Beim Cloud Computing können die Nutzer Software übers Internet mieten, statt sie für den stationären PC zu kaufen. Auf der Cebit in Hannover ist es das große Thema. Von Lothar Lochmaier
Neuer Trend auf Wolke sieben
Direkt aus dem Internet abrufbare Anwendungen und Dienste (Cloud Computing) sind heute für viele selbstverständlich. Das zeigen Beispiele wie Amazon, eBay, Flickr, Facebook oder YouTube. All dies sind Softwareprogramme, die nicht auf unserem Rechner installiert sind, sondern auf die wir direkt im Netz zugreifen. Jetzt greift der Trend auf die Arbeitswelt über.
Wir kaufen im Internet ein, stellen Bilder und Videos ins Web und tauschen uns direkt über webbasierte Plattformen mit anderen Nutzern aus. Und das ohne langwierige Einführung. Die meisten Funktionen sind intuitiv und die Plattformen passen sich scheinbar mühelos der Zahl ihrer Nutzer an. Mittlerweile erfasst der Trend auch die Unternehmen. Denn sie müssen nur jene Kundendatenbank, Rechenleistung oder Bürosoftware bezahlen, die sie auch aktiv nutzen.
Eine einheitliche Definition gibt es indes kaum: Denn Cloud Computing bezieht sich zwar auf das Mieten von vielfältig ausgestalteten Diensten aus dem Netz. Diese können sowohl die technische Infrastruktur und Plattformen wie Server und Datenspeicher umfassen als auch Softwareanwendungen. Letztere sind gerade für kleinere Betriebe relevant, die über keine allzu aufwändige IT-Infrastruktur verfügen.
Auch für kleine Betriebe schon Realität
Immer mehr Anwendungen und Dienste lassen sich direkt über das Internet nutzen. So offeriert die bekannte Suchmaschine Google passende Zusatzelemente, so genannte "Apps“. Damit gemeint sind auch geschäftsfähige Office-Anwendungen, die im Büroalltag Einzug halten, damit Mitarbeiter diese von jedem beliebigen Standort aus nutzen können. Dokumente online in verschiedensten Versionen via E-Mail ohne stationäres Programm zu bearbeiten und zu verschicken, diese Zukunftsvision ist selbst für kleinere Betriebe heute schon Realität.
Mit Google Wave lässt der Suchmaschinenkonzern derzeit eine spezielle Plattform von den Nutzern erproben, mit deren Hilfe bunt zusammengewürfelte Projektteams unterschiedliche Dokumente gemeinsam bearbeiten. Jeder Nutzer kann alles mitlesen, bis hin zur E-Mail-Kommunikation. Auch der Einsatz über mobile Endgeräte ist denkbar, von dem auch Handwerksbetriebe profitieren könnten. Schließlich hätte so der Kollege übers Internet oder ein leistungsfähiges Mobiltelefon fortlaufend alles im Blick, was sein Vorgänger beispielsweise bei einem Bauprojekt zuletzt bearbeitet hat.
Neue Formen der Onlinezusammenarbeit bringen somit auch im betrieblichen Alltag deutlich mehr Effizienz, als dies in der stationären PC-Welt mit starren Anwendungen und Diensten der Fall war, die bislang meist auf dem Einzelrechner bzw. der lokalen Festplatte installiert waren. Der Vorteil: Die Software lässt sich beim Cloud Computing beliebig erweitern, ohne dass der Nutzer selbst aufwändige und oftmals nervenaufreibende Aktualisierungen vornehmen muss. Und er zahlt nur dann, wenn er sie nutzt.
Beispielsweise lassen sich die Lösungen der Suchmaschine Google Apps über Drittanbieter direkt in das Management der Kundenbeziehung integrieren (CRM-Systeme). Einer der großen Vorteile von webbasierten Anwendungen liegt darin, dass diese aufgrund ihrer hohen Anpassungsfähigkeit (Skalierbarkeit) für alle Unternehmensgrößen einsetzbar sind. Denn das Spektrum der Anwender reicht vom Kleinbetrieb bis hin zum Großkonzern mit mehreren Tausend Nutzern.