SHK-Handwerk Neue Heizung, neues Bad: Viel ungenutztes Potenzial

Der Großteil der Heizungsanlagen in Deutschland müsste modernisiert werden. Viele Bäder sind renovierungsbedürftig. Das SHK-Handwerk arbeitet am Anschlag, denn die Auftragsbücher sind voll. Der Präsident des SHK-Handwerks mahnt trotzdem, dass die Betriebe einen möglichen Abschwung einkalkulieren müssen.

Betriebe als Berater: Die Auftragsbücher im SHK-Handwerk sind voll. Dennoch sollten die Betriebe die langfristigen Trends nicht außer Acht lassen und sich gut mit den aktuellen Förderprogrammen auskennen. - © D. Ott/Fotolia.com

Seit dem 1. August bezuschusst das Bundeswirtschaftsministerium den Einbau effizienter Wärmepumpen und die Optimierung von Heizungsanlagen mit einem neuen Förderprogramm. Hausbesitzer, die ihre Heizung auf Vordermann bringen, profitieren von staatlichen Fördergeldern in Höhe von 30 Prozent der verauslagten Kosten. Und das ist nicht das einzige Förderprogramm, das es derzeit für Hausbesitzer gibt und indirekt auch das SHK-Handwerk unterstützt.

Zwei Drittel der deutschen Heizungsanlagen ist nach Angaben des Zentralverbands Sanitär Heizung Klima (ZVSHK) technisch nicht auf dem neuesten Stand. Tausende Bäder warten darauf, renoviert zu werden, tausende Wohnungen darauf, altersgerecht umgebaut zu werden. Für das SHK-Handwerk gibt es also viel zu tun.

SHK-Handwerk soll Endkunden beraten

"Ungenutztes Potential im Markt", nennt das ZVSHK-Präsident Manfred Stather in einem aktuellen Statement zur Lage im SHK-Handwerk. "Ungenutztes Potential im Markt, das noch kraftvoll angegangen werden kann", denn die Förderprogramme – ob Wärmepumpenzuschuss, Zuschuss zum hydraulischen Abgleich der Heizungsanlage oder das Altanlagenlabel, für die sich der Verband bei der Politik stark gemacht haben – müssten auch von den Betrieben an den Endkunden herangetragen werden. Der ZVSHK will dafür in Kürze auch eine bessere Unterstützung geben.

Dazu ruft Stather auf und mahnt zugleich, dass die aktuell gute Phase im SHK-Handwerk nicht zum Ausruhen anregen soll. "Ein wirtschaftlicher Aufschwung ist immer endlich; der nächste Abschwung kommt bestimmt. Wir wissen nur noch nicht wann", teilt der Präsident mit und möchte damit den Betrieben die Arbeit an einer langfristigen Kundenbindung ans Herz legen. Es gehe nicht darum, Aufträge nur abzuarbeiten, sondern jeweils vor dem Hintergrund eines individuellen Energiekonzeptes zu beraten.

SHK-Handwerk: Viele Aufträge, knappes Personal

Über 52.000 Handwerksbetriebe mit über 340.000 Beschäftigten gehören derzeit zum SHK-Handwerk und eigentlich deuten die aktuellen Zahlen der Branche (Konjunkturumfrage des ZVSHK) auf alles andere als auf einen Abschwung hin:  

  • Gegenwärtige Geschäftslage: Die aktuelle Stimmungslage im SHK-Handwerk ist im Vergleich zum letzten Sommer um etwa acht Prozent auf +68,8 Prozent angestiegen. Im Sanitärbereich wird die Lage mit +71,2 Prozent noch stärker verbessert eingeschätzt als bei den Betrieben, die sich vorrangig um Heizungen kümmern (+56,4 Prozent).
  • Zukünftige Geschäftslage: Die Geschäftslage für die nächsten drei Monate wird mit +18,8 Prozent deutlich optimistisch bewertet. Im letzten Sommer lag dieser Indikatorwert bei +15,8 Prozent. Die positiven Geschäftserwartungen für die nächsten drei Monate sind für Sanitär und Heizung mit +21,2 Prozent identisch gut.
  • Auftragsbestand: Der positive Stimmungstrend wird durch einen relativ konstant hohen Auftragsbestand von 9,8 Wochen untermauert.
  • Umsatz: 27,7 Prozent der Betriebe geben gestiegene Umsätze für die letzten drei Monate an. Das sind ungefähr genauso viele wie im letzten Sommer.
  • · Beschäftigung : Die Beschäftigungsentwicklung wird von 16 Prozent der Betriebe als wachsend gesehen.
 

Doch gerade die letztgenannte Zahl zeigt auch ein Problem der Branche, das derzeit viele Handwerksbranchen kennzeichnet: den Mangel an Fachkräften und geeignetem Nachwuchs. "Im Moment gilt: salopp ausgedrückt – die Betriebe arbeiten am Anschlag", sagt Verbandssprecher Frank Ebisch auf Anfrage dazu. Deshalb habe der ZVSHK im April auch eine bundesweite Nachwuchskampagne gestartet. 

Zum aktuelle Aufruf des Verbands sagt Ebisch: "Uns ist wichtig, den Betrieben auch in der Hochphase der konjunkturellen Hochphase zu zeigen, wie wichtig es ist perspektivisch zu denken." Die aktuellen Förderprogramme laufen jetzt erst richtig an. So gebe es keinerlei Tendenzen, dass sich ein Abschwung ankündigt. Doch er soll auch genutzt werden. jtw