Nachfolgeproblem aktiv angehen

Demographie verstärkt Druck

Klaus Müller, Geschäftsführer Volkswirtschaftliches Institut Mittelstand und Handwerk (ifh) an der Universität Göttingen. - © ifh Göttingen

Nachfolgeproblem aktiv angehen

Im Zuge des demografischen Wandels wird vermehrt über die Unternehmensnachfolge diskutiert. Denn die Zahl der Inhaber, die ihre Firma übergeben will, wird ansteigen, während die Zahl der potenziellen Nachfolger zurückgehen wird. Diese Entwicklung dürfte zwar vorerst gemächlich vonstattengehen, spätestens ab 2020 aber an Relevanz gewinnen. Auch deshalb sollte man rechtzeitig über die Nachfolge nachdenken.

Hier liegt leider noch einiges im Argen. Nach einer empirischen Erhebung des Göttinger Handwerksinstitutes ist erst ein Drittel der Handwerksinhaber konkret in eine Nachfolgeplanung eingetreten. Selbst im Alter von 61 bis 65Jahren sind es nur knapp 60 Prozent. Dabei kann die Notwendigkeit einer Nachfolgeregelung durch unerwartete Schicksalsschläge wie Tod oder längere Krankheit plötzlich auftreten. Das führt dann immer wieder zu Situationen, in denen gesunde Unternehmen vor große Probleme gestellt werden und unter Umständen schließen müssen.

Angesichts dieser Situation stellt sich die Frage, weshalb die Inhaber die Nachfolge häufig aufschieben. Es gibt verschiedene Gründe: Oft ist die familiäre Situation nicht geklärt, Kinder können sich nicht für die Nachfolge entscheiden. Manchmal gibt es auch zwei potenzielle Übernehmer und die Auswahl fällt schwer. Häufiger ist aber, dass kein Familienmitglied in Frage kommt. In diesen fast 60 Prozent aller Fälle bleibt nur eine externe Lösung. Zuerst wird im eigenen Betrieb gesucht, wobei auch über eine Nachfolgerin nachgedacht werden sollte. Aber auch hier findet sich nur in knapp 25Prozent der Fälle eine Lösung. Dann heißt es, über die Innung, den Steuerberater oder andere Kanäle nach einem geeigneten Übernehmer zu suchen.

Unterstützung leisten auch die Handwerkskammern über ihre Nachfolgebörsen und ein Bündel von Aktivitäten zur Unternehmensnachfolge, angefangen von Informationsmaterial, Informationsveranstaltungen sowie Beratungen bis hin zu Unternehmensbewertungen. Mit dieser Hilfe könnte und sollte der Unternehmer sein „Nachfolgeproblem“ aktiv und vor allem rechtzeitig angehen.