Abschlüsse im Handwerk spiegeln Strukturwandel der Gesellschaft
Nichts ist wichter als Investition in Bildung
Eigentlich pfeifen es die Spatzen längst schon von allen Dächern: Der Strukturwandel der deutschen Wirtschaft ist im Handwerk angekommen. Für Sie als Unternehmer ist das keine neue Nachricht? Da dürften Sie vollends Recht haben. Deshalb wundern Sie sich wahrscheinlich, ebenso wie wir, recht häufig über hartnäckig bestehende Vorurteile über „das Handwerk“, wenn etwa „das Handwerk“ als Berufslaufbahn zweiter Klasse abgetan wird und in Fernsehbeiträgen mitunter wunderbar verallgemeinernd Handwerksleistungen als qualitativ schlecht dargestellt werden. Jeder, der es wissen will, und überdies von Fachkunde nicht ganz unberührt geblieben ist, weiß jedoch seit längerem: Alle Gewerke des Handwerks entwickeln sich dynamisch in Richtung Zukunft. Unternehmer, die erfolgreich sein wollen, müssen sich mit neuen Technologien, mit neuen Marketing- und Vertriebsmethoden und mit einer modernen betrieblichen Organisation befassen. Sie haben schier keine andere Chance. Ansonsten scheitern sie – auch wenn die Marktnische, in der sie tätig sind, lange Zeit vielleicht sehr komfortabel war und sicher schien.
Wir wundern uns deshalb nicht über die Ergebnisse einer umfangreichen Studie der Handwerkskammer Koblenz zur Meisterbefragung des Jahrgangs 2006/07. Die in der Untersuchung befragten Teilnehmer der Meisterprüfung haben diese im Zeitraum März 2006 bis Februar 2008 absolviert. Dabei stellte sich heraus, dass lediglich ein knappes Drittel (31 Prozent) der Absolventen zuvor die Hauptschule abgeschlossen hatte; beinahe die Hälfte der Prüflinge (48 Prozent) verfügten über die mittlere Reife und ein gutes Fünftel (21 Prozent) über das Abitur. Mehr als zwei Drittel der Jungmeister haben also einen weiterführenden Schulabschluss in der Tasche.
Was heißt das? Zum einen ist die Untersuchung nicht repräsentativ. Der Trend, der deutlich wird, aber schon. Insoweit handelt es sich nicht um ein zufälliges Ergebnis. Die Leistungen, die heutigen Meisterprüflingen abverlangt werden, sind nicht von Pappe, eine gute und weiterführende Schulbildung kann da nicht schaden. Das hat sich herumgesprochen. Zum anderen verweisen die Daten aus Koblenz darauf, dass das Interesse an Berufen des Handwerks nicht etwa gesunken ist, sondern auf einem breiten gesellschaftlichen Fundament steht. Zum dritten aber, und dies scheint die größte Bedeutung zu haben, zeigt die Untersuchung, wie durchlässig und vielschichtig Deutschlands Wirtschaft und Gesellschaft geworden sind. Alte und scheinbar unumstößliche Wahrheiten lösen sich im Strukturwandel auf: Die Verkürzung der Innovationszyklen, die steigenden Ansprüche der Märkte und Kunden an Unternehmer und Mitarbeiter, der zunehmende Bedarf an Wissen, Weiterbildung und Qualifikation, die Komplexität einer unternehmerischen Führungsaufgabe – all das erfordert einen Betriebsinhaber im Handwerk, der bereits von seiner Schule, mit welchem Bildungsabschluss auch immer, mit den denkbar besten Voraussetzungen ins Rennen geschickt wird.