Tierschutzbund und Handwerk Neues Gütesiegel für Fleisch vorgestellt

Der Deutsche Tierschutzbund hat ein neues Gütesiegel für Fleisch vorgestellt. Damit sollen Produkte gekennzeichnet werden, denen bestimmte Tierschutzstandards zugrunde liegen. Das Label steht auch Handwerksfleischereien offen. Nachfolgend Fragen und Antworten zum neuen "Tierschutzlabel".

Das neue Tierschutzsiegel soll Verbrauchern die Möglichkeit geben, ihr Fleisch anhand der Einhaltung bestimmter Tierschutzstandards auszusuchen. - © Foto: bettina sampl/Fotolia.com

Wer vergibt das Siegel?

Das "Tierschutzlabel" wird vom Deutschen Tierschutzbund vergeben. Als Grund gibt die Organisation an, "eine zeitnahe Umsetzung einer Kennzeichnungspflicht für alle Produkte, die tierische Bestandteile enthalten, oder die rasche Einführung einer freiwilligen staatlichen Tierschutzkennzeichnung, etwa analog dem Bio-Siegel" sei nicht in nächster Zeit zu erwarten.

Steht das Siegel auch Fleischereien offen?

Ja. Allerdings brauchen sie entweder einen Vermarkter, über den sie beziehen und der einen Lizenzvertrag hat, oder sie müssen als Direktvermarkter (oder Erzeugergemeinschaft, falls sich mehrere zusammenschließen) direkt einen Lizenzvertrag mit dem Tierschutzbund abschließen.

Welche Kriterien sind einzuhalten?

Die vorgelagerten Betriebe, die das Fleisch liefern und schlachten, müssen die Richtlinien Mastschwein und Masthuhn einhalten. Die Betriebe, die zerlegen, müssen die Verarbeitungsrichtlinie einhalten. Auch die Warenstromtrennung muss zweifelsfrei und korrekt erfüllt sein. Schlachtet und zerlegt eine Metzgerei selber, muss sie die Anforderungen entsprechend einhalten können.

Welche Produkte können ein solches Siegel erhalten?

In der Einstiegsstufe kann beispielsweise Fleisch von Schweinen gekennzeichnet werden, die als Ferkel mit Betäubung kastriert wurden und deren Schwänze nicht kupiert wurden. Außerdem sollten ihre Ställe mehr Platz und Beschäftigungsmöglichkeiten bieten. Zudem werden strenge Anforderungen an den Transport und die Schlachtung von Tieren gestellt. Bei der Premiumstufe darf den Tieren unter anderem kein gentechnisch verändertes Futter gegeben werden. Außerdem müssen sie Auslau fmöglichkeiten bekommen oder im Freiland gehalten werden.

So sieht die Premiumstufe des neuen Tierschutzlabels aus. - © Deutscher Tierschutzbund
Tierschutzsiegel, Tierschutzlabel

Was wird damit für die Tiere verbessert?

Die Tiere sollen auf diese Weise nicht nur mehr Platz bekommen, sondern auch eine artgerechtere Umgebung. So sollen die Bereiche, in denen die Schweine fressen können, sichtbar von denen getrennt sein, in denen sie liegen oder ihre Notdurft verrichten. Das Mastgeflügel etwa soll einen Außenklimabereich und Sitzstangen erhalten.

Wird es das "Tierschutzlabel" nur für Schweine- und Hühnerfleisch geben?

Das Siegel startet zwar mit Schweine- und Hühnerfleisch. Dem Tierschutzbund zufolge soll es aber "für alle landwirtschaftlich genutzten Tiere erarbeitet werden" und "die gesamte Produktionskette umfassen - von der Zucht bis zur Schlachtung".

Werden Produkte, die mit dem Siegel gekennzeichnet sind, teurer sein, als herkömmliche?

Der Tierschutzbund schließt nicht aus, dass Fleisch aus artgerechter Tierhaltung mehr kosten wird als anderes Fleisch. "Guter und zuverlässiger Tierschutz kostet Geld", erläutert die Organisation auf der Website für das Label. Die Verbraucher müssten daher bereit sein, dies auch angemessen zu entlohnen.

Wer überprüft die Betriebe, die ihr Fleisch mit dem Label kennzeichnen lassen wollen?

Eine unabhängige Zertifizierungsorganisation soll nach Angaben des Tierschutzbundes die Landwirte kontrollieren. Die jeweiligen Gesellschaften vor Ort müssen aber zuvor vom Tierschutzbund zugelassen und speziell geschult worden sein. Zudem wird es unangemeldete Kontrollen geben.

Welche anderen Produktsiegel für Fleischerzeugnisse gibt es?

Produkte aus der ökologischen Landwirtschaft können mit dem Bio-Siegel oder dem EU-Bio-Logo gekennzeichnet werden. Auch die Deutsche Landwirschafts-Gesellschaft (DGL) prüft Lebensmittel. Fleisch, Wurst, frisches Obst, Gemüse und Kartoffeln können zudem das QS-Prüfzeichen erhalten.

Weitere Informationen zu Produktsiegeln gibt es unter label-online.de. Die Website des Tierschutzlabels lautet tierschutzlabel.info . dapd / fm