Insgesamt stellt sich der Mittelstand recht robust dar", sagte KfW-Chefvolkswirt Dirk Schumacher mit Blick auf die Ergebnisse des jüngsten KfW-Mittelstandspanels. Die Beschäftigung im Mittelstand liege mit rund 33 Millionen Erwerbstätigen und einem Plus von 207.000 Personen auf einem Rekordhoch. Allerdings sei die anhaltende Investitionsschwäche kein gutes Zeichen, warnte Schumacher. Deshalb sei es wichtig, dass die Politik die notwendigen Strukturreformen anpacke.
Chefvolkswirt: Bei Umsätzen ist das Glas halb voll
Nach Angaben der staatlichen Förderbank KfW stiegen die Gesamtumsätze der rund 3,87 Millionen kleinen und mittleren Unternehmen im vergangenen Jahr um zwei Prozent auf 5,2 Billionen Euro. Preisbereinigt habe es ein kleines Minus von einem Prozent gegeben. Ein Jahr zuvor habe das Minus jedoch noch bei zehn Prozent gelegen. Insgesamt sei das Glas bei den Umsätzen "halb voll", betonte Schumacher. Stabil zeige sich auch die Profitabilität der Unternehmen mit einer durchschnittlichen Umsatzrendite von sieben Prozent. Größere Schwankungen gebe es allerdings bei kleineren Betrieben.
Mittelständler halten sich mit Investitionen zurück
Kritisch bewertet Schumacher die Investitionszurückhaltung vieler Mittelständler. Nach KfW-Angaben investierten im Jahr 2024 nur 39 Prozent bzw. 1,51 Millionen Unternehmen in ihre Betriebe – genauso viele wie im Vorjahr, ein Wert nahe dem Allzeittief. Insgesamt hätten kleine und mittlere Unternehmen 221 Milliarden Euro investiert, nominal ein Plus von zwei Milliarden Euro gegenüber dem Vorjahr. Preisbereinigt seien die Investitionen jedoch gesunken.
Vielfältige Gründe für schwache Investitionsneigung
Als Gründe für die Investitionsschwäche nannte der KfW-Chefvolkswirt die hohen Preise für Energie, Material und Löhne sowie das hohe Maß an Bürokratie. Zudem zeige sich, dass ältere Unternehmer tendenziell weniger investieren als jüngere. In einer alternden Gesellschaft sei dies ein weiterer Faktor für eine anhaltende Investitionsschwäche. Rechtzeitige Nachfolgeregelungen seien daher besonders wichtig.
Fiskalimpulse geben Grund zur Hoffnung
Als weiteren Grund für die Investitionsschwäche nannte Schumacher die insgesamt schwache wirtschaftliche Entwicklung. Im Umkehrschluss dürfe sich – so seine Hoffnung – die Investitionsdynamik im Mittelstand mit dem Fiskalimpuls der schwarz-roten Koalition wieder erhöhen. Insgesamt erwartet die KfW für 2026 ein Wirtschaftswachstum von 1,5 Prozent.
Die repräsentative Umfrage für das Mittelstandspanel fand von Februar bis Juni 2025 statt. Befragt wurden Unternehmen mit einem Umsatz von bis zu 500 Millionen Euro.