Mit dem Navara in die Wüste: In Marokko soll der Pick-up von Nissan seine Qualität unter Beweis stellen – für die der Hersteller eine lange Garantie gewährt.
Ulrich Steudel

Als erster Automobilbauer bietet Nissan für alle Nutzfahrzeuge mit Benzin- oder Dieselantrieb eine Gewährleistung über fünf Jahre oder 160.000 Kilometer. Das zeugt vom Vertrauen in die Qualität der eigenen Produkte. Um die Unverwüstlichkeit des Pick-ups Navara zu demonstrieren, hatte Nissan in die Sahara geladen.
Doch die Realität in der Wüste deckt sich nicht immer mit den Vorstellungen des Westeuropäers, vor dessen innerem Auge Kamelkarawanen durch staubtrockenen Sand von Oase zu Oase ziehen. Tatsächlich hat am Abend ein Gewitter die Landschaft geduscht. Und als der Konvoi der Pick-ups hinter Erfoud im Südosten Marokkos den Asphalt verlässt, können die Navaras erst so richtig aufdrehen. War auf den Straßen noch eine Höchstgeschwindigkeit von 80 km/h geboten, so geht es nun mit gut 100 Sachen über die ebene Schotterpiste.
Neue Hinterachsaufhängung bietet mehr Fahrkomfort
Zuvor noch von Heck- auf Allradantrieb umgeschaltet, lässt sich die Wüste im topausgestatteten Navara mit Doppelkabine zügig und bequem durchqueren. Jetzt kann die für die vierte Generation des Pick-ups neu entwickelte Mehrlenker-Hinterradaufhängung mit Schraubfedern ihre Vorzüge ausspielen. Sie ist nicht nur rund 20 Kilogramm leichter als die alte Starrachse mit Blattfedern, sie sorgt auch für ein rückenschonendes Fahrerlebnis auf holprigem Untergrund. Ob dies auch bei voller Nutzlast noch so wäre, sei dahingestellt.
Als sich am Hotel Sahara Garden bei Merzouga die Staubfahne der vorausfahrenden Pick-ups gelegt hat, wird das gängige Wüstenbild endlich bedient. Bis zu 150 Meter hoch türmen sich die Dünen der Erg Chebbi vor den staunenden Gästen. Hier beginnt das Terrain der Kamele, die vor dem Hotel auf Touristen warten. Doch die gigantische Sandlandschaft lockt auch motorisierte Besucher an, sogar Ski- und Snowboardfahrer suchen hier ihr Vergnügen.
Mit wenig Luftdruck und Vollgas durch die Dünen
Während die Techniker den Luftdruck in den Reifen der Navaras auf 1 bar senken, werden die Piloten mit den Tücken des Dünenfahrens vertraut gemacht. Zum elektronisch gesteuerten Allradantrieb (4H) wird das mechanische Sperrdifferenzial (4LO) zugeschaltet, aber das Erfolgsgeheimnis heißt Vollgas. Schon ein kurzes Zögern an den Steilauffahrten reicht und das Fahrzeug gräbt sich ein. Im schlimmsten Fall hilft dann nur noch das Abschleppseil und ein kräftiges Zugfahrzeug.
Mit ein bisschen Übung lässt sich der Navara aber ohne Probleme durch den gigantischen Sandkasten kutschieren. Manchmal erinnert die Tour eher an eine Bootsfahrt, wenn der Pick-up nach sanften Lenkeinschlägen wie schwimmend über die Dünen schwebt und eine Gischt aus Sand verspritzt.
Nach diesem Abstecher, der auch bei der Rallye Dakar schon zum Programm gehörte, geht es mit vollem Reifendruck wieder Richtung Straße. Der Konvoi kommt ohne Probleme über die 165 Kilometer lange Tour, die zu großen Teilen durch Wüstengelände führte.
Am Ende des Tages zeigt der Bordcomputer einen durchschnittlichen Verbrauch von 10,6 l/ 100 km, was zwar deutlich über den vom Hersteller als kombinierten Verbrauch angegebenen 6,3 Litern liegt, angesichts des Offroad-Pensums jedoch vertretbar erscheint. Den Umweltpolitikern aus aller Welt, die zeitgleich im 500 Kilometer westlich gelegenen Marrakesch beim UN-Klimagipfel über die Reduzierung der Treibhausgase verhandelten, wird das trotzdem nicht gefallen.