Ehemaliger Förster sah in den Tagen vor dem Anschlag wohl das spätere Fluchtauto am Waldrand Neue Erkenntnisse zu Schießübungen der Buback-Attentäter

Die terroristische Rote Armee Fraktion hat offensichtlich kurz vor dem Attentat auf Generalbundesanwalt Siegfried Buback im April 1977 in einem Waldstück bei Illingen-Schützingen in Baden-Württemberg Schießübungen veranstaltet.

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Neue Erkenntnisse zu Schießübungen der Buback-Attentäter

Stuttgart (dapd). Die terroristische Rote Armee Fraktion hat offensichtlich kurz vor dem Attentat auf Generalbundesanwalt Siegfried Buback im April 1977 in einem Waldstück bei Illingen-Schützingen in Baden-Württemberg Schießübungen veranstaltet. Ein ehemaliger Förster berichtete am Donnerstag als Zeuge im Prozess um das Buback-Attentat vor dem Oberlandesgericht Stuttgart, dass er wenige Tage vor dem Attentat in dem Wald nicht nur 50 bis 60 Schüsse gehört habe. Ihm seien auch zwei Wagen aufgefallen, die später den Terroristen zugeordnet werden konnten. Dies würde nahelegen, dass die Schießübungen damals tatsächlich von der RAF abgehalten wurden.

Der Mann sagte aus, er habe am Waldrand einen Alfa Romeo mit dem Kennzeichen GER-AM gesehen - also höchstwahrscheinlich das spätere Fluchtauto desselben Typs mit dem Kennzeichen GER-AM-25. Außerdem sei ihm ein blauer Mercedes mit Ludwigsburger Kennzeichen "LB" aufgefallen - und damit wohl jenes Auto, mit dem sich die Terroristen damals viel bewegt hatten. Diese beiden Beobachtungen zu den Fahrzeugen seien "neu" für das Gericht, sagte der Vorsitzende Richter Hermann Wieland.

In seinen früheren Vernehmungen nach dem Attentat oder in den Prozessen gegen die wegen des Buback-Anschlags verurteilten RAF-Terroristen Knut Folkerts, Christian Klar und Brigitte Mohnhaupt hatte der heute 79-jährige Zeuge nur davon berichtet, dass er am Abend des 4. April 1977 gegen 22.00 Uhr etwa 50 bis 60 Schüsse aus dem 1,5 Kilometer entfernten Wald gehört hatte.

Inzwischen ist bekannt, dass bei diesen Schießübungen die Waffe benutzt wurde, mit der Buback am 7. April 1977 in Karlsruhe von einem Motorrad aus erschossen wurde - das Selbstladegewehr HK 43. Der frühere Förster betonte, zwei junge Männer in dem blauen Mercedes auf einem Waldparkplatz hätten ihn damals "erschrocken" angeblickt, als er mit seinem Wagen an ihnen vorbeigefahren sei.

Der Förster hatte die Schüsse damals für "Manöverschießen" gehalten und deshalb nicht gleich die Polizei informiert. Erst als er am Tattag die Nachricht vom Attentat hörte, alarmierte er die Polizei, die daraufhin mit ihm den Ort der Schießübungen besichtigte. Dabei wurden Einschusslöcher an zwei Bäumen, Patronenhülsen und Reifenspuren eines Motorrades gefunden.

Bis heute ist ungeklärt, welches RAF-Mitglied am 7. April 1977 die tödlichen Schüsse auf Buback, seinen Fahrer Wolfgang Göbel und den Justizwachtmeister Georg Wurster abgefeuert hat.

Die Bundesanwaltschaft wirft der wegen Mittäterschaft angeklagten früheren RAF-Terroristin Verena Becker vor, maßgeblich an der Entscheidung für den Mordanschlag, an dessen Planung und Vorbereitung sowie der Verbreitung der Bekennerschreiben mitgewirkt zu haben. Die Bundesanwaltschaft geht - anders als Nebenkläger Michael Buback - nicht davon aus, dass Becker die Todesschützin war. Die Angeklagte schweigt beharrlich zu den Vorwürfen.

dapd