Wandfarbe, die das Raumklima verbessert, schallschluckende Tapeten und Natur-Lacke aus Soja-Öl. Nur einige Beispiele der kommenden Trends für Wand und Fassade. So sieht die Wandgestaltung der Zukunft aus.
Manuel Endress
Noch bis 5. März zeigen über 430 Aussteller in München bei der europäischen Fachmesse für Fassadengestaltung und Raumdesign (FAF) neue Farben, innovative Geräte für Profi-Handwerker und zukunftsträchtige Entwicklungen. Ein Überblick über die kommenden Trends zur Wandgestaltung.
Erstes Farbmessgerät für Profis
Eine Neuheit, die dem Maler künftig hilft, seine Kunden optimal zu beraten zeigt die Firma RAL in München. Der Colorimeter "Colorcatch Nano" hilft dem Handwerker dabei, direkt beim Kunden vor Ort die ideale Farbberatung zu geben. Das Gerät misst bis zu sechs Farben gleichzeitig, auf allen Oberflächen. Auf Knopfdruck erkennt es die nächstgelegene Farbe aus dem RAL Sortiment. Möchte ein Kunde beispielsweise die Farbe seines T-Shirts an der Wohnzimmerwand, kann diese direkt auf dem Stoff gemessen werden. Der Clou: Der Colorimeter ist mit einer App verbunden. Dort wird die ermittelte Farbe sofort angezeigt. Der ausgewählte Farbton kann anschließend direkt auf die fotografierte Wand des Kunden übertragen werden. So erkennt dieser sofort, ob ihm die gewählte Farbe zusagt, oder nicht.
Goldocker - die Farbe des Jahres
"Ob am Arbeitsplatz oder in der Wohnung – in einem Raum spielen Farben, Formen und Materialien eine bedeutende Rolle für das Wohlbefinden eines Menschen", sagt Axel Venn, Professor für Farbforschung, Farbtrendscout und Designer. Neben den Wirkungen von Farben spielen selbstverständlich auch Trends eine große Rolle. Im Auftrag der Firma AkzoNobel Sikkens haben Designexperten und Farbforscher deshalb die weltweit aufkommenden Farbtendenzen ermittelt. Sie analysierten, welche Entwicklungen in Wirtschaft, Gesellschaft und Kultur sowie Alltag unser Lebensgefühl bestimmen und wie sich dies in Farben "übersetzen" lässt. Aus den gesammelten Erkenntnissen leiteten die Experten Wohntrends ab und kreierten eine neue Farbpalette. Heraus kam: "Goldocker“, die Farbe des Jahres 2016. Für 2017 sieht Axel Venn übrigens ein Kolorit aus drei Farben als trendgebend. Ein portugiesisches warmes Gelb, ein gedämpftes Koralle-Rot und ein gedecktes Lapislazuli-Blau.
Ebenfalls mit den Farbtrends, allerdings für die Fassade beschäftigte sich eine Studie des Deutschen Lackinstituts. Demnach tendiert eine Mehrheit der Deutschen zu farbigen Hausfassaden. Laut der Studie geben gelb, beige und rot den Ton an. Blau und grün seien stark im Kommen. Dies nahm die Meffert AG zum Anlass und stellt bei der FAF ihre neuen Farbtonfächer "2.0 Vision“ vor, der um 146 neue Töne für Fassaden erweitert wurde.
Putz in Marmoroptik
Neu im Sortiment bei Dinova, einer Tochterfirma von Meffert, ist der Kreativputz "Istinto". Dieser Putz, mit einer vielfältigen organischen Struktur, ist in 140 Farbtönen erhältlich und kann vom Handwerker überall eingesetzt werden. Das kuriose an dem Kreativputz: "Es ist handwerklich erstellter Marmor", sagt Frank Jung, Geschäftsführer bei Dinova. "Der verwendete Kalk wird in drei Arbeitsschritten mit einer sogenannten venezianischen Kelle bearbeitet. Bei den ersten beiden wird nur geglättet, im dritten bekommt der Putz die Marmorähnliche Struktur. Anschließend wird er mit einer Wachsschicht widerstandsfähig gemacht." Handwerker können die Technik schnell lernen. Laut Dinova reicht ein ein- bis zweitägiges Seminar, um das Material anschließend verarbeiten zu können.
Comeback der Tapete
Auch die klassische Tapete lebt noch und feiert ein Comeback. Dies liegt vor allem an neu entwickelten Tapeten, die das wohnen angenehmer machen sollen, gerade in Mietshäusern mit vielen Wohneinheiten. Beispielsweise hat die Marburg Tapetenfabrik eine Tapete mit schalldämmenden Eigenschaften entwickelt. Außerdem spielen Tapeten mit 3D-Effekten und individuellen Motiven und Logos eine große Rolle bei den kommenden Tapeten-Trends
Mit Farben für ein besseres Raumklima
Nachhaltigkeit und Ökologie ist auch im Bereich der Farben eines der beherrschenden Themen. Mit der neuen Produktreihe "CapaGeo“, die zum größten Teil aus nachwachsenden, pflanzlichen Rohstoffen besteht, lanciert Caparol eine ressourcenschonende Lösung, die zudem laut des Herstellers für eine gute Innenraumluft sorgt. "Bei den Handwerkern ist die Meinung zu dieser Farbe noch gespalten. Allerdings: Die nachhaltige Farbe hat die gleiche Haltbarkeit und Qualität, wie herkömmliche Dispersionsfarben", sagt Wolfgang Hoffmann, Produktmanager bei Caparol. Ein Nachteil: Die umweltschonende Farbe ist bislang nur in weiß erhältlich. Bis Oktober 2016 soll es jedoch eine Farbpalette geben. Bei der Herstellung der CapaGeo-Lacke setzte Caparol auf Sojaöl aus nachhaltigen Quellen. Außerdem bestünden die beiden im Sortiment befindlichen Dispersionsfarben zu 100 Prozent aus nachwachsenden Rohstoffen, so Hoffmann.
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