Volks- und Raiffeisenbanken warnen Nachhaltigkeitsregulierung bremst Kreditvergabe

Der Genoverband fordert Erleichterungen bei der Kreditvergabe an kleine und mittelständische Unternehmen. Neue ESG-Vorgaben aus Brüssel könnten sonst zu mehr Bürokratie und einer spürbaren Kreditbremse führen.

Banken halten knapp die Hälfte ihrer Firmenkunden bei Verfügbarkeit von Nachhaltigkeitsdaten für überfordert. - © studio v-zwoelf - stock.adobe.com

Der Genoverband warnt vor einer möglichen Kreditbremse und fordert Gegenmaßnahmen. "Bei der Berücksichtigung von Nachhaltigkeitsrisiken in der Banksteuerung muss es für die Kreditvergabe an kleine und mittelständische Unternehmen Erleichterungen geben", fordert Michael Hoeck, Vorstandsvorsitzender des Genoverbandes, eines Prüf- und Beratungsverbandes sowie Interessenvertreters für rund 2.800 Mitgliedsgenossenschaften verschiedenster Wirtschaftsbereiche.

Vorgaben aus Brüssel

Hintergrund der aktuellen Diskussion ist die Umsetzung der EU-Bankenrichtlinie CRD VI in deutsches Recht. So soll nach den aktuellen Plänen das entsprechende Bankenrichtlinienumsetzungs- und Bürokratieentlastungsgesetz (BRUBEG) in den nächsten Monaten endgültig von Bundestag und Bundesrat verabschiedet werden. Dieses Gesetz führe trotz seines Namens zu neuen Vorgaben beim Management von ESG-Risiken (Umwelt-, Sozial- und Governance-Risiken), warnt der Verband.

Kreditvergabe wird komplexer

So müssen Kreditinstitute künftig einen Plan für Nachhaltigkeitsrisiken (ESG-Risikoplan) erstellen. Es sei zu erwarten, dass sich dies auch auf die Kreditvergabestandards auswirken werde. "Somit steigt der Aufwand der Banken, und die Komplexität bei der Kreditvergabe verbleibt auf hohem Niveau", warnt Hoeck. Dabei liege Nachhaltigkeit eigentlich in der DNA der Genossenschaftsbanken. "Problematisch wird es, wenn das Thema auf eine hohe Anzahl komplexer Datenpunkte reduziert und als regulatorische Last auf Banken gelegt wird." Damit werde das Thema kaputt gemacht.

Umfrage: Viele Firmenkunden fühlen sich überfordert

Die Schwierigkeiten zeigen sich in einer repräsentativen Umfrage des Verbandes unter Vorständen von Volks- und Raiffeisenbanken im August 2025. Sie sollten einschätzen, wie es um die Verfügbarkeit von Nachhaltigkeitsdaten – wie etwa Daten zur Verringerung von CO₂- oder Wasserverbrauch sowie zum Einsatz recyclingfähiger Materialien im Produktionsprozess – bestellt ist. Dabei sollten sie die Firmenkunden in Vorreiter, Pragmatiker, Starter und Überforderte einteilen. Das Ergebnis: Mit 46 Prozent gehörte fast die Hälfte zu den Überforderten, also zu denjenigen, die mit den Anforderungen nur schwer zurechtkommen oder sich noch gar nicht damit beschäftigt haben.

Baugewerbe: Unternehmen wollen weniger Bürokratie

Die Umfrageergebnisse bestätigen die Einschätzung des Zentralverbands des Deutschen Baugewerbes (ZDB). "Die nachhaltige Transformation scheitert derzeit nicht am fehlenden Engagement der Unternehmen, sondern an einer stark daten- und formatgetriebenen Regulierung, die insbesondere mittelständische Unternehmen überfordert", sagte ZDB-Hauptgeschäftsführer Felix Pakleppa. Mittelständische Bauunternehmen investierten kontinuierlich in Ressourceneffizienz, Materialeinsparung, Kreislaufansätze und die regionale Wertschöpfung. "Es geht den Unternehmen nicht um weniger Nachhaltigkeit, sondern um weniger Bürokratie und mehr Markt."

ZDB: Finanzierung darf nicht zum Hemmschuh werden

Nachhaltige Investitionen müssen nach den Worten Pakleppas erleichtert werden. "Finanzierung darf nicht zum Hemmschuh werden, sondern muss als Hebel wirken – mit klaren, verlässlichen Kriterien und Planungssicherheit für den Mittelstand", forderte er. Banken und Bankenaufsicht rief er auf, sich an den neuen VSME-Standard – den freiwilligen Berichtsstandard für kleine und mittlere Unternehmen – anzuschließen und auf weitere Regulierungen zu verzichten.