Der neue Berliner Erzbischof Rainer Maria Woelki wird am 27. August in sein Amt eingeführt. Das teilte das Erzbistum am Dienstag bei Woelkis erstem öffentlichen Auftritt vor Journalisten in Berlin mit. Der gebürtige Kölner ist 54 Jahre alt. Er folgt auf den verstorbenen Kardinal Georg Sterzinsky.
Neuer Berliner Erzbischof Woelki will zuerst "hinhören"
Berlin (dapd). Der neue Berliner Erzbischof Rainer Maria Woelki wird am 27. August in sein Amt eingeführt. Das teilte das Erzbistum am Dienstag bei Woelkis erstem öffentlichen Auftritt vor Journalisten in Berlin mit. Der gebürtige Kölner ist 54 Jahre alt. Er folgt auf den verstorbenen Kardinal Georg Sterzinsky.
Er werde in Berlin zuallererst "hinhören", kündigte Woelki an. Gegenüber den Millionen Gläubigen im Kölner Bereich würden in der Stadt Berlin zwar nur 313.000 Mitglieder der katholischen Kirche leben. "Das ist also etwas kleiner, aber ich glaube nicht weniger spannend und herausfordernd."
Zugleich betonte der Bischof: "Wir müssen hier in Berlin das Rad und die Kirche nicht neu erfinden. Hier ist viel Gutes gewachsen. Ich werde fortführen, was Kardinal Sterzinsky aufgebaut hat." Er wünsche sich, dass Ost und West zusammenwachsen und dass sich diese Einheit auch beim Klerus wiederfindet.
Besonderen Respekt zollte Woelki den Christen aus dem Osten. Diese hätten zu DDR-Zeiten zusammengestanden, ihren Glauben praktiziert und vieles auf sich genommen, wie sich auch am Beispiel der Familie Sterzinsky gezeigt habe. Der Vater des späteren Berliner Oberhirten habe trotz beruflicher Repressalien zum Weg seines Sohnes gestanden.
Zur Ökumene bekannte sich der neue Erzbischof verhalten, kündigte aber an, weiter gute Kontakte mit den evangelischen Christen der Stadt zu pflegen. Mit dem evangelischen Landesbischof Markus Dröge wolle er sich "in absehbarer Zeit" treffen. Zugleich freue er sich, dass es Juden und Muslime in der Stadt gebe. Er wäre allerdings "froh und dankbar", wenn er sich auch in allen muslimischen Ländern wie ein Christ bewegen könne und dort Kirchen vorfände.
Auf eine Einladung des Lesben- und Schwulenverbandes Berlin-Brandenburg angesprochen, sagte Woelki, er nehme die Einladung an. Woelki betonte zugleich, dass er als Bischof natürlich zur katholischen Lehre zur Homosexualität stehe. "Ich lasse mich aber nicht, und auch die Kirche nicht über Sexualmoral definieren. Die Kirche ist keine Moralanstalt", betonte Woelki. "Deshalb sollte auch ein Bischof mit dem moralischen Zeigefinger vorsichtig und zurückhaltend umgehen und nicht dauernd damit herumfuchteln. Ich habe Respekt vor allen Menschen, unabhängig von ihrer Hautfarbe und Veranlagung."
Im übrigen wolle er in der Stadt keine Lagerbildung hinsichtlich der Zuordnungen "konservativ" oder "liberal" aufkommen lassen. "Was ist erzkonservativ? Für einen Christen muss es darum gehen, dass wir uns an Christus ausrichten."
Fragen zu Berichten, wonach er Homosexualität als "gegen die Schöpfungsordnung" verstoßend bezeichnet haben soll, beantwortete der Bischof mit einem Verweis auf Vertraulichkeit. Das Zitat werde einem Personalgespräch zugeordnet, über das er öffentlich nichts sagen dürfe. Bei einer weiteren Frage zum Thema verwies Woelki auf den Katechismus. Darin stehe, dass Homosexualität eine vor Gott "nicht geordnete" Praxis sei.
Gerüchte, wonach er zum erzkonservativen Orden Opus Dei gehöre, wies Woelki als falsch zurück. Gleichzeitig bat er um eine objektive Bewertung. Die katholische Kirche sei ein "lebendiger und verzweigter Verein". Opus Dei leiste auch in Berlin hervorragende Arbeit im sozialen Bereich. Kritiker sollten sich nicht an "irgendwelchen Roman-Vorlagen" orientieren.
dapd
