Wirtschaftsgespräch zur Internationalen Handwerksmesse Neue Bundesregierung: Handwerk fordert Vorfahrt für die Wirtschaft

Angesichts der aktuellen Weltlage und der wirtschaftlichen Situation in Deutschland fordert ZDH-Generalsekretär Holger Schwannecke eine schnelle und verlässliche Regierungsbildung. Jetzt müssten die Weichen für die Zukunft gestellt werden, um Deutschlands Wettbewerbsfähigkeit zu erhalten.

Bei einem Wirtschaftsgespräch im Vorfeld des Kongresses "Zukunft Handwerk" und der Internationalen Handwerksmesse mahnten ZDH-Generalsekretär Holger Schwannecke (links) und BHT-Präsident Franz Xaver Peteranderl dringend erforderliche Reformen für die deutsche Wirtschaft an. - © GHM

Die Internationale Handwerksmesse (IHM) und der Kongress "Zukunft Handwerk" finden mitten während der Sondierungsgespräche nach der Bundestagswahl statt. Während die Koalitionsverhandlungen laufen, fordert das Handwerk die Beteiligten auf, schnell eine stabile und verlässliche Regierung zu bilden. Kurz vor der "Zukunft Handwerk" (12. und 13. März) und der Internationalen Handwerksmesse (12. bis 16. März) in München sagte Holger Schwannecke, Generalsekretär des Zentralverbands des Deutschen Handwerks (ZDH): "Das ist, was Deutschland jetzt braucht." Der Reform- und Handlungsdruck sei angesichts der aktuellen Ereignisse und der Weltlage hoch.

Deshalb und wegen der Wirtschaftssituation müssten nun die Weichen gestellt werden, um die Wettbewerbsfähigkeit Deutschlands sicher beziehungsweise wiederherzustellen und die Wirtschaft zu stärken. Strukturreformen sollen für ein besseres Innovationsumfeld sorgen. Bei der Regierungsbildung dürfe es daher auch kein parteipolitisches Taktieren geben. "Vorfahrt für die Wirtschaft jetzt", sagte Schwannecke und forderte Planbarkeit für die Handwerksunternehmen in Deutschland sowie den Abbau von Bürokratie und mehr Vertrauen der Politik in die Betriebe. Handwerksbetriebe in Deutschland benötigten aber auch bezahlbare Energie und beschleunigte Genehmigungsverfahren sowie insgesamt ein wirtschaftsfreundliches Abgaben- und Sozialsystem.

Sorge um die Bauwirtschaft

Die deutsche Wirtschaft schwächelt seit langem. Die Sorge des Handwerks gilt derzeit besonders der Baubranche. "Wir müssen dringend wieder in die Spur kommen", so der ZDH-Generalsekretär. Mit Blick auf den Fachkräftemangel und fehlenden Unternehmensnachfolgern sagte Schwannecke: "Es ist ein dramatisches Signal, wenn wir keinen unternehmerischen Nachwuchs mehr bekommen." Das unterstrich Franz Xaver Peteranderl, Präsident des Bayerischen Handwerkstages (BHT): "Dass derzeit eine Mehrheit der Meisterabsolventen sich lieber anstellen lassen als selbstständig machen will, liegt im Wesentlichen an den Bürokratielasten." Auch er forderte endlich einen "Befreiungsschlag".

Dass der Unternehmer-Nachwuchs wegen der Bürokratie ausbleibt, schreibt Holger Schwannecke auch der "Angst junger Menschen vor Formularen" zu. "Das heißt nichts anderes als Überforderung." Seit Jahren weisen die Handwerksorganisationen auf zunehmende Bürokratie hin, die insbesondere von kleinen, mittleren und Kleinstunternehmen nicht mehr zu bewältigen sei. Es müsse bei zahlreichen Anforderungen endlich nach Betriebsgrößen unterschieden werden. Anforderungen, die für ein großes Unternehmen oder einen Konzern kein Problem darstellen, belasteten kleine, mittlere und Kleinstunternehmen. Zudem seien die umfangreichen Vorschläge zum Bürokratieabbau, die 57 Verbände vor rund zwei Jahren, eingebracht haben, nur zu einem verschwindend geringen Bruchteil umgesetzt worden.

Schwannecke sprach sich außerdem für eine flächendeckende Berufsorientierung an allen Schulen aus. Denn die Zukunftsaussichten der Branche seien gut, schließlich sei das Handwerk in allen Zukunftsbranchen gefragt. "Das Handwerk kann Zukunft", sagte Schwannecke.