Technische Raffinessen Neuheiten bei der IAA: Ein Rausch für alle Sinne

Neue Bildschirme mit ungeahnter Brillanz, sensible Tasten und für jede Funktion ein eigener Sound: Die Bedienung des Autos wird bei den Messestudien auf der IAA zum Rausch der Sinne. Vieles, was man heute bei den Showcars sehen kann, geht schon bald in Serie.

Audi stellt dei der Internationalen Automobil-Ausstellung (IAA) in Frankfurt am Main den "e-tron quattro concept" vor. - © Foto: Uli Deck/dpa

Wer zum ersten Mal im Audi "e-tron quattro" Platz nimmt, fühlt sich an ein Raumschiff erinnert. Und das liegt nicht allein am eigenwilligen Wählhebel für das Getriebe, der wie der Schubregler eines Space Shuttles aus dem Mitteltunnel ragt. Was die Studie für den ersten elektrischen Geländewagen des bayerischen Herstellers so futuristisch wirken lässt, sind vor allem die extrem dünnen Anzeigen, die berührungsempfindlichen Oberflächen und die Tatsache, dass man viele Funktionen sogar mit Gesten steuern kann.

Displays werden immer dünner

Damit liegt die auf der Internationalen Automobilausstellung (IAA) in Frankfurt am Main - die am 17. September von Bundeskanzlerin Angela Merkel eröffnet wurde - präsentierte Studie voll im Trend. Denn seitdem man Telefone und Tablet-Computer mit zwei, drei Tasten bedienen kann, ist den Automobil-Entwicklern jeder Knopf im Auto ein Dorn im Auge. Und da Handys und Fernseher immer schärfere Bilder anzeigen, können die Displays im Wagen gar nicht hoch genug aufgelöst sein.

IAA Frankfurt - Merkel Bundeskanzlerin Angela Merkel eröffnete die IAA. Hier gemeinsam zu sehen mit dem Vorstandsvorsitzende der Audi AG, Rupert Stadle vor dem neuen Audi E-Tron Quattro Concept. - © Foto: Fredrik von Erichsen/dpa

Neben kapazitiven Oberflächen, die auf Annäherung oder Berührung reagieren, setzen die Hersteller dabei vor allem auf sogenannte OLED-Anzeigen. Sie nutzen organische Leuchtdioden, die heller und schärfer sind. Weil sie von sich aus leuchten, müssen die Anzeigen nicht mehr von hinten angestrahlt werden. Der Vorteil: Die Displays werden dadurch immer dünner.

Viele Details sollen bald in Serie gehen

Audi hat beim e-tron quattro den Bogen aber bewusst ein wenig überspannt. Weshalb beim Serienauto wohl noch ein paar mehr Schalter zu erwarten sind als bei der auf der IAA vorgestellten Studie. " Doch viele Details wie Kameras als virtuelle Außenspiegel mit den entsprechenden Displays in den Türverkleidungen oder die OLED-Technologie für einzelne Anzeigen sind für die Serie gesetzt ", sagt Audi-Projektleiter Stefan Blümel.  

Dass viele dieser technischen Neuheiten bald in Serie gehen, glaubt auch Holger Hutzenlaub aus dem Designteam von Mercedes. Er hat maßgeblich am "Aerodynamik-Showcar Concept", mit Transformer-Karosserie und ausfahrbaren Anbauteilen, für die IAA mitgearbeitet.  Neben der Karosserie lohnt sich auch ein Blick in den Innenraum des Mercedes: Dort sieht man fast mystisch beleuchtete Luftausströmer aus Swarovski-Glas, zwei in einem Rahmen beinahe nahtlos verschmolzene Riesen-Displays anstelle der Instrumente und einen gebogenen Touchscreen auf dem Mitteltunnel, mit dem man Klima und Co steuert.

Mit nur einem Finger das ganze Menü bedienen

Der Clou ist die Optical Finger Navigation, wie man sie etwa vom Blackberry Smartphones kennt. ´"So kann man sich mit dem Daumen wie auf einem Mini-Touchscreen durch die Menüs bewegen und braucht kaum mehr andere Knöpfe am Lenkrad.", sagt Hutzenlaub.

Ob und wie das funktioniert, werden die Mercedes-Kunden bald selbst ausprobieren können, verspricht der Designer – ab dem nächsten Jahr in der Neuauflage der E-Klasse.

Peugeot setzt auf den Gehörsinn

Wo die deutschen Hersteller beim Anzeige- und Bedienkonzept vor allem an Augen und Hände denken, nutzt Peugeot einen anderen Sinn: das Gehör. Bislang gab es nur vergleichsweise simple Warntöne gab.. Jetzt haben die Franzosen für die Studie "Fractal" mit einem Tonkünstler eigens ein Dutzend Klangfolgen komponiert, die bestimmte Kommandos quittieren und dadurch entsprechende Anzeigen überflüssig machen. Wer einmal den Jingle für die Scheinwerfer gehört hat, der braucht keine Kontrollleuchte mehr.

Ein luxuriöser Geländewagen von Audi, ein Oberklasse-Gran-Turismo von Mercedes und das Klangkonzept von Peugeot. Wie so oft werden viele Innovationen nach der sogenannten Top-Down-Strategie zunächst in den teuren Modellen kommen, bevor sie irgendwann für eine breite Masse verfügbar sind.

"Für jedermann bezahlbar"

Aber das muss nicht immer so sein, sagt zumindest der Zulieferer "ZF" . Der hat im visionären Kleinwagen "Advanced Urban Vehicle" (AUV) neben einer neuartigen Lenkung und einem weiterentwickelten Parkautomaten das womöglich kleinste und billigste Head-Up-Display eingebaut: Kaum größer als eine Briefmarke, prangt auf der Zwölf-Uhr-Position im Lenkrad ein Mini-Monitor, auf dem wichtige Informationen prominent ins Blickfeld gerückt werden.

Das ist nicht nur weitaus näher an der Serie als holographische Projektionen wie bei Peugeot oder die ultraflachen und gebogenen OLED-Anzeigen von Audi. "Sondern es ist vor allem für jedermann bezahlbar", sagt Gerhard Gumpoltsberger aus der ZF-Forschung: "Es ergibt schließlich keinen Sinn, wenn die Instrumente mehr kosten als das ganze Cockpit."

Welche technischen Neuheiten es am Ende wirklich in Serie schaffen, bleibt abzuwarten. I nteressant anzusehen sind die futuristischen Designs aber allemal. Erleben können Besucher die technischen Finessen von Audi und Co. auf der IAA bei den Publikumstagen vom 19. bis 27. September. dpa/dhz