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ADAC hält sauberen Diesel für möglich Neuer Testzyklus: Messdaten von der Straße

Vom 1. September an müssen Neufahrzeuge ihr Abgasverhalten unter realen Bedingungen beweisen – zumindest teilweise.

Wer in den Hochglanzprospekten der Autohersteller blättert, sieht nicht nur aufgehübschte Produktfotos, sondern auch technische Daten, die nicht der Realität entsprechen. Die Angaben zum Verbrauch können in der Praxis selbst bei defensivster Fahrweise mit keinem Pkw erreicht werden. Doch Besserung ist in Sicht.

Neues Testverfahren wieder näher an der Realität

Schuld an den unrealistischen Verbrauchs- und Emissionsangaben ist der Testzyklus, den neue Modelle vor der Zulassung durchlaufen müssen, um etwa die Abgasgrenzwerte zu überprüfen. Aktuell gilt der Neue Europäische Fahrzyklus (NEFZ), der im September vom WLTP abgelöst wird.

Das neue Verfahren (Worldwide Harmonized Light Duty Test Procedure) soll die Messdaten wieder ein Stück in die Realität zurückholen. Nach einer Erhebung des International Council on clean Transportation lagen die Daten der neu zugelassenen Autos im Jahr 2001 um acht Prozent unter realen Werten, 2014 waren es schon 37 Prozent.

Von September an werden Emissionen erstmals unter realen Fahrbedingungen auf der Straße gemessen. Allerdings soll der im WLTP festgeschriebene Abweichungsfaktor vom Laborwert von 1,5 erst von 2021 an gelten.

In der Übergangszeit dürfen Autos mit Faktor 2,1 immer noch doppelt so viele Abgase ausstoßen wie in den Labormessungen, kritisiert der ADAC. „Ziel muss es sein, den Faktor 1,5 möglichst frühzeitig einzuhalten. Die Technologien dafür sind bereits heute vorhanden“, erklärt Vizepräsident Thomas Burkhardt.

RDE-Tests im Raum Augsburg

Der ADAC führt seit vergangenem Jahr selbst Abgastests auf der Straße nach den Regeln des RDE (Real Driving Emissions) durch. Dafür hat der Verkehrsclub rund 250.000 Euro investiert. Vom Technik-Zentrum in Landsberg am Lech geht eine definierte Strecke über rund 90 Kilometer nach Augsburg und zurück.

Gemäß der RDE-Norm führen 30 Kilometer auf dem Hinweg über Landstraßen mit Geschwindigkeiten zwischen 60 und 90 km/h. Es folgen 35 Kilometer Stadtverkehr bei unter 60 km/h. Zurück geht es mit mehr als 90 km/h über die B17, die auch als Autobahn gewertet werden darf, weil hier keine Geschwindigkeitsbegrenzung gilt.

Rund 30 Fahrzeuge wurden inzwischen gemessen. Alle hatten zuvor beim ADAC-Eco-Test mit vier oder fünf Sternen abgeschnitten, waren also schon auf der Rolle besonders umweltfreundlich. „Autos, die da schon schlecht abschneiden, werden auf der Straße bestimmt nicht besser“, erklärt Prüfingenieur Matthias Gall das Auswahlverfahren. Bei den überprüften Fahrzeugen hätten sich jedenfalls die Laborwerte im Prinzip auf der Straße bestätigt.

Was dort nicht geprüft wird, ist der Ausstoß des Treibhausgases CO2 und damit auch der Verbrauch. Diese Daten stammen weiterhin vom Rollen-Prüfstand, weil der Straßenverkehr keine vergleichbaren Bedingungen für den Klimakiller bietet. Der RDE-Test fokussiert sich auf Rußpartikel und die Stickoxide NOx. Beim ADAC ist man davon überzeugt, dass durch moderne Dieseltechnologie der NOx-Ausstoß heute schon um mehr als 90 Prozent gesenkt werden könne. Dieselfahrzeuge sollten in keinem Betriebszustand eine höhere Abweichung vom Euro-6-Grenzwert zeigen als um den Faktor 1,5.

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