Panorama -

Neue Rechte bei Pauschalreisen Neues Gesetz zu Pauschalreisen: Rechte von Urlaubern im Überblick

Ab dem 1. Juli gelten in der EU neue Rechte beim Verreisen: Wer eine Pauschalreise bucht, ist dann besser abgesichert. Diese Rechte haben Sie bei Stornierungen, Verspätungen und Problemen vor Ort.

Ob Stornierung oder verpasster Flug: Ab 1. Juli ändert sich bei Pauschalreisen einiges. Das Europäische Verbraucherzentrum hat jetzt eine Broschüre dazu herausgebracht. Beispielsweise können Sie sich jetzt direkt beim Reisevermittler beschweren, wenn etwas schief läuft. Auch welche Reisen überhaupt als Pauschalreise gelten, ändert sich: Sogenannte Click-Through-Buchungen fallen damit unter das neue Recht. Die wichtigsten Fragen und Antworten im Überblick.

Mehr Reisen gelten als Pauschalreise

Eine Pauschalreise ist nach den aktuellen Regelungen nicht nur alles, was als Pauschalreise beworben wird. Auch wenn ein vorgefertigtes Gesamtpaket aus mindestens zwei Reiseleistungen anders beworben wird, gilt es als Pauschalreise. Das gilt ebenfalls, wenn zwei oder mehr Leistungen individuell ausgewählt, aber als Gesamtpaket bezahlt werden. Ob online auf einem Buchungsportal oder offline im Reisebüro ist dabei egal.

Selbst wenn zwei Reiseleistungen innerhalb von 24 Stunden über Verlinkung hintereinander gebucht werden, findet das neue Gesetz zu Pauschalreisen Anwendung. Bucht man also erst einen Flug und gelangt dann über einen Link auf eine Seite für ein Hotel, kann das als Pauschalreise gelten. Eine Kreuzfahrt oder eine Tagesreise, die über 500 Euro kostet, fällt ebenfalls unter die rechtlichen Änderungen.

Was ist eine Pauschalreise?

  • eine Reise, die als Pauschalreise beworben wurde
  • eine Kreuzfahrt
  • eine Tagesreise, die über 500 Euro Wert ist
  • ein vorgefertigtes Gesamtpaket aus mindestens zwei Reiseleistungen, die zusammen bezahlt werden
  • mindestens zwei Reiseleistungen, die ausgewählt und von einem Reisebüro zu einem Gesamtpaket in einem Preis verbunden werden
  • mindestens zwei Reiseleistungen, die auf einem Buchungsportal individuell ausgewählt und als Gesamtpaket bezahlt werden
  • mindestens zwei Reiseleistungen, die über Verlinkung auf einer Internetseite innerhalb von 24 Stunden hintereinander gebucht werden

Was ist keine Pauschalreise?

  • zwei Reiseleistungen, die bei unterschiedlichen Anbietern getrennt voneinander gebucht werden
  • zwei Reiseleistungen, die im Reisebüro individuell ausgewählt und getrennt voneinander berechnet und bezahlt werden
  • eine einzelne Reiseleistung
  • ein Ferienhaus oder eine Ferienwohnung bei einem Reiseveranstalter

Was ist eine Reiseleistung?

  • Unterkunft (Hotel, Pension, …)
  • Beförderung (Flug, Bahn, Bus, …)
  • Mietfahrzeug (Pkw, Motorrad)
  • Touristische Leistungen, die mindestens 25 Prozent des Reisepreises kosten (Ausflüge, Eintrittskarten…)
Where not to go: 12 Urlaubsziele, die Sie meiden sollten

Neue Rechte für Urlauber und Reisebüros

Bei all diesen Reisen gibt es für Reisende und Reisevermittler neue Rechte. Reisende können sich nun direkt beim Reisebüro beschweren. Auch Preisschwankungen, zum Beispiel bei den Treibstoffkosten, dürfen noch bis zu 20 Tage vor Reisebeginn Einfluss auf den Reisepreis nehmen. Wenn der Preis steigt, darf der Reiseveranstalter den Preis um bis zu acht Prozent erhöhen. Wenn er fällt, können Sie eine Preissenkung verlangen.

Ihre Rechte bei Pauschalreisen: Was dürfen Reisende?

  • die Reise bis zum Abreisetag stornieren
  • bis sieben Tage vor Beginn die Reise übertragen, wenn Sie verhindert sind
  • sich bei Problemen vor Ort direkt beim Reisevermittler beschweren
  • eine Preissenkung bei gesunkenen Kosten verlangen, wenn eine Preisänderung vertraglich möglich ist
  • einen Teil des Geldes zurückverlangen bei Flugverspätungen über fünf Stunden

Stornierungen bei Pauschalreisen bis zum letzten Tag möglich

Können Sie Ihre Reise gar nicht erst antreten, dürfen Sie sie bis zu sieben Tage vor Reisebeginn auf eine andere Person übertragen. Entstandene Mehrkosten müssen Sie dann allerdings selbst tragen. Ähnlich ist es, wenn Sie keinen Ersatz finden: Noch bis zum Abreistag ist es erlaubt, die Reise zu stornieren. In diesem Fall darf der Veranstalter jedoch Stornokosten verlangen. Bei außergewöhnlichen Umständen wie Naturkatastrophen können Sie die Reise sogar kostenlos stornieren.

Wird die Reise von Seiten des Veranstalters abgesagt, muss er Ihnen das rechtzeitig mitteilen. Findet die Reise nicht statt, weil zu wenige Teilnehmer mitfahren, können das bis zu 20 Tage im Voraus sein. Das gilt für eine Reise, die mehr als sechs Tage dauert. Zwischen zwei und sechs Tagen Reisedauer sind es immerhin noch sieben Tage vorher. Bei weniger als zwei Tagen Dauer müssen Sie zwei Tage vor Reisebeginn informiert werden.

In jedem Fall muss der Veranstalter Ihnen den bezahlten Preis innerhalb von 14 Tagen zurückerstatten. Auch bei unvermeidbaren Umständen wie Naturkatastrophen erhalten Sie ihr Geld zurück.

Die Pflichten des Reiseveranstalters: Was muss er? 

  • bei Ausfall der Reise die Urlauber je nach Reisedauer mindestens zwei, sieben oder 20 Tage vorher informieren
  • den Urlauber auf einen anderen Flug umbuchen, wenn dieser mit Rail & Fly verpasst wurde

Entschädigung bei Flugverspätung

Was aber, wenn Sie nicht an Ihr Ziel gelangen, weil beispielsweise Ihr Zug Verspätung hatte? Verpassen Sie deswegen Ihren Flug, ist entscheidend, ob Sie die Zugverbindung mit "Rail & Fly" beziehungsweise "Zug zum Flug" als Teil der Pauschalreise gebucht haben. Denn nur in diesem Fall ist der Reiseveranstalter in der Verantwortung und muss Sie auf seine Kosten auf einen anderen Flug umbuchen. Ansonsten müssen weder Reiseveranstalter noch Bahn zahlen.

Sollte das Flugzeug über vier Stunden später als geplant abfliegen, können Sie vom Reisebüro einen Teil Ihres Geldes zurückverlangen. Ab der fünften Stunde stehen Ihnen für jede weitere Stunde Verspätung fünf Prozent des Tagesreisepreises zu. Das gilt auch, wenn sich der Flug wegen Naturkatastrophen oder ähnlichem verspätet.

Ansprüche bei Verspätung von Bahn und Flug

Haben Bahn oder Flug große Verspätung, können Sie unter Umständen auch ohne Pauschalbuchung eine Entschädigung verlangen. Ein Viertel des Fahrpreises bekommen Sie, wenn die Bahn ihr Ziel über eine Stunde später erreicht. Ab zwei Stunden ist es bereits der halbe Fahrpreis.

Bei Flügen ist die Höhe der Entschädigung davon abhängig, wie weit das Flugzeug fliegt, wohin und wie groß die Verspätung ist:

Entfernung Verspätung Entschädigung
Bis 1.500 km Ab 3 Stunden 250 €
Ab 1.500 km (innerhalb EU) Ab 3 Stunden 400 €
1.500 km – 3.500 km Ab 3 Stunden 400 €
Ab 3.500 km 3 bis 4 Stunden 300 €
Ab 3.500 km Ab 4 Stunden 600 €

Beschwerden direkt beim Reisebüro möglich

Im Hotel angekommen, lauert dort manchmal schon der nächste Ärger. Je nachdem wie groß das Problem ist, kann ein Reisemangel vorliegen. Ein unfreundlicher Kellner oder eine Warteschlange am Buffet sind zwar ärgerlich, aber noch kein Grund für eine Entschädigung. Haben Sie jedoch für ein Zimmer mit Meerblick bezahlt und können aus dem Fenster nichts als die Mülltonnen des Hotels nebenan erkennen, liegt ein Mangel vor.

Im besten Fall kann Ihr Problem bereits vor Ort beseitigt werden. Dafür wenden Sie sich an die Reiseleitung vor Ort. Sollte das nicht möglich sein, können Sie sich auch beim Reisebüro oder beim Internetportal, bei dem Sie gebucht haben, beschweren. Diese leiten die Beschwerde dann weiter.

Die Rechte des Reiseveranstalters: Was darf er?

  • den Reisepreis bis 20 Tage vor Abreise um acht Prozent erhöhen
  • Stornokosten verlangen
  • bei Umbuchung auf eine andere Person Mehrkosten verlangen

Entschädigung bei Mängeln vor Ort

Wird das Problem nicht behoben, steht Ihnen eine Entschädigung zu. Das trifft aber nur zu, wenn Sie den Mangel sofort reklamieren, am besten per E-Mail oder Fax. So können Sie etwas vorlegen, falls Sie Ihre Beschwerde später nachweisen müssen.

Es ist außerdem sinnvoll, wenn Sie sich den Mangel schriftlich bestätigen lassen und ihn mit Fotos dokumentieren. Mit Mitreisenden, die das Problem bezeugen können, sollten Sie Adressen austauschen.

Nach der Reise sollten Sie vom Reiseveranstalter so schnell wie möglich eine Entschädigung verlangen. Erklären Sie in einem Schreiben den Mangel und machen Sie deutlich, dass Sie bereits vor Ort reklamiert haben. Für die Höhe der Entschädigung bietet die sogenannte "Frankfurter-Tabelle" eine erste Orientierung. Diese Tabelle des Frankfurter Landgerichts gibt eine Übersicht über Reisepreisminderungen, ist jedoch nicht verbindlich. Einen Gutschein als Ausgleich müssen Sie nicht annehmen: Sie haben das Recht, die Entschädigung als Geldbetrag zu erhalten. jk

© deutsche-handwerks-zeitung.de 2018 - Alle Rechte vorbehalten