Satellitenempfang Niemand soll in die Röhre gucken

Am 30. April ging eine Ära zu Ende. Dann schalten die Rundfunksender die analoge Satellitenübertragung ab. Nach Einschätzung von Klardigital hatten bis zum Freitag eine halbe Million Haushalte noch nicht auf das digitale Fernsehzeitalter umgerüstet.

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Ende März standen noch rund eine Million Umrüstungen aus, schätzte man beim Zentralverband der Deutschen Elektro- und Informationstechnischen Handwerke (ZVEH). "Die notwendigen Geräte sind alle lieferbar, aber bei den Terminen mit dem örtlichen Fachhandwerker könnte es Engpässe geben", befürchtete ZVEH-Sprecher Johann Peter Pfeifer, Inhaber eines Unternehmens für Informationstechnik in Karlsruhe. Dabei habe der Verband frühzeitig seine Kunden auf die bevorstehende Änderung hingewiesen.

Der größte Teil der Satellitennutzer in Deutschland ist jedoch rechtzeitig auf den digitalen Empfang umgestellt worden. Bei Stefan Heß flaute die Nachfrage zum Beispiel bereits Anfang April ab. "Auch weil wir aktiv für die Umrüstung geworben haben", sagt Heß, Geschäftsführer von ANAS Kommunikationssysteme aus Suhl.

Bis Freitag waren laut Angaben von Klardigital noch eine halbe Millioen Anschlüsse nicht umgerüstet - wohl weil die Fernsehzuschauer trotz der vielen Werbung noch nicht oder nicht rechtzeitig reagiert haben.

Seit 2010, noch bevor die Rundfunkanstalten ihre Informationsinitiative „klardigital“ starteten, haben die Betriebe für eine rechtzeitige Umrüstung geworben. Doch das Fernsehpublikum reagierte zögerlich. Seit Herbst aber haben die Informationselektroniker alle Hände voll zu tun. Und weil im Winter aufgrund des Wetters nicht immer auf den Dächern gearbeitet werden konnte, stauten sich die Aufträge.

Sorgen bereiten Heß hingegen die Großanlagen, wie sie in Hotels, Krankenhäusern, Altenheimen oder größeren Wohnanlagen installiert sind. Manche Betreiber haben Probleme mit der Finanzierung. Die Umrüstung einer Kopfstation kann zwischen 8.000 und 12.000 Euro kosten. "Wenn dann die Fernseher noch getauscht werden müssen, weil die älteren Modelle noch kein digitales Signal empfangen können, kann es schnell teuer werden", sagt Heß. ZVEH-Sprecher Pfeifer schätzt, dass von den Großanlagen noch nicht alle umgerüstet sind.

Dass die Umsätze von Mai an einbrechen, weil die Fernsehzuschauer dann alle mit neuer Digitaltechnik ausgerüstet sind, fürchtet beim ZVEH niemand. Die Branche ist inzwischen viel breiter aufgestellt als zu Zeiten, in denen der Informationstechniker noch Rundfunkmechaniker hieß. Rund 5,9 Milliarden Euro hat das IT-Handwerk mit seinen gut 10.000 Betrieben und 44.000 Beschäftigten im vergangenen Jahr umgesetzt.

Die Digitalisierung der Kabelnetze und die Perspektiven des Internets in der Unterhaltungselektronik werden beim Fachhandwerk auch in Zukunft für Aufträge sorgen. "Bei der Vernetzung im Gebäude gibt es noch viel zu tun", blickt Johann Peter Pfeifer voraus. steu/rh/dapd