Altersvorsorge "Nicht nur aufs Eigenheim bauen, sondern zusätzlich Aktienchancen nutzen."

Bei der Vorsorge für die Zeit nach dem Berufsleben gilt es nicht nur auf Sicherheit, sondern auch auf gute Rendite zu achten. Nur auf das eigene Haus zu setzen, reicht in der Regel nicht, erklärt Carmen Bandt, zertifizierte Finanzplanerin und Geschäftsführende Gesellschafterin bei der Kidron Vermögensverwaltung aus Stuttgart.

Nur auf das eigene Haus zu setzen, reicht in der Regel nicht - © Smole - stock.adobe.com

Immobilien gelten vielen als Goldstandard der Altersvorsorge, stimmt das noch?

Hier heißt es zu differenzieren, denn die Rendite von Immobilien als Anlageobjekt ist gerade auf dem heutigen hohen Preisniveau oft nicht besonders hoch. Andererseits kann ein finanziertes Traumhaus zum Sparen fürs Alter durch die regelmäßige Tilgung quasi disziplinieren und so zum Vermögensaufbau hinführen. Der Effekt der Mietfreiheit sollte aber letztlich nicht überschätzt werden, denn im Zweifel lässt sich von Betongold auch nicht abbeißen. Es braucht zudem ausreichende Reserven, um zum Beispiel eine kaputte Heizung oder ein neues Dach bezahlen zu können.

Was wäre eine bessere Alternative zum langfristigen Vermögensaufbau?

Da führt meiner Ansicht nach derzeit kein Weg an Aktien als Baustein vorbei. Noch immer gibt es hier starke Vorbehalte in der Bevölkerung wegen möglicher Preisschwankungen, die es ja tatsächlich immer wieder gibt. Aber was viele nicht sehen ist, dass gerade bei einem so langfristigen Ansparprojekt wie der Altersvorsorge die eigentlich kaum ins Gewicht fallen, da die durchschnittliche Rendite entscheidend ist. Ein Beispiel: Legen Sie 250.000 Euro mit im Schnitt vier Prozent jährlichem Ertrag 30 Jahre an, werden daraus rund 810.000 Euro. Bei sechs Prozent sind es schon 1,43 Millionen Euro. Deswegen sollte man ein Optimum aus Risiko und Chancen anstreben, das derzeit nur der Aktienmarkt bietet.

Was spricht gegen eine klassische Lebens- oder private Rentenversicherung?

Im Prinzip nichts, allerdings müssen sich Anleger bewusst sein, dass sie damit überwiegend auf die Rendite festverzinslicher Wertpapiere setzen. Auf dem derzeit sehr niedrigen Zinsniveau reichen die Erträge hier oft nicht, um eine Rendite über der Inflationsrate zu erzielen - insbesondere abzüglich der oft nicht unerheblichen Kosten. Aber es gibt durchaus auch neue, günstigere Produkte, die die Möglichkeiten des Aktienmarkts stärker nutzen und einen sinnvolleren Beitrag zur Altersvorsorge leisten können. Wem der Versicherungscharakter nicht so wichtig ist, kann aber auch einfach mit einem Sparplan über Indexfonds (ETFs) sehr preiswert, flexibel und breit gestreut Börsenchancen nutzen und langfristig Vermögen aufbauen.

Carmen Bandt
Carmen Bandt - © V-Bank

Aber das niedrige Zinsniveau hilft doch auch beim Hauskauf?

Nicht unbedingt, denn die Nachfrage ist hoch und damit auch das Preisniveau, das ist auch ein Effekt der günstigen Finanzierungsmöglichkeiten. Dabei sollten Häuslebauer die Risiken nicht vergessen. Auch noch so günstige Kredite müssen irgendwann getilgt werden und läuft die Zinsbindung aus, können die Finanzierungskonditionen auf einem völlig anderen Niveau sein. Vor zehn Jahren kostete Baugeld zum Beispiel noch mehr als das Dreifache an Zinsen.

Welche Summe reicht für einen entspannten Lebensabend?

Das ist natürlich von vielen Faktoren wie dem Renteneintrittsalter und dem eigenen Lebensstandard abhängig. Zur groben Orientierung: Wer für 35 Jahre jeden Monat 3.000 Euro zur Verfügung haben will, sollte schon eine Million Euro ansparen. Natürlich macht es Sinn, das auf mehrere Säulen zu verteilen. Ein gesetzlicher Rentenanspruch, ein selbstgenutztes Eigenheim aber ganz besonders eben auch Aktienbestandteile können hier eine solide Basis bilden.