Energetische Gebäudesanierung ist mehr als Wärmedämmung, auch Heizungen gehören dazu. Der frühere Bundesumweltminister Klaus Töpfer hat nun eine Abwrackprämie für alte Heizanlagen gefordert. Für das Handwerk könnte dies neue Aufträge bedeuten.
Neue Abwrackprämie für Heizungen vorgeschlagen
"Viele Heizungen aus dem letzten Jahrhundert haben einen Wirkungsgrad, dass einem die Haare zu Berge stehen", sagte Töpfer auf dem Bundeskongress zur nationalen Stadtentwicklungspolitik in Kassel. Dort sprach er vor rund 900 Fachleuten aus Politik, Kommunen, Wissenschaft und Wirtschaft und plädierte dafür, dass sich die energetische Gebäudesanierung nicht auf die aus Denkmalschutzgründen oft schwierige Isolierung der Außenwände beschränken dürfe.
Gebäudesanierung mal anders
Über die steuerliche Förderung der Gebäudesanierung haben Bund und Länder immer noch nicht abschließend entschieden. Mit einer Abwrackprämie für alte Heizungen könnten gleich zwei Probleme gelöst werden. Die Bundesregierung könnte ihre Ziele, den Kohlendioxidausstoß zu reduzieren, wieder stärker in den Vordergrund rücken und gleichzeitig würden Forderungen der Wirtschaft, die Gebäudesanierung stärker zu fördern unterstützt werden. Das Handwerk hatte mehrmals darauf hingewiesen, dass hier endlich eine Entscheidung gefällt werden müsse.
Ihre Ziele etwas gegen den Klimawandel zu tun und den Kohlendioxidausstoß zu verringern, möchte die Bundesregierung auch durch neue Plus-Energie-Häuser verstärken. Darauf wies der Staatssekretär im Bundesbauministerium, Rainer Bomba beim Kongress in Kassel hin. "Wir müssen Häuser bauen, die wesentlich mehr Energie erzeugen, als sie verbrauchen", sagte Bomba. Die zusätzlich erzeugte Energie könnte dann beispielsweise für den Antrieb von Elektroautos genutzt werden. "Das bedeutet, dass wir klimaneutral wohnen, klimaneutral fahren - und das auch noch weitgehend kostenneutral", erklärte Bomba. Technisch sei das bereits möglich. Als Pilotprojekt werde ein solches Haus demnächst in Berlin eingeweiht.
"Shopping-Malls am Rande der Städte sind Irrsinn"
Bomba, der kurzfristig den ursprünglich angekündigten Bundesbauminister Peter Ramsauer vertrat, stieß mit seinem Plädoyer auf dem Bundeskongress auf Skepsis. Auch bei Töpfer. "Was machen wir mit den 24 Millionen Wohneinheiten, die noch nicht saniert sind?", fragte der frühere Minister und heutige Vorsitzende der Ethikkommission, die die Bundesregierung nach der Reaktorkatastrophe in Fukushima eingesetzt hatte. Einzelne Plus-Energie-Häuser seien dafür keine Lösung. Für einen klimagerechten Umbau der Städte müssten auch "erzwungene Mobilitäten" abgebaut werden, sagte Töpfer mit Blick auf den "Irrsinn der Shopping-Malls am Rande der Städte".
Die Bundesregierung strich den Kommunen allerdings die Mittel für die Städtebauförderung zur Aufwertung von Innenstädten zusammen. Für 2012 sind 410 Millionen Euro vorgesehen - 200 Millionen Euro weniger als noch im vergangenen Jahr.
"Jährlich findet ein ritueller Kampf um die Aufstockung statt", klagte der rheinland-pfälzische Finanzminister Carsten Kühl (SPD) als Vorsitzender der Bauministerkonferenz. Die Kommunen bräuchten das Geld dringend. Das betonte auch der Vize-Präsident des Deutschen Städtetags, Regensburgs Oberbürgermeister Hans Schaidinger (CSU): Den Kommunen fehlten bereits heute rund fünf Milliarden Euro im Jahr. "Eine Erhöhung der Städtebauförderung ist der beste Weg zum Sparen", sagte Schaidinger. Die damit möglichen Investitionen wirkten wie ein Konjunkturprogramm.
dapd/dhz