Die Eigenkapitalquote des deutschen Mittelstands ist nach wie vor hoch. Eine Analyse des Deutschen Sparkassen- und Giroverbandes zeigt jedoch, dass steigende Kosten die Umsatzrenditen zunehmend belasten. Der Verband sieht zudem Ansätze einer schleichenden Deindustrialisierung.

Noch sieht der Deutsche Sparkassen- und Giroverband mittelständische Unternehmen finanziell gut aufgestellt. "Die finanzielle Lage des Mittelstands ist nach wie vor stabil", sagte der Präsident des Deutschen Sparkassen- und Giroverbandes (DSGV), Ulrich Reuter, zu den Ergebnissen einer Analyse des Verbandes. Für die Untersuchung wurden die Mittelstandsexperten aller 348 Sparkassen befragt.
Die Eigenkapitalquote bleibe hoch und liege im Schnitt etwa bei 37 Prozent. "Doch steigende Personal-, hohe Energie- und Materialkosten nehmen den Unternehmen zunehmend die Luft zum Atmen", warnte er. Von der Politik forderte Reuter eine Stärkung des Standortes Deutschland durch weniger Bürokratie und den Ausbau der gesamten Infrastruktur.
Reuter: Umsatzrenditen geraten unter Druck
Zu den besonderen Kostentreibern zählt Reuter zuletzt die Lohnkosten mit einem Plus von fast sieben Prozent. Hinzu kämen die im Vergleich zu anderen Standorten weiterhin hohen Energiekosten. "Drei von vier Unternehmen können diese Kosten nicht ohne weiteres an ihre Kundschaft weitergeben", erklärte er. In einigen Branchen stünden die Umsatzrenditen deshalb "stark unter Druck". Besonders betroffen seien der Hochbau und energieintensive Branchen, die schon eine deutliche Verschlechterung ihrer Rentabilität verzeichneten.
DSGV sieht Anfänge einer schleichenden Deindustrialisierung
Wie Reuter weiter sagte, haben die Energiekosten jüngst wieder nachgegeben. Sie blieben im Vergleich zu den USA, Kanada, Japan oder China aber "außerordentlich hoch". Dies habe dazu geführt, dass einige Unternehmen mindestens Teile ihrer Produktion ins Ausland verlagerten oder dies planten. "Wir sehen tatsächlich Anfänge einer schleichenden Deindustrialisierung", warnte er.
Sparkassen sehen verhaltene Nachfrage nach Investitionskrediten
Die schwierigen Bedingungen dämpften nach den Worten Reuters die Innovationsfreude und die wirtschaftliche Dynamik. "Die Unternehmen warten ab", sagte er mit Blick auf die schwache Nachfrage nach Investitionskrediten. Um die Innovationskraft und Wettbewerbsfähigkeit des Mittelstands zu sichern, forderte er neben einem entschlossenen Bürokratieabbau den Ausbau der digitalen und realen Infrastruktur. Dazu gehörten flächendeckend starke Breitbandnetze sowie leistungsfähige Stromnetze. Reuter sprach sich zudem für bessere Verkehrswege und eine effizientere digitale Verwaltung aus.
Reuter: Ohne private Investitionen geht es nicht
Nach Einschätzung des Sparkassen-Präsidenten kann der wirtschaftliche Erfolg Deutschlands nur durch verstärkte private Investitionen gesichert werden könne. "Es ist ausgeschlossen, dass Investitionen im notwendigen Umfang allein aus öffentlichen Haushalten finanziert werden können." Dabei erinnerte er auch an die Möglichkeit öffentlich-privater Partnerschaften (PPP-Projekten). Deutschland könne nur dann wieder an internationaler Wettbewerbsfähigkeit gewinnen, wenn wirtschaftliches Wachstum im Zentrum der Agenda stehe.