Die Fertigstellungen im Wohnungsbau erreichen 2024 einen Tiefstand und für 2025 sieht es nicht besser aus. Die Politik ist unter Druck und kündigt Maßnahmen an. Die Frage: Wie schnell gelingt die Kehrtwende?

Der Wohnungsbau ist im vergangenen Jahr deutlich eingebrochen und auch für 2025 sieht das Baugewerbe noch keine Trendwende – trotz einer leicht verbesserten Auftragslage. "Angesichts der nur noch knapp 252.000 fertiggestellten Wohnungen im Jahr 2024 bleiben wir deutlich hinter dem prognostizierten Bedarf von 320.000 bis 340.000 Wohneinheiten zurück", sagte Felix Pakleppa, Hauptgeschäftsführer Zentralverband Deutsches Baugewerbe (ZDB) zu den jüngsten Zahlen des Statistischen Bundesamtes. Für 2025 rechnet der Verband mit 225.000 bis 230.000 neuen Wohnungen. Angesichts dieser Zahlen komme es jetzt auf die richtige Weichenstellung der Politik an.
Privatbau schwächelt besonders: Starkes Minus bei Einfamilienhäusern
Insgesamt wurden im vergangenen Jahr 251.900 Wohnungen fertiggestellt. Das waren 42.500 Wohnungen oder 14,4 Prozent weniger als ein Jahr zuvor, wie das Statistische Bundesamt mitteilte. Dabei befanden sich 215.900 Wohnungen in neu errichteten Wohngebäuden. Besonders starke Rückgänge hat es bei den meist von Privatpersonen errichteten Ein- und Zweifamilienhäusern gegeben. Insgesamt wurden den Angaben zufolge 54.500 Einfamilienhäuser fertiggestellt gestellt – ein Minus von 22,1 Prozent.
Rückgang bei Mehrfamilienhäusern fällt geringer aus
Ähnlich sieht es auch bei anderen Gebäudetypen aus. In Zweifamilienhäusern ist die Zahl neuer Wohnungen um 26,2 Prozent auf 17.600 gesunken. In den oft von Investoren gebauten Mehrfamilienhäusern ging die Zahl um 13,4 Prozent zurück auf 135.300 Wohnungen. Einzig konstant blieb der Bau von Wohnungen in bereits bestehenden Wohngebäuden. So wurden wie 2023 rund 30.300 Wohnungen durch Aus- oder Umbau oder Aufstockung fertiggestellt.
Neue Ministerin kündigt Maßnahmenpaket gegen Wohnungsmangel an
Ein Grund für die Problematik am Bau: Die quälend langen Prozesse. Durchschnittlich vergehen in Deutschland 26 Monate von der Bewilligung bis zum fertigen Neubau, schreiben die Statistiker – sechs Monate mehr als 2020. Im vergangenen Jahr erloschen sogar 29.000 Baugenehmigungen für Wohnungen, weil die in der Regel die mehrjährige Gültigkeitsdauer abgelaufen sei.
Bundesbauministerin Verena Hubertz (SDP) will angesichts der Misere auf dem Wohnungsmarkt an mehreren Stellschrauben drehen. "Was wir jetzt brauchen, ist ein Dreiklang aus Tempo, Technologie und Toleranz, um wieder Schwung in den Wohnungsmarkt zu bringen und auch den Bauüberhang von rund 760.000 genehmigten, aber noch nicht fertig gebauten Wohnungen, zu aktivieren", sagte sie. "Wir werden zügig den Wohnungsbauturbo vorlegen, steuerliche Anreize verbessern und Neubauförderprogramme radikal vereinfachen", versprach sie.
Bauturbo für "Friseur, Busfahrerin und bezahlbare Preise"
Den "Bauturbo" will sie schon in den ersten 100 Tagen ihrer Amtszeit anwerfen, wie sie schon zuvor sagte. Gemeint ist dabei der Paragraf 246e Baugesetzbuch (BauGB). Er zielt darauf ab, den Wohnungsbau in Gebieten mit angespanntem Wohnungsmarkt durch Sonderregelungen zu vereinfachen. Gleichzeitig will sie die soziale Wohnraumförderung auf "Rekordniveau" fortsetzen.
Um Baukosten zu senken, setzt sie auf beschleunigte Planungs- und Genehmigungsverfahren wie auch auf serielles und modulares Bauen. "Ich möchte, dass der Friseur, die Busfahrerin, die junge Familie oder der alleinstehende Rentner auch die passende Wohnung finden. Und das zu bezahlbaren Preisen."
IG-Bau: Die Bauleute stehen bereit – heute und nicht übermorgen
Auch nach Ansicht der Baugewerkschaft gilt es, keine Zeit zu verlieren. "Der Bau hat die Kapazitäten, den Wohnungsbau wieder hochzufahren. Es geht jetzt darum, dass genau das schnell passiert", sagte IG-Bau-Chef Robert Feiger. Die Menschen, die unverschämt hohe Mieten zahlten und die, die vergeblich eine Wohnung suchten, hätten keine Zeit. "Der Neubau-Turbo muss jetzt starten, nicht erst morgen und schon gar nicht übermorgen", fügte er hinzu.