Wiederbelebte Metzgerei Neueröffnung gegen den Trend: Ein Konzept zum Nachahmen?

Die frühere Metzgerei in Mainleus stand über 15 Jahre leer. Wer Fleisch und Wurst kaufen wollte, musste sich ins Auto setzen. Seit Mitte September ist diese Vakanz aufgehoben: Pamela Aigner eröffnet das Geschäft "Maaleuser Metzger" und stellt sich mit zwei Kolleginnen gegen das Metzgereisterben – für die Fleischereifachverkäuferin ist es ein Szenario für die Zukunft.

Das Team des "Maaleuser Metzgers".
Das Team des "Maaleuser Metzgers" (von links): Heike Hildner, Inhaberin Pamela Aigner und Katrin Krüger. - © HWK für Oberfranken/Ulrich Förtsch

Damit stemmt sich die 41-Jährige bewusst gegen den Trend des Metzgereisterbens. Und das, obwohl sie selbst keine Metzgerin ist. "Als langjährige Fleischerfachverkäuferin mit Führungserfahrung in einem großen Supermarkt habe ich die entsprechende Ausnahmebewilligung bekommen, um hier in Mainleus meinen Laden zu eröffnen."

Kooperationen in der Region

Dabei ist Aigner wichtig, dass sie selbst natürlich nicht schlachtet und Wurst macht. "Ich möchte die Kunden mit regionalen Fleisch- und Wurstwaren und Lebensmitteln bedienen, verstehe mich aber als Grundversorger und kooperiere deshalb mit verschieden Betrieben aus der Region." Wurst und Fleisch kommt von der Metzgerei Schiller aus Hof, Dosenspezialitäten vom Hofladen Rahm, Käse und Milchprodukte vom Thelitzer Käsehüttla, Eier und Nudeln stammen von Eichenbühler aus Weißenstadt.  In ihrem Laden kümmert sie sich um die Präsentation und Veredelung der Produkte, bietet selbstgemachte Salate und eine Heißtheke an. Dabei helfen ihr mit Heike Hildner und Katrin Krüger zwei weitere Profis der Fleischtheke mit.

Große Unterstützung

Beim örtlichen Bürgermeister rannte die 41-Jährige mit ihrer Idee, den früheren Metzgerladen wieder mit Leben zu erfüllen, offene Türen ein. Betriebswirtschaftliche Unterstützung holte sie sich bei der für den Landkreis Kulmbach zuständigen Betriebsberaterin der HWK, Julia Burger. Diese half Pamela Aigner vor allem bei der Erstellung des Businessplans und verschaffte ihr Fördermittel vom Amt für ländliche Entwicklung. Zuletzt spielten dann auch die Bank und das Gesundheitsamt mit.

"Niemand braucht 100 verschiedene Wurstsorten"

So erfüllt sich Pamela Aigner nun den Traum von der Selbstständigkeit und arbeitet daran, ihre Ziele zu verwirklichen: "Ich möchte wegkommen von den riesigen Wurst- und Fleischtheken wie sie Supermärkte haben, die sowohl die Kunden als auch die Angestellten überfordern. Unser Angebot ist deshalb klein, aber fein." Dahinter steckt eine Überzeugung. "Niemand braucht 100 verschiedene Wurstsorten, da reicht auch eine vier Meter lange Theke.  Jedenfalls dann, wenn die Auswahl und die Qualität stimmen."

Ein Szenario für die Zukunft?

Auch wenn viele Kolleginnen aktuell ihren Beruf hinwerfen, ist er für sie ein großartiges Handwerk: "Ich liebe meinen Job, weil zum einen gutes Essen glücklich macht. Zum anderen macht es mich selbst superzufrieden, wenn ich meine Kunden mit meinen Produkten glücklich machen kann." Ein Metzgerladen, der nicht mehr selbst schlachtet, sondern die Waren von anderen regionalen Partnern veredelt und zum Verkauf bringt, kann für die Chefin des neuen Metzgerladens durchaus ein Szenario für die Zukunft sein. Ihre große Hoffnung ist dabei, dass ihr Konzept von der Mainleuser Bevölkerung honoriert und akzeptiert wird. Der Eröffnungstag lief schon mal gut. Bereits um kurz nach 7 Uhr ging der erste Leberkäse über die prall gefüllte Wursttheke. Die Kunden rannten ihr buchstäblich die Bude ein. "Es läuft! Hoffentlich geht es so weiter, damit unser Konzept aufgeht", freut sich Pamela Aigner über den gelungenen Start.